aura-thunbBereits 2013 haben wir hier bei MacManiacs damit begonnen, Fitness-Gadgets zu testen, 12 Reviews 2013  und 2014 dann noch das Polar Loop, das Jawbone UP24 sowie den Garmin Vivofit. All diese Gadgets drehen sich rund um’s „Quantified Self“ also dem Trend, die eigene Person in Zahlen zu fassen. Wieviel bewege ich mich pro Tag? Wieviele Stunden schlafe ich und wie erholsam ist dieser Schlaf? Jener Trend, der so richtig 2013 begann, setzt sich natürlich auch 2015 fort.

Withings hat mittlerweile ein wahres Arsenal an passenden Produkten im Sortiment. Intelligente Waagen, Blutdruckmessgeräte, Activity Tracker und nun eben auch die „Aura“ befinden sich im Programm. Letzere, die Aura, dient  zur (automatischen) Aufzeichnung des Schlafs. Wie gut das Gerät dabei abschneidet sehen wir uns nun an…

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Verpackung & Lieferumfang

Betrachtet man zunächst nur die Verpackung des Geräts (eigentlich aller Withings Geräte) so fällt die hochwertige und gut in Szene gesetzte Verpackung auf. Verhältnismäßig wenig Text auf der Vorderseite, stabiler hochwertiger Karton und aufgeräumtes Design. Kleine Kritik: Anstatt der Plastikschale, welche die Aura beherbergt, sollte Withings auch hier Karton verwenden.

Im Lieferumfang finden wir die Aura, das Netzgerät mit Adaptersteckern für verschiedene Länder, den eigentlichen Schlafsensor sowie eine Kurzanleitung. Man kann sofort loslegen.

Design

Am Design der Aura scheiden sich die Geister. Persönlich finde ich sie durchaus hübsch. Sie erinnert an ein Lüftungsrohr an Deck eines Schiffs. Der obere Bereich der Aura wird von dem großen oval geprägt in dessen unterer Mitte sich die Farb-LED befindet (Withings warnt übrigens davor, direkt in die LED zu schauen).

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Der untere Bereich der Aura wird von schickem silbergrauen Stoff umspannt und beherbergt so die (versteckte) Uhrzeit- und Alarmanzeige sowie den Lautsprecher.

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Auf der Rückseite der Aura finden wir drei USB Stecker. Zwei links des Stromanschlusses (für die Schlafsensoren) und einen rechts für das Aufladen des Smartphones.

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Für alle, die sich, so wie ich Anfangs, die Frage stellen, ob denn nun der Bereich, aus dem das Licht austritt, gerade oder nach innen gewölbt sei – hier die Antwort: Es ist eine nach innen gewölbte, schneeweiße Schale die von der LED angeleuchtet wird und so das Licht recht homogen in Richtung der schlafenden Person wirft.

Dies wirft für mich aber eine Frage auf: Wenn Withings doch sagt, man solle nicht in die LED schauen – weshalb wurde nicht einfach die „Lichtschale“ mit einer Streuscheibe verschlossen? Das hätte auch dem Design meines Erachtens nicht geschadet.

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Damit das Licht der LED seine Wirkung entfalten kann, soll die Aura etwa einen Meter vom Kopf des Schlafenden entfernt und etwa auf Augenhöhe (während des Schlafens) platziert werden.

© Withings

© Withings

Installation & Inbetriebnahme

Grundsätzlich sehr einfach – allerdings scheint Withings ein wenig mit dem Text zu kämpfen. Der Schlafsensor, ein etwa 50cm langes und in Stoff gefasstes Teil, muss dabei unter der Matratze platziert werden.

© Withings

© Withings

In meinem Fall liegt der Sensor direkt auf dem Lattenrost. Die Elektronik muss vom Lattenrost herunterhängen bzw. soll sich nicht „auf“ dem Lattenrost oder der Matratzenauflage befinden. – Verständlich, denn die Elektronik besteht u.a. aus einer kleinen Luftpumpe und der „Körper“ des Schlafsensors aus mit Luft gefüllten Kammern. Über die Druckschwankungen in diesen Kammern erkennt der Sensor die Bewegungen während des Schlafs.  Gerade wenn man aber z.B. nicht den Platz im Bettgestell hat, um die Elektronik seitlich herunterhängen zu lassen, ist diese Konstruktion etwas unpraktisch. Die Luftpumpe macht übrigens nur während des Kalibrierens ein leichtes Brummgeräusch und ist beim Schlafen dann natürlich geräuschlos.

Ist der Sensor an Ort und Stelle und das (hochwertige, stoffummantelte) Kabel bis zur Aura gelegt, so muss es an einem von zwei USB Anschlüssen angeschlossen werden. Hier folgt die nächste Verwirrung: Die Kurzanleitung sagt „Schließen Sie den Schlafsensor an einen der USB Anschlüsse des Nachttischgerätes an“. Stimmt so aber nicht. Die Aura hat nämlich drei Anschlüsse. Zwei für zwei Schlafsensoren und einen dritten USB Anschluß, baulich etwas getrennt, der zum Aufladen des Smartphones genutzt werden kann. Withings könnte jegliche Missverständnisse vermeiden, wenn Stecker und Buchse einfach eine Farbkodierung aufweisen würden.

