Aktuell gibt es (mal wieder) eine Hitzewelle. Ich befürchte ja, diesbezüglich wird dieser Artikel in den kommenden Jahren aktueller denn je bleiben… Nichtsdestotrotz kann man sich mit Klimaanlage das Leben erleichtern. Genau hier setzt tado° mit seiner „Smart AC Control“ an. Das kleine weiße Kästchen verbindet die vorhandene infrarot gesteuerte Klimaanlage mit dem Internet und hält, auf Wunsch, das Zuhause auf soll Temperatur oder schaltet die Klimaanlage ab, sobald ihr das Haus verlasst. Aber funktioniert das so gut, wie tado° es sich vorstellt?

Ihr wisst ja, dass ich seit Jahren diverse tado° Thermostate im Einsatz habe. Diese verrichten einen hervorragenden Dienst und schalten zuverlässig die Heizung einen Tick runter, sobald sich niemand mehr im Haus befindet. Dem gleichen Prinzip bedient sich das tado° Smart AC Control. Das Gerät ist schon ein Weilchen am Markt wurde aber nun runderneuert und lässt sich in der neuen Version ohne Umwege direkt in HomeKit einbinden.

Videoreview

Verpackung & Lieferumfang

Da gibt es nicht viel zu sagen, mikro USB Kabel, Netzgerät sowie die Steuereinheit liegen bei. Ja, ihr habt es richtig erkannt, tado° Smart AC Control funktioniert leider NICHT mit Batterien bzw. Akkus, ihr müsst euch also eine Lösung überlegen, bei der das Kabel an einer Seite nicht stört oder stattdessen nach hinten weggeführt werden kann.

tado° Smart AC Control Lieferumfang

Design

Auch hier gibt es nicht viel zu sagen. Das tado° Smart AC Control sieht dem Smarten Thermostaten sehr ähnlich, ist aber nicht ident. Auffallendster Unterschied ist der schwarze Balken an der Vorderseite des Gerätes, hinter dem sich der Infrarot Sender (und Empfänger) für die Klimaaanlage bzw. ihre Fernbedienung befindet.

tado° Smart AC Control

Persönlich hätte ich es aber schöner gefunden, wenn (abgesehen vom schwarzen Balken) Smart AC Control sich 1:1 dem Design der Thermostate bedient hätte. So sähe das in Fällen, wo beide Geräte direkt neben- oder untereinander montiert werden, noch einen Tick besser aus.

tado° Smart AC Control

Physische Tasten finden wir am Gerät keine. Legt man 2-3 Finger mittig auf das Gerät, so geht das Display an und Pfeiltasten für die Steuerung werden eingeblendet. Das ist anfangs unglaublich ungewohnt und führt zu Fehlbedienungen, aber nach 2-3 Versuchen ist man es gewohnt. Letztlich kauft man ja keine intelligente Steuerung für die Klimaanlage, um dann erst wieder am Kästchen rum zu fummeln 😉

tado° Smart AC Control

Installation

Wie man es bei tado°-Produkten generell gewohnt ist, verläuft die Installation vorbildlich einfach. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde sie sogar weiter verbessert. Grundsätzlich muss nur die tado° App installiert werden und danach das Gerät gemäß den Anweisungen hinzugefügt werden. Ein tado° Konto ist hierbei verpflichtend, schließlich kommuniziert auch das tado° Smart AC Control mit den Servern des Herstellers.

tado°
tado°
Entwickler: tado°
Preis: Kostenlos+
tado°
tado°
Entwickler: tado
Preis: Kostenlos+

Im Zuge des Installationsprozesses werdet ihr gebeten, das Einschalt-Kommando mit der Originalfernbedienung eures Klimagerätes an tado° zu übermitteln. Sobald dies schehen ist, sollte alles funktionieren. Bei der ersten tado° Smart AC Control Version folgte an dieser Stelle eine langwierige Konfiguration um die einzelnen Kommandos des jeweiligen Klimagerätes herauszufinden. Nun war das in wenigen Minuten erledigt.

Erfreulich ist zudem, dass es den manuellen Lernmodus nach wie vor gibt; sollte diese zuvor genannte automatische Erkennung nicht funktionieren, so könnt ihr alle Kommandos manuell anlernen. Aber Vorsicht, plant hier mindestens 30min ein, das dauert eine ganze Weile, da z.B. in meinem Fall einer Daikin FTXG Split-Klimaanlage die Kommandos einzeln für Temperatur XY, Klappenstellung und Lüfterstellung übermittelt und gelernt werden. Natürlich variiert der Aufwand auch mit eurem Klimagerät und dem, was es an Funktionen bietet.

Pro-Tipp am Rande: Startet unbedingt ZUERST die Installation von tado° Smart AC Control in der tado° App und NICHT (!!) in HomeKit. Tut ihr das nämlich, so müsst ihr das Gerät komplett zurücksetzen, damit der Installationsprozess in der tado° App (der zwingend stattfinden muss) funktioniert.

Zusammenfassend war in meinem Fall selbst mit dem komplexeren Split-Klimagerät von Daikin die Installation in 5min abgeschlossen und das Gerät in HomeKit (und natürlich auch der tado° App) eingebunden.

Warum ist tado° Smart AC Control nun „Smart“?

Nun, grundsätzlich deshalb, weil es einem ermöglicht, das Heim temperiert zu lassen, solange man zu Hause ist und die Klimaanlage automatisch abzuschalten, sobald man das zu Hause verlässt. Man muss sie aber gar nicht abschalten, auch eine automatische Temperaturänderung, damit die Räume sich nicht zu stark aufheizen, ist möglich.

Einerseits kann man sich hier auf den Hersteller verlassen; dann allerdings ist zum Gerätepreis auch ein Abo fällig. 2,99€ im Monat bzw. 24,99€ im Jahr sind dafür zu berappen, dass der Systemstatus AUTOMATISCH umgeschaltet wird. Bezahlt man nicht, so bekommt man von der tado° App eine Push Benachrichtigung ob man das Zuhause auf „abwesend“ stellen will. Persönlich finde ich den Preis zwar noch „OK“ aber die Idee, gerade DAFÜR Geld zu verlangen, auch irgendwie keine geschickte Entscheidung vom Hersteller.

Nun, gerade mit HomeKit nämlich kann man über die Automatisierungen recht einfach einrichten, dass die Klimaanlage abgeschaltet wird, sobald die letzte Person das Haus verlässt. Granularere Steuerung der Temperatur über Zeitblöcke lässt sich hier aber eher nur mit größerem Aufwand, wenn überhaupt, realisieren und später nur mühsam wieder verändern.

Wer also nur sicher gehen will, dass das SmartHome die Klimaanlage automatisch abschaltet, wenn niemand im Haus ist, muss auch kein Abo bezahlen, das kann alles HomeKit. Wer etwas mehr will, wird den Abopreis in die Kostenrechnung mit reinpacken müssen.

Ein weiterer Punkt, weshalb tado° Smart AC Control das „smart“ im Namen trägt ist aber natürlich die Integration mit dem Google Assistant sowie Alexa (mehr dazu später) sowie die Tatsache, dass über die tado° App und die Sensoren im Gerät auch Luftfeuchtigkeit und natürlich die Temperatur gemessen wird, das alles wird übersichtlich in der App angezeigt. Zudem erhält man auch Infos hinsichtlich des „Raumluftkomforts“ – das habe ich euch in meiner Review zum tado° V3+ Thermostat bereits gezeigt.

Die tado° App

Nun, die tado° App ist hübsch und einfach in der Nutzung. Jedes einzelne tado° Gerät taucht hier als Kachel auf. Oben finden wir den Namen eures Zuhauses, darunter eben die Geräte gefolgt von einer Kachel für den Raumluftkomfort, einer für den Status „home“ oder „away“ , einer für die durch tado° erzielten Energieeinsparungen sowie einer für ein „Heizungs Reparaturservice“. Je nach dem, ob man ein Abo hat, oder eben nicht, wird das Geofencing oder die Fenster-Offen-Erkennung automatisch eingestellt oder der Nutzer erhält eine Push-Benachrichtigung. Schade ist, dass, es keine Unterteilung nach Räumen gibt.

Tippt man eines der Geräte an, so sieht man seinen aktuellen Status. z.B. „AUS“ oder die eingestellte Temperatur. Thermostaten verwenden hier orange Farbtöne, tado° Smart AC Control blaue. Die Darstellung ist sehr hübsch und übersichtlich.

Rechts oben haben wir Zugriff auf die Diagramme, allerdings funktionieren sie nur auf dem Handy (nicht über das Webinterface) und das nur im Querformat, und sie stellen immer nur einen Tag dar, eine Wochen- oder Monatsübersicht ist nicht möglich. Das habe ich bereits zuvor bemängelt – leider wurde hier seit Jahren nichts wirklich verbessert. Vielleicht einfach nur für mich Daten-Nerd interessant.

In der Detailansicht zum jeweiligen Gerät sehen wir zudem natürlich die aktuelle Raumtemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit, haben Zugriff auf den intelligenten Zeitplan (mehr dazu gleich) sowie der manuellen Steuerung die für eine frei definierbare Zeit, bis zum nächsten Umschalten des intelligenten Zeitplans oder unendlich aktiviert werden kann. Tippt man den Status an so kann man je nach Klimagerät natürlich Temperatur, Gebläsegeschwindigkeit sowie Modus (Kühlen, Trocknen, Lüften, Auto und Heizen in meinem Fall) einstellen.

Intelligenter Zeitplan

Das ist eigentlich die Kernfunktion des gesamten tado° Systems. Hier kann die Termperatur pro Tag und Tageszeit eingestellt werden. Im Badezimmer  z.B. hab ich die Temperatur morgens etwas höher eingestellt als unter tags. Diese Steuerung ist für Montag bis Sonntag, Montag-Freitag+Wochenende oder individuell pro Tag einstellbar. Für „away“, wenn also niemand mehr im Haus ist, kann ebenfalls ein Status definiert werden. z.B. Klimaanlage ausschalten oder eben auf 25° Kühlen damit das Haus oder die Wohnung nicht überhitzt. Sobald dann die erste Person nach Hause kommt, wird die Klimaanlage auf die eingestellte Solltemperatur bei Anwesenheit gebracht. Klappt in der Praxis absolut perfekt mit der tado° App; hier hab ich persönlich mit Homekit gemischte Erfahrungen, was die Zuverlässigkeit angeht.

Die Sache mit Geräte- und Raumnamen

Wo tado° für besseres Verständnis seiner Kunden nachbessern muss, ist die Benennung der Geräte. Fügt man ein neues tado° Gerät hinzu, so wird man nach dem Raum gefragt. Fügen wir also Smart AC Control im Schlafzimmer hinzu so sagt die Logik, dass man das Gerät also Schlafzimmer nennt. Im späteren Verlauf der Installation landen wir bei Homekit und da heißt das Gerät (!) plötzlich Schlafzimmer. Wird alles 1:1 übernommen müssten wir also zu Siri „Hey Siri, schalte Schlafzimmer in Schlafzimmer ein“. Doof.

Pro Tipp: Man sollte also in der tado° App anstatt einem Raumnamen eine Gerätebezeichnung verwenden. z.B. „Klimaanlage Schlafzimmer“. In HomeKit nennt man das Gerät dann „Klimaanlage“ im Raum „Schlafzimmer“ – gilt auch für Google Assistant oder Alexa. Dieses Theater könnte tado° umgehen, indem sie einfach in der App zwischen Gerätenamen und Raum unterscheiden oder den Raum quasi als „Einstellung“ zum Gerät hinzufügen. Oder generell nur nach einem „Namen“ verlangen.

Ist mir schon klar, woher das Problem rührt: Würden Räume als solche in der tado° App geführt hätte man  unweigerlich Diskrepanzen weil diese natürlich nicht 1:1 die selben Räume wären, die HomeKit oder sonstige Smarthome Systeme hinterlegt hätte.

Abo oder kein Abo?

Entscheidet man sich für das tado° Abo so erhält man die Fenster-Offen-Erkennung sowie die automatische ortsabhängige Steuerung:

Alexa, Google Assistant & Siri

Also grundsätzlich ist die Integration der drei „großen“ digitalen Assistenten vorbildlich. Für Alexa gibt es einen Skill, die Integration mit dem Google Assistant ist ebenfalls gewohnt einfach. Hat man die seltsame Handhabung der tado° App, wie zuvor beschrieben, hinsichtlich der Geräte bzw. „Raum“ Benennung überwunden, so können alle Assistenten die Klimaanlage wunderbar steuern.

Was gefällt, was gefällt nicht?

Mir gefällt das schlichte weiße Design sehr gut und auch, dass das Gerät sehr stark an das tado° Thermostat erinnert. Die Einbindung ins WLAN, anstatt auf eine Bridge mit eigenem Funkstandard zu setzen, ist für mich als Anwender ebenfalls praktischer, da ich mich nicht um ggf. Probleme in der Datenübertragung kümmern muss – Stichwort: Stahlbeton. Auch, dass das Gerät sehr schnell auf alle Kommandos reagiert, seien es welche vom digitalen Assistenten oder direkt von der tado° App, ist super.

Weniger gut find‘ ich aber, dass der Hersteller auch bei der neuen Version von Smart AC Control auf eine ordentliche Montagelösung verzichtet. Während für den Thermostaten von tado° eine Halteplatte bequem montiert werden kann, muss tado° Smart AC Control mit (beiliegenden) Klebestreifen angeklebt (oder eben irgendwo hin gelegt) werden. Was mein größter Kritikpunkt ist: Das Kabel. Ganz ehrlich, ich hab kein Problem damit, einmal im Jahr Batterien zu wechseln. Schlau gewesen wäre, wenn tado° hier dem Nutzer die Freiheit ließe zu sagen: WLAN mit Kabel oder Bluetooth LE + HomeKit mit Batterie.

Im Alltag

Ich kann euch hier nur meine persönlichen Erfahrungen schildern. tado° Smart AC Control ist so eingestellt, im Schlafzimmer, dass es um 21:50 das Schlafzimmer runterkühlt und automatisch um 7 Uhr Wochentags bzw. 9 Uhr an Wochenenden bzw. sobald niemand mehr zu Hause ist, die Klimaanