Wer kennt das nicht: Dank eines mittlerweile recht gut vereinheitlichten Anschlussstandards namens USB-C stapeln sich in der Schublade verschiedenste USB-C Kabel. Kurze, lange, hübsche und fragwürdige. Aber das hübsche rote lädt nur mit 30W aber Datenverbindungen klappen recht flott während das ein anderes viel unscheinbareres Kabel den Laptop mit voller Leistung versorgt und problemlos das Displayport-Signal überträgt. Sofern das aber nicht direkt am Kabel aufgedruckt ist, weiß man erst mal nicht, welches Kabel welche Tricks beherrscht.
Und genau diesem Problem will der CaberQU (aus Österreich) auf die Spur gehen und dem Kabelchaos den Kampf ansagen.
Videoreview
Warum aber ist USB-C so frustrierend?
Nun, eben weil die wenigsten Kabel direkt verraten, welche Ladeleistung oder Übertragungsgeschwindigkeit sie beherrschen. Aber weshalb ist das nun so? Tja, „USB-C“ ist nur der Stecker und sagt leider absolut nichts darüber aus, was letztlich durch die Adern des Kabels geschickt werden kann. Und was genau führt jetzt zu diesem nervigen Theater, dass gefühlt jedes USB-C Kabel irgendwas besser oder schlechter kann, als das andere? Der eMarker.
eMarker?
Also, vereinfacht gesagt könnte man ihn sich wie eine Speisekarte im Restaurant vorstellen. Auf ihm ist vermerkt, was die Küche zu liefern vermag. Nur, dass der eMarker ein Chip, ein kleines EEPROM im Stecker des Kabels ist, auf dem u.a. neben dem Kabeltyp (USB A/B, 3.2 Gen2 oder Thunderbolt 3/4) auch z.B. die maximale Stromstärke (3 oder 5A) sowie die maximale Datenrate (0,48Gb/s – 40Gb/s) vermerkt ist. Über zwei der 24 Pins des USB-C Kabels werden diese Daten ausgelesen und so Ladeleistung und Datenraten optimal auf das Kabel eingestellt.
Jetzt könnte man meinen – dann ist doch alles gut: Die Kabel melden alle brav, was sie können, Friede, Freude, Eierkuchen.
Die Falle – der 15W Fallback
Ja leider ist es eben nicht so, dass jedes Kabel einen eMarker verbaut hat. Gerade die günstigsten Kabel, jene Stummelchen, die oftmals irgendwo beigelegt sind. Und wenn in der USB-C Welt der eMarker fehlt, so ist Laden mit maximal 15W möglich und Daten tröpfeln nach dem USB 2 Standard durch die Leitung.
Und genau durch dieses Zusammenspiel haben wir das Drama in der Kabelschublade. Und genau deshalb gibt’s Abhilfe, unter anderem von CaberQU.
CaberQU enttarnt die minderwertigen Kabel
BLE CaberQU heißt das Gerät um das es hier geht von der gleichnamigen Firma CaberQU aus Linz, in Österreich. Deshalb freut’s mich natürlich besonders, euch hiervon erzählen zu dürfen, endlich mal ein Gerät das „designt & gebaut in Österreich“ ist. Wobei ich ja schon mit designt und gebaut in Europa sehr happy wäre 😉
Der BLE CaberQu ist ein kleines rechteckiges Kästchen mit drei USB-C Anschlüssen. Haben wir das Gerät vor uns am Schreibtisch so dient der Anschluß an der Oberkante der Stromversorgung des BLE CaberQU während der linke und rechte USB-C Anschluß zum Testen eines USB-C Kabels verwendet wird.
Auf der Oberseite befindet sich eine Status LED, ein TFT Display sowie vier Pfeiltasten zur Navigation zwischen den Anzeigen, dank BLE kann auch Verbindung mit der Smartphone App aufgenommen werden, was die Einsicht der Daten deutlich vereinfacht.
Die verschiedenen Anzeigemöglichkeiten am CaberQU
Während die Standardanzeige uns direkt alle relevanten Daten zum eingesteckten Kabel präsentiert liefert uns der zweite Anzeigemodus dieSpezifikationen: USB-Version, eMarker-Daten, Volt und Ampere. Welcher Use-Case wird unterstützt? Der dritte Anzeige am kleinen Bildschirm stellt uns schließich schematisch das Kabel dar, wir sehen Details wie die Pinbelegung, den VBUS Widerstand der zur Abschätzung der Kabelgesundheit herangezogen werden kann.
Kabel durchgetestet
Kabelgesundheit wird sichtbar
Oftmals hat man ja auch das Problem, ein Kabel am Tisch zu haben, das trotz optischer unauffälligkeit einfach nicht so richtig funktionieren will. CaberQU kann hierzu auch die „Kabelgesundheit“ anzeigen und so Rückschlüsse auf den Zustand des Kabels bieten. Das hilft schon mal ungemein beim Aussortieren!
Die Konkurrenz
Treedix Kabeltester
Bei aller Lobhudelei zum CaberQU darf man natürlich auch nicht unerwähnt lassen, dass es ebenfalls ähnliche Lösungen am Markt, natürlich aus China, gibt.
