Im Januar 2015 hatte ich Withings ersten Schlaftracker, die Withings Aura für euch getestet. Nun hat der Hersteller mir leihweise den aktuellen Schlaftracker „Sleep“ für einen Test zur Verfügung gestellt. Meine Review der Aura fand einige Monate vor dem Erscheinen der ersten Apple Watch und Apple Health statt, damals war man einzig auf die Withings Health Mate App angewiesen, damals gab es kaum andere Schlaftracker. Das hat sich zwischenzeitlich geändert. Sehen wir uns also an, ob das Withings Sleep gegenüber seinem deutlich teureren Vorgänger oder der Apple Watch überzeugt und sich das Krönchen der Schlaftracker aufsetzen kann!

Withings Sleep & iPhone App

Videoreview

Verpackung & Lieferumfang

Halten wir es mal kurz und knackig: In der Verpackung finden wir ein USB Netzgerät sowie die „Matte“, also jenes Gerät, das für die Schlafaufzeichnung zuständig ist inklusive einem schicken und sehr langen sowie robusten Gewebe ummantelten USB Kabel.

Withings Sleep Verpackung

Bei der Verpackung setzt Withings auf nahezu kunststofffreie Kartonverpackung – perfekt. Der Hersteller liefert ein hochwertig anmutendes Produkt in umweltfreundlicher Verpackung, das gefällt schon mal sehr gut.

Installation

Auch hier kann man sich komplizierte Texte schicht sparen, die Installation ist vorbildlich schnell und einfach. Zunächst muss die Withings Health Mate App installiert werden, diese gibt’s natürlich für iOS wie auch Android:

‎Withings Health Mate
‎Withings Health Mate
Entwickler: Withings
Preis: Kostenlos+
Health Mate - Total Health Tracking
Health Mate - Total Health Tracking
Entwickler: Withings
Preis: Kostenlos

Nach der Installation benötigt man noch ein Withings Konto, schließlich müssen auch abseits von Apple Health irgendwo die Daten gespeichert werden um sie in der App auszuwerten und darstellen zu können. Wer bereits z.B. Withings Body Cardio (die Waage) oder das Fieber Thermometer Withings Thermo oder auch deren Aktivitätstracker im Einsatz hat, hat die App ja ohnehin bereits am Smartphone installiert.

Ab hier ist die Installation eine Sache von einer Minute. Gerät hinzufügen wählen, den Schritten folgen und dann 20min (nicht im Bett liegend) warten, bis der Schlaftracker kalibriert ist. Danach ist die Bedienung eine Sache von „ins Bett legen“.

Synchronisiert werden die Schalfdaten übrigens über 2,4GHz WLAN. Auch hier ein weiteres Gerät, das mit schnellerem 5GHz WLAN nix anfängt. Dennoch ist es sehr gut, dass WLAN anstelle von Bluetooth zur Datenübertragung verwendet wird.

Während man von der App durch den Setup-Prozess geleitet wird, wird man auch angewiesen, den Schlaftracker, also die in recht hochwertig anmutenden Stoff gehüllte Matte, unter der Matratze zu platzieren. Hier haben wir aber aber nun schon mal ein Problem: Mit Ausmaßen von 64cm Länge und 19cm Breite ist das Gerät für unsere typischen Lattenroste eher klein ausgefallen. liegt es direkt am Lattenrost, so wird es langsam verrutschen und entweder ganz durch den Rost fallen oder zumindest nicht mehr zuverlässig Daten erfassen.

Ich hatte genau diesen Fall und habe ein Stück Karton-Papier unter die Schlafmatte, also  zwischen Matte und Lattenrost, gelegt. So wird der Lattenrost in seiner Funktion nicht beeinträchtigt und auch Withings Sleep funktioniert, wie gewünscht. Für diesen Fall sollte der Hersteller aber eventuell ein, von mir aus optionales, „Unterlegeteil“ anbieten. Eine Installation AUF der Matratze ist weder vom Hersteller vorgesehen noch wirklich anzustreben, mehr dazu im nächsten Kapitel…

Wie funktioniert Withings Sleep?