Zu guter letzt noch das Netzgerät anschließen und es könnte losgehen – wäre da nicht der kryptische Satz „Zehn Minuten Kalibrierung, eine Minute Aktivierung“. Ja was denn nun? Kann ich jetzt das Gerät bereits nutzen, mögen sich manche fragen? Ich würde davon abraten, während einer „Kalibrierung“, hörbar am Brummen des Sensors, sich ins Bett zu legen. Am besten das Gerät mal eine Viertelstunde werkeln lassen und dann über die kostenlose Healthmate-App die Einrichtung fertigstellen.

Withings Health Mate (AppStore Link) Withings Health Mate
Hersteller: Withings
Freigabe: 4+
Preis: Gratis Appstore >

Doch, wieso wieder solch komischer Zwischenschritt – weshalb muss ich go.withings.com aufsuchen, wenn ich doch mein Smartphone mit Healthmate-App bereits in Händen halte? Alles kein Ding, das Setup verläuft problemlos und einfach, könnte aber seitens Withings noch deutlich verbessert werden, das ist alles.

Einschlafen, Aufwachen & Bedienung

Die Aura beherrscht verschiedene Modi des Betriebs, ist aber in ihrer Konfiguration derzeit recht eingeschränkt. Berührt man ihre Oberseite einmal kurz so geht das Licht an. Es handelt sich hierbei um ein extrem warmes oranges Licht. Angenehm um im sonst dunklen Schlafzimmer den Weg zu finden, zum Lesen aber leider ungeeignet.

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Berührt ma die Oberseite etwas länger, so startet man das Einschlafprogramm. Hier kann (derzeit) eines von vier Klangprofilen gewählt werden; ich empfand das Rauschen des Ozeans am angenehmsten. Schön wäre natürlich auch eine etwas größere Auswahl – diese lässt sich aber sicherlich einfach in der Zukunft durch ein Update aufstocken. Das Schlafprogramm, ebenso wie jenes für ein Nickerchen, lässt sich natürlich auch bequem über die App starten. Dazu muss sich das Smartphone aber in Bluetooth-Reichweite befinden.

Gerade, wo doch die Aura mit dem WLAN verbunden ist, erschließt sich mir hier die notwendige Bluetooth-Verbindung nicht. Sind Smartphone und Aura im selben WLAN so sollte die Aura auch über selbiges komplett steuerbar sein.

Das Schlafprogramm hat übrigens mit der eigentlichen Schlafaufzeichnung nichts zu tun. Derzeit startet und endet die Schlafaufzeichnung vollautomatisch und das Aktivieren des Programms dient lediglich als (angenehme) Einschlafhilfe, wenn dies gewünscht ist.

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Sowohl das Schlafprogramm als auch das Weckprogramm (auch hier stehen vier verschiedene Töne zur Verfügung) können durch ein doppeltes Tippen mit der Handfläche auf der Oberseite der Aura jederzeit beendet werden.

Schlafprogramm

Ist das Schlafprogramm gestartet, so leuchtet Aura in einem warmen Rotton (siehe obiges Bild) und spielt die Schlafmelodie (in meinem Fall also Ozeangeräusche) ab, die langsam leiser werden. Zeitgleich wird das Licht beim Eintreten in die Schlafphase gedimmt und danach abgeschaltet. Gerade bei Personen mit Problemen beim Einschlafen kann dies sicherlich eine ausgesprochen beruhigende Wirkung ausüben. Leider simuliert Aura aber nicht ein ganzes Farbspektrum sondern dimmt lediglich das rote Licht zum Einschlafen – ich hätte hier ggf. die Möglichkeit, einen Sonnenuntergang (also die Farben von rot zu bläulich) zu simulieren, sehr praktisch empfunden.

Aufwachen

Ist ein Alarm eingestellt, so leuchtet Aura in einem bläulichen Licht, das an die Morgendämmerung erinnern soll. Parallel dazu wird auch der Aufwachton in der Lautstärke langsam erhöht. Ich empfand das Aufwachen als sehr angenehm und weniger störend als die schrillen Töne des normalen Weckers. Tippt man wieder doppelt auf Aura so wird der Weckton beendet, ein einfaches tippen aktiviert einen Schlummermodus.

Auch zum Aufwachen stehen derzeit 4 Töne zur Verfügung – auch hier hoffe ich auf ein baldiges Update mit weiteren Tönen.

