xiaomi m365 vs ninebot es2 elektrorollerEigentlich hätte das hier ein Testbericht zum Ninebot by Segway ES 2 Elektroscooter werden sollen. Da ich aber schon seit Ende 2017 einen Xiaomi M365 Elektroroller besitze, erscheint es mir sinnvoller, euch meine Erfahrungen mit beiden Elektrorollern, sowie die Unterschiede zwischen den beiden Geräten zu erklären – Pros und Cons sozusagen!

Elektroroller Ninebot by Segway ES2 Elektroroller Xiaomi M365

Warum eigentlich ein Elektroroller?

Angefangen hat das, in meinem Fall, mit dem Umbau der Polizeistelle am Innsbrucker Hauptbahnhof. Davor ist ein Platz, auf dem man die Fahrräder abstellen konnte, ganz offiziell mit überdachten Radständern für mindestens 500 Fahrräder. Eines Tages wurde der komplette Platz aber umgebaut. Zur Zeit des Umbaus ging ich zu Fuß, weil der zweite Fahrradabstellplatz am Hauptbahnhof ständig überfüllt war. „Wird wohl wieder ein Abstellplatz kommen“… – Denkste – nix ist gekommen,  der Platz ist jetzt leer bis auf 5 Parkplätze für Polizeiautos.

Hierwaren die Abstellplätze:

Das ist jetzt ungenutzter Platz; tolle Leistung ÖBB, Stadt Innsbruck, oder wer auch immer das verbrochen hat! 😡

Nach einem Jahr zu Fuß gehen (weil eben sinnvoll kein Fahrrad mehr abgestellt werden kann und das Suchen von freien Plätzen länger dauert, als gleich zu Fuß zu gehen) beschloss ich die Anschaffung eines Elektrorollers, weil man den auch im Zug mitnehmen kann und somit auch am Zielort eine Transportmöglichkeit hätte. Gesagt, getan. Bei einer Rabatt-Aktion im Spätsommer 2017 hatte ich den Xiaomi M365 bestellt.

Wo bestellt man aber so einen Elektroroller möglichst günstig?

Das ist eine sehr gute Frage und zugleich leider relativ schwierig zu beantworten. Ich hatte damals den Xiaomi M365 bei Tomtop bestellt. Der wurde aus China versendet, aber mit der Garantie, dass der Zoll nicht zu bezahlen sei, weil er von Tomtop übernommen werde. Auch ein Versand nach Österreich war möglich – optimal.

Durch den Großen Akku konnte der Versand letztlich aber nur über „Landline“ (=Zug) erfolgen. Mit langer Lieferzeit war damit dann leider zu rechnen. Um die Geschichte etwas abzukürzen: Ich dachte irgendwie nach mehr als 2 Monaten nicht mehr, dass der Elektroroller überhaupt noch geliefert werden würde, schlussendlich wurde er aber dann aber dennoch geliefert – direkt an die Haustür – ohne Zollkosten. Mehr als 1-2 Wochen konnte ich aber damit nicht mehr Fahren, weil der Winter mit riesen Schritten herannahte! Der Preis damals war etwas über 300€, ein sehr guter Preis!

Den Ninebot ES2 habe bei Gearbest an einem Mittwoch bestellt (FAST-30 Warehouse = Frankreich), am darauf folgenden Montag (!!!!) wurde der Scooter bereits geliefert, damit hätte ich nicht gerechnet. Preis ca 350€.

Und warum bestellt man jetzt bei einem „China Händler“?

Das ist eine Frage des Preises. Der Xiaomi M365 kann in Österreich z.B. direkt im Mi-Shop für knapp unter 600€ gekauft werden, der Ninebot ES2 schlägt im Onlinestore von Segway mit 599€ zu Buche. Da mal auf die Schnelle gute 40% einsparen ist nicht schlecht. Wie schon der Betreiber mehrerer heruntergewirtschafteter Airlines immer sagte: „Ich hab‘ ja nix zu verschenken!“.

Was ist der Unterschied zwischen Xiaomi M365 und Ninebot ES2?