Der Treedix USB Cable Tester bietet beispielsweise ebenfalls ein Farbdisplay und (6cm vs 5cm beim CaberQU) ist damit etwas größer als der CaberQU (Treedix 7,4 x 6,4 x 1,25 vs. CaberQU 9 x 4,5 x 1,2cm) und die Anzeige von allen eMarker Daten, schlüsselt selbige aber weniger übersichtlich auf und bietet KEINE Erkennung der Kabelgesundheit.
Außerdem bietet der Treedix weder App noch bluetooth LE Verbindung an, was gerade hinsichtlich der aktualisierbarkeit biem Treedix Fragen aufwirft.
Gerade wenn man häufig und verlässlich Kabel testen muss oder möchte ist das ein klarer Nachteil zum CaberQU.
Dafür verbucht der Treedix mit einer optionalen Stromversorgung via AAA Batterie sowie deutlich vielfältigeren Anschlußmöglichkeiten wiederum Vorteile und das für gerade mal umgerechnet 46EUR.
Whatcable am Apple Silicon Mac
Für den Mac gibt es eine kostenlose Software namens „Whatcable“ aus dem UK, also weder US noch China-basiert was schon mal gut ist. Whatcable kann ebenfalls die Daten eines angeschlossenen Kabels anzeigen. Wer einmalig 12EUR bezahlt erhält nochmal mehr Daten.
Allerdings kann Whatcable natürlich nur dann etwas anzeigen, wenn das Kabel aktiv als Verbindung zwischen dem Apple Silicon Mac und einem Gerät eingesetzt ist und zeigt ebenfalls nur die eMarker Daten sowie letztlich ausgehandelte Verbindungsgeschwindigkeit und Ladeleistung an, Kabelgesundheit finden wir hier ebenfalls nicht.
Die CaberQU App
Nun, erst mal beide Daumen hoch, dass CaberQU eine App hat, diese aber vollkommen optional ist. Das empfinde ich unglaublich angenehm. Ein neues Kabel einfach mal schnell testen? Anstecken, sichten am eingebauten Display, gut ist. Dabei bedarf es aufwändigen Kopplung, einfach die App öffnen und aktive CaberQUs in der Nähe erscheinen und können angezeigt werden. Perfekt.
Mehrere Kabel im Akkord testen? Mit der App nochmal deutlich angenehmer und zusätzlich eben kann ich hier Screenshots machen. Die App bietet alles, was das CaberQU Display auch anzeigt etwas übersichtlicher aufbereitet.
Außerdem können über die App natürlich Firmware-Updates eingespielt werden, sollten sich neue USB-C Standards oder Optionen ergeben, so kann das Gerät vom Hersteller aktuell gehalten werden.
Wirklich hübsch ist die App dabei nicht. Sie ist auch nicht hässlich, nicht falsch verstehen. Da könnte man aber natürlich noch deutlich mehr machen und eine richtig polierte iOS App würde nochmal einen ganz anderen Eindruck hinterlassen. Natürlich ist das mit einem ultra kleinen Team schwer umzusetzen. Funktionell gibt es aber nichts auszusetzen.
FAZIT
Mit seinem umfassenden Funktionsumfang, dem Mehrwert der Kabelgesundheit und einem umfangreichen Zubehörprogramm über die Herstellerwebsite, einem kompakten Format und einem Augenmerk auf einfache Reparierbarkeit punktet der CaberQU definitiv. Für mich ebenfalls ein klarer Pluspunkt: Der CaberQU wird in Österreich entwickelt, gebaut und verkauft.
Ich persönlich würde den CaberQU der Konkurrenz vorziehen. In der Praxis reichen seine beiden USB-C Anschlüsse vollkommen, ein kleiner USB-A Adapter ist optional erhältlich; nachdem aber diese Kabel selten für hohe Ansprüche wie große Ladleistung oder hohe Datentransfergeschwindigkeiten verwendet werden passt das so.
Ich würde mir vielleicht noch etwas mehr Liebe für die App wünschen, z.B. ein automatisches Verbinden, falls der CaberQU bereits eingeschaltet ist beim App-Start, etwas hübschere Optik und eine Speichermöglichkeit der historisch verbundenen Kabel wäre irgendwie auch nett.
Also: Lohnt sich der caberQU für €134?
Ja — wenn:
- Du viele verschiedene USB-C Kabel (und hauptsächlich USB-C) hast und endlich Ordnung willst
- Du beruflich mit Hardware arbeitest und Kabel verlässlich testen musst
- Du verstehen willst, WARUM ein Kabel nicht tut, was es soll
Nein — wenn:
- Du nur zwei-drei Kabel hast und dabei keine Probleme
- Du einen Mac hast und nur oberflächlich checken willst, was dein Kabel kann → WhatCable reicht
- Du nur schnell eMarker-Daten lesen willst und lieber direkt ein „falsches“ Kabel anschließen können willst → Treedix tut’s auch
Was ist DAS Kabel bei euch, das nie das gemacht hat, was es sollte? Wusstet ihr, dass es solche Testmöglichkeiten gibt? Schreibt’s in die Kommentare!