Nun, das Konzept ist so schlau wie einfach: Die „Matte“ in ihrer schönen Stoffhülle besteht im Prinzip aus mehreren Luftkammern verbunden mit einem extrem sensitiven Messgerät welches den Druck bzw. Druckveränderungen in diesen Kammern auswertet.

Ich habe euch ja erzählt, dass sich das Gerät kalibriert; dabei werden die Luftkammern aufgeblasen (ähnlich wie bei einem elektrischen Blutdruckmessgerät). Ich vermute, diese Funktionsweise aufgrund von Erfahrungen, der Hersteller schreibt darüber nichts auf der Website. Jedenfalls wird durch die Kalibrierung das Gerät auf die Beschaffenheit und das Gewicht der Matratze eingestellt um die Veränderungen, wenn man dann des nächtens darauf liegt, erkennen zu können.

Der Sensor des Drucks in den Luftkammern ist dabei sogar genau genug, den Herzschlag exakt zu bestimmen (abgeglichen mit der Apple Watch +- 1 Schlag pro Minute genau). Super!

Jetzt fragt man sich, ob solch Gerät mit seinen Luftkammern langlebig sein kann: Nun, ich hab‘ das originale Withings Blutdruckmessgerät seit 2013 im Einsatz, sechs Jahre lang also; ohne einen Fehler oder sonstige Probleme. Es ist also davon auszugehen, dass Withings die Konstruktion solcher Luftkammern im Griff hat.

Was muss ich für’s Schlaftracking tun?

Nix, das läuft alles automatisch. Ins Bett legen, Licht aus, Augen zu 😉 Morgens aufstehen ist ebenfalls hilfreich. Das wars. Solange man sich alleine (Katze ist OK) auf seiner Matratze befindet, erhält man genaue und zuverlässige Schlafaufzeichnungen. Sollte Partner oder Partnerin aber gerne mal die Grenzen (der Matratze) überschreiten, so kann es natürlich zu Messfehlern kommen. Natürlich kann das Schlaftracking auch dann nicht klappen, wenn man selbst des Nächtens Ausfüge auf die Nachbarmatratze macht – in diesem Fall kann Withings Sleep natürlich auch keinen korrekten Schlaf erfassen.

Alles in allem muss man sich als Schläfer aber um nichts kümmern, Withings Sleep funktioniert einfach im Hintergrund und stellt die Schlafdaten über Apple Health und natürlich Withings‘ Healthmate App zur Verfügung.

Die Withings Health Mate App

Diese App kommt einen weiten Weg und hatte dabei einige Tiefen. Damals, 2015 war die App super, dann kam Withings‘ Liaison mit Nokia und damit einhergehend die „dunkle Zeit“ der App, da funktionierte irgendwie alles nicht mehr so gut und die App wurde kaputt designt. Die gegenwärtig verfügbare App ist ganz solide. Frisch und recht hübsch, ausreichend Flott und gut  in der Datendarstellung.

Der Startpunkt in der App ist die Sektion „Timeline“. Hier werden alle Messpunkte übersichtlich angezeit. Hat man eine der intelligenten Waagen, so erscheinen z.B. Gewicht und Pulswellengeschwindigkeit; über die Health-App wird zudem die tägliche Schrittzahl angezeigt. Hat man nun den Withings Sleep hinzugefügt, so wird natürlich auch der Schlaf angezeigt. Einzelne Blöcke in verschiedenen Farben kennzeichnen die unterschiedlichen Schlafphasen. Ein „Schlafindex“ soll schnell Auskunft über die insgesamte Schlafqualität geben.

Tippt man den Eintrag zum Schlaf des jeweiligen Tages an, so erhält man, optisch hübsch aufbereitet, weitere Informationen.

Ganz oben finden wir das Schlafdiagramm. Hellblau kennzeichnet REM Schlaf, mittelblau einen leichten Schlaf und dunkelblau den erholsamen Tiefschlaf. Wachphasen, wie zum Einschlafen oder eines etwaigen nächtlichen Toilettenbesuchs, werden hellgrau gekennzeichnet. Den erkannten Schlafbeginn, wie die Aufstehzeit, sehen wir natürlich ebenfalls links bzw. rechts im Diagramm.

Darunter wird der Schlafindex angezeigt. Grün ist gut, orange mittelmässig und rot – ihr erratet es schon – schlecht. Das geht einher mit einem Zahlenwert von 1-100.