Prinzipiell sind die zwei Geräte sehr ähnlich, dennoch unterscheiden sie sich enorm. Beide wiegen ca. 12,5 kg, die Endgeschwindigkeit liegt bei beiden bei etwa 25 km/h, das maximal zulässige Gewicht des Fahrers liegt bei etwa 100 kg und die Kapazität des Akkus (ohne Erweiterung) ist ebenfalls ähnlich. Unterschiedlich ist jedoch der grundsätzliche Aufbau der Roller…

Klappmechanismus

Beim Xiaomi M365 wird nur die Lenkstange umgeklappt, während beim Ninebot ES2 auch das ganze Rad mit vorgeklappt. Deshalb ist der Ninebot ES2 zusammengeklappt um einiges kleiner ist als der Xiaomi M365. Auch ist der Ninebot by Segway viel schneller zu falten, da der Mechanismus meines Erachtens schlauer gelöst ist, weil er schnell mit dem Fuß betätigt werden kann.

Display

Hier kann ebenfalls der Ninebot by Segway ES2 punkten, weil hier ein Display vorhanden ist, welches den Akkustand, den Fahrmodus und natürlich die Geschwindigkeit anzeigt. Beim Xiaomi M365 hat man 4 Rudimentäre LEDs für die Akkuanzeige und wenn die erste davon grün leuchtet, ist man im ECO-Modus. Reicht eigentlich auch. Bei beiden kann man über die App (später mehr dazu) Einstellungen vornehmen und sich auch die Geschwindigkeit anzeigen lassen. Der Einsatz einer Handyhalterung wird in diesem Fall empfohlen, weil man sich mit nur einer Hand an der Lenkstange sehr unwohl fühlt!

Position des Akkus am Elektroroller

Der Akku beim Xiaomi M365 Roller ist in der Bodenplatte verbaut, beim Ninebot SE2 in der Lenkstange. Das bedeutet einen enormen Unterschied beim Transport und beim Handling. Der Vorteil des Akkus in der Bodenplatte ist, dass der Schwerpunkt recht niedrig ist und die Lenkstange sehr dünn, was einen Transport über eine Stiege erleichtert. Wenn man es allerdings schafft, sich die Platte beim Transport gegen die Knöchel zu hämmern, dann ist diese Erfahrung eher weniger erfreulich. Ich habe das vor ca. 2 Monaten mal geschafft und mir tut der Knöchel heute noch weh (kein Witz, vielleicht sollte ich mir das mal untersuchen lassen?).

Den Akku in der Lenksäule zu platzieren macht diese allerdings extrem dick, was einen Transport (gerade mit kleineren Händen) nicht unbedingt vereinfacht. Auch kommt es mir vor, dass der Roller eher zum Kippen tendiert, wenn er auf dem Ständer steht. Das Problem mit den zerschmetterten Knöcheln besteht hier allerdings nicht, weil die Bodenplatte sehr leicht ist.
Dementsprechend sind auch die Ladeanschlüsse verbaut – Praktisch in der Säule beim Ninebot by Segway SE2, ziemlich unpraktisch in der Bodenplatte beim Xiaomi M365!

Bremse

Beide haben eine Elektronische Bremse über den Motor, welche beim Bremsen auch den Akku wieder auflädt (Rekuperation) – anders als bei Elektroautos ist der Nutzen aber gering. Der Knöchelbrecher Xiaomi M365 setzt als zweite Bremse auf eine Scheibenbremse am Hinterrad der Ninebot ES2 auf eine klassische Scooter-Bremse, welche man mit dem Fuß auf dem Kotflügel am Hinterrad betätigt. Intuitiver finde ich hier die Scheibenbremse, weil diese über einen normalen Bremshebel an der Lenkstange betätigt wird. Die Bremsleistung der Fußbremse erscheint mir aber besser, zudem ist ihre Wartung einfacher. Von der Scheibenbremse wurde auch oft berichtet, dass die Scheibe mit Unwucht geliefert wurde, dieses Problem hatte ich zum Glück nicht.

Reifen

Luftreifen vs. Gummireifen ist hier die Devise und in diesem Vergleich das am schwierigsten zu behandelnde Thema. Prinzipiell hätte der Xiaomi M365 Luftreifen (8,5″) und der Ninebot ES2 8″ Vollgummireifen. Hier aber fängt das Problem schon mal an. Die Luftreifen des Xiaomi M365 dämpfen Erschütterungen wesentlich besser als die Vollgummireifen des Ninebot ES2 obwohl dieser sogar noch Dämpfungen für Vorder- und Hinterrad eingebaut hätte.