Wie bereits erwähnt, wird der Wecker über das Smartphone eingestellt. Die Bedienung hierbei ist recht intuitiv und einfach. Einziges großes Manko: Es ist nur EINE Weckzeit programmierbar. Stehen z.B. zwei Personen zu unterschiedlichen Zeiten auf muss immer noch ein anderer Wecker bemüht werden – auch muss vor jedem Wochenende daran gedacht werden, den Wecker der Aura zu deaktivieren. Gerade bei einem so teuren Gerät muss diese Flexibilität dringend und ehestmöglich von Withings nachgereicht werden.

Video

Aufgezeichnete Daten, App & Erkenntnisse

Wie bereits erwähnt wird (derzeit) der Schlaf von Aura vollautomatisch aufgezeichnet. Legt man sich ins Bett startet Aura die Messung und beendet selbige, falls keinerlei Bewegungen mehr erkannt werden.

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Schläft man alleine in einem Bett dürfte dies perfekt funktionieren. All jene Personen die aber eben nicht alleine in einem Bett schlafen und speziell hier jene, wo die zweite Person, wie in meinem Fall, zu vollkommen unterschiedlicher Zeit aufsteht, werden ein Problem haben: In dem Moment in dem Person 2 die andere Betthälfte berührt fährt Aura mit der Messung fort.

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Jegliche Schlafaufzeichnung ist damit oftmals hinfällig. Dies wäre weniger ärgerlich, wenn im Nachhinein wenigstens Start- und Endzeit modifiziert werden könnten – das ist (derzeit) aber nicht möglich. Lt. dem Withings Kundensupport soll im Jänner noch ein Update erscheinen welches die automatische Schlafaufzeichnung deaktivierbar macht, das wäre wünschenswert. Zum Zeitpunkt da ich dies hier schreibe gab’s allerdings noch kein Update.

Hat die Aufzeichnung geklappt, so sind die Messergebnisse durchaus schlüssig. Anders als viele andere Tracker erkennt Aura nicht nur Wach- und Schlafphasen sondern Wachphase, REM Schlaf, leichter Schlaf sowie Tiefschlaf. Überlagert man diese Messung mit jenen von z.B. Jawbones UP24 Armband so sieht man die Ähnlichkeit. Die Messergebnisse sind also schlüssig. In der Zukunft soll Aura zudem neben der bereits aufgezeichneten Herzfrequenz, Temperatur und der Lichtstärke auch die Lautstärke von  Umgebungsgeräuschen aufzeichnen können. Somit könnten, die richtige Software vorausgesetzt, durchaus tiefere Erkenntnisse zwischen Schlafqualität, Temperatur, Geräuschen und Licht hergestellt werden.

vergleich withings aura jawbone UP24

Links: Jawbone UP24 Schlaftracking Rechts: Withings Aura Schlaftracking

 

Derzeit beschränkt sich die Analyse aber noch auf ein simples Diagramm der Schlafphase sowie parallel dazu Temperatur- und Lichtkurven. Speziell die gemessene Temperatur wirft auch Fragen auf. Ist dies die Raumtemperatur? Jene unter der Matratze oder jene am Gerät? Ausbaufähig.

Schlafergebnisse

Schlafergebnisse

Pro & Contra

+ Angenehmes Einschlafen
+ Angenehmes Aufwachen
+ Hochwertiges Design
+ Recht einfache Installation
+ Praktische Ladebuchse für’s Smartphone
+ Wenn alle kleineren Probleme der Software ausgeräumt sind, vielversprechende Schlafanalyse

– zu teuer
– zu wenige Weck- und Einschlaftöne
– Automatische Schlafaufzeichnung nicht konfigurierbar oder Resultat korrigierbar
– keine Möglichkeit die Aura als Leselicht zu verwenden

Fazit

In Summe, und dies hat Withings sogar bereits an bestehende Käufer via Email kommuniziert, scheint die Aura etwas voreilig auf den Markt gekommen zu sein. Das Gerät hat durchaus großes Potential. Es ist gut verarbeitet und wie ich finde auch recht hübsch. Geschmackssache, natürlich. Die eingebauten Sensoren könnten viele Erkenntnisse zur Schlafqualität, speziell hinsichtlich äußerer Einflüsse, liefern. Könnten – denn derzeitig muss jeder selbst versuchen herauszufinden, wie Umgebungslicht oder Temperatur sich auf die Schlafqualität auswirkt. Eine verpasste Chance für Withings. Derzeit gibt es leider noch Nachbesserungsbedarf: Es bedarf weiterer Weck- und Einschlaftöne, Nachlieferung versprochener Funktionen und nicht zuletzt manuelle Bearbeitung der Schlafzeiten und multiple Weckzeiten. Ich vertraue darauf, dass Withings hier laufend nachbessern wird, allerdings finde ich das Gebotene für den extrem hohen Anschaffungspreis von 299€ derzeit noch etwas unausgewogen. 199€ wäre ich ggf. gewillt, für Aura auf den Tisch zu legen, wenn dann auch wirklich alles perfekt funktioniert.