Noch etwas weiter unten wird der Schlafindex dann aufgedröselt in Dauer, Tiefe, Regelmäßigkeit, Unterbrechungen, der Zeit zum Einschlafen sowie der Zeit zum Aufstehen.

Ein Alleinstellungsmerkmal von Withings Sleep ist zudem die Messung und Anzeige von Atmungsstörungen während der Nacht.

Ganz unten finden wir noch die Herzfrequenz (die auch als Verlauf abrufbar ist) sowie ob der Sensor Schnarchen erkannt hat. Letzeres konnte ich aber aufgrund der Konstruktion meines Bettes nicht testen; außerdem schnarche ich nicht.

Diese ganzen Tagesdaten lassen sich auch als Woche oder Monat darstellen. Zudem werden die Daten natürich auch an Apple Health weitergereicht.

Weiters bietet die Health Mate App dann noch Sektionen wie das Dashboard, eine etwas kompaktere Ansicht verglichen zur Timeline, mit Zugriff auf etwaige weitere Nutzer des Haushalts, Coaching Programme und natürlich die Übersicht der Geräte im Withings Konto. Der letzte Punkt schließlich ist das eigene Profil in dem Daten wie Alter, Gewicht oder auch das Profilfoto festgehalten werden. Boah, bereits 5,8 Millionen Schritte hab ich aufgezeichnet und 1254 Gewichtsmessungen durchgeführt!

Alles in allem hat die Withings Health Mate App ihre „Tiefen“ überwunden und lässt sich sehr gut in der Praxis benutzen. Daten werden hübsch aufbereitet und einfach verständlich dargestellt. Was ich mir wünschen würde, wären aber konfigurierbare Benachrichtigungen über z.B. die Schlafqualität. z.B. 10min nach dem Aufstehen: „Hey, du hast heute nicht so gut geschlafen, vielleicht solltest du dies und das machen, um deinen Schlaf zu verbessern“.

Geht da was mit Smarthome?

Aber ja! Withings ist seit jeher einer jener Hersteller, die genialerweise auf IFTTT (if this than that) setzen. Damit lassen sich z.B. Lampen steuern, wenn Sleep euer Aufwachen erkannt hat, ihr könntet z.B. aber auch eine Steckdose ansteuern, die dann gleich die Kaffeemaschine einschaltet. HomeKit Kompatibilität ist aber leider, mangels einer zugehörigen Geräteklasse in HomeKit, aktuell nicht möglich.

„Braucht“ man Withings Sleep?

Nun, das ist schwer zu beantworten. Datenjunkies wie ich brauchen es definitiv. Aber vorrangig sollten sich Personen, die schlecht schlafen, das Gerät ansehen um mehr Einblicke in das Schlafverhalten zu erhalten. Oftmals ist es einem selbst gar nicht so klar, dass man vielleicht zu unregelmäßig schläft (stark variierende Einschlaf/Aufwachzeiten) oder dass man vielleicht tatsächlich ständig wach ist usw. Wer natürlich eigentlich immer gut schläft und sich auch ausgeruht fühlt, wird Withings Sleep eher nicht „brauchen“.

Fazit

Ist also der Schlaftracker „Withings Sleep“, diese Matte, die unter die Matratze gelegt wird, empfehlenswert? Durchaus! Sie ist mit 99€ deutlich günstiger als der Vorgänger mit Einschlaf/Aufwachlicht, der damals „Aura“ genannt wurde. Withings Sleep misst zuverlässig den Schlaf und kann (!) ggf. zu einer Verbesserung der Schlafqualität führen, wenn Nutzer sich die Werte genau ansehen. Außerdem ist es auch praktisch, keine Smartwatch zur Schlafaufzeichnung während der Nacht zu tragen und die Watch in der Früh immer voll geladen vom Ladegerät zu nehmen. Überlegen sollte sich Withings aber eine Lösung für Lattenroste, ich denke, die sind durchaus weit verbreitet, und dafür ist die Schlafmatte einfach etwas zu klein um dauerhaft zuverlässig auf einem Lattenrost zu funktionieren, ohne irgend eine Unterlegelösung zu benutzen.