Das größte Problem der mitgelieferten Luftreifen ist allerdings, dass die Schläuche von dermaßen schlechter Qualität sind, dass ich schon mehrmals platte Reifen hatte. Diese Problematik war mir allerdings schon im Vorfeld bekannt und ich hatte mir für den Xiaomi M365 gleich zwei Gummireifen mitbestellt. Später habe ich gelesen, dass die Vollgummis nicht so toll für den Akku sein sollen, weil sich durch die Erschütterungen gerne die Kontakte vom Akku lösten – auch nicht optimal. Das Fahren mit den beiden Vollgummirädern ist auch unglaublich unangenehm, weil man vom Hinterrad immer extreme Schläge bekommt. Auch die Geräusche die der Scooter dabei macht sind unangenehm. Daher habe ich aktuell beim Xiaomi M365 vorne Vollgummi und hinten Luftreifen, mit einem verstärken Schlauch. Diese Kombination ist genial und sehr angenehm zu fahren. (Leider) viel angenehmer als die „gedämpften“ Gummireifen vom Ninebot ES2.

Übrigens: Reifen tauschen bei den Dingern ist kein Spaß, unbedingt vorher informieren wie das richtig funktioniert, sonst ärgert man sich grün und blau, weil der Mantel sich nicht mehr montieren lässt.

Fahren bei Regen

Mir ist bei einem Ausflug nach Wien aufgefallen, dass der Ninebot ES2 bei Regen wirklich eine mords Sauerei macht und das Hinterrad, trotz Kotflügel, extrem stark spritzt – auch nicht so toll, wenn man dann die ganze Hinterseite komplett eingesaut hat. Dieses Problem hat der Xiaomi M365 nicht.

Licht

Auch wenn das Licht prinzipiell ähnlich aussieht, finde ich das Ninebot-Licht angenehmer, weil es weiter streut und die Straße etwas besser beleuchtet.

Vergleich Licht

Firmware

Hier ist einer der größten Unterschiede zwischen diesen beiden Elektrorollern. Um den Xiaomi M365 hat sich mittlerweile eine sehr große Community gebildet, welche auch an Firmwaremodifikationen arbeitet. Es lässt sich (vor Firmware V1.4) recht einfach über Bluetooth Custom-Firmware installieren, welche sich auch ganz einfach, z.B. über diese Seite, personalisieren lässt. Dort kann man zum Beispiel ganz einfach die Beschleunigung und die Höchstgeschwindigkeit einstellen. Die meisten gehen natürlich zu Lasten der Reichweite – je schneller man fährt, desto mehr Strom wird benötigt, ergo kommt man weniger weit mit dem Scooter.
In meinem konkreten Fall habe ich eine leicht „erweiterte“ Firmware drauf, bei der man beim Anfahren schon einen großen Unterschied merkt, weil der Scooter einfach besser loszieht. Beim Ninebot by Segway habe ich noch keine Custom Firmware gefunden, schade irgendwie… Hier würde aber der Zusatzakku 5km/h mehr Geschwindigkeit und einen besseren Durchzug bringen. Ob ich mir diesen Zusatzakku auch noch leiste (ca. 200€) weiß ich noch nicht, weil ich ja mit dem Xiaomi sehr zufrieden bin. Betreibe ich beide Roller mit der original Firmware, so ist eigentlich kein Unterschied hinsichtlich des Fahrverhaltens feststellbar.

Fazit

Eigentlich kann ich hier keine direkte Empfehlung für einen der beiden Roller aussprechen, weil beide Geräte vor und Nachteile haben. Ich persönlich verwende den Xiaomi M365 , weil er einfacher zu tragen und somit zum Pendeln praktischer ist. Auch jetzt in der (noch) kühleren Jahreszeit, wo manchmal noch Rollsplit auf der Straße liegt, finde ich die Luftreifen (den einen Luftreifen hinten  am Xiaomi M365 zumindest) viel angenehmer als die Vollgummireifen des Ninebot by Segway.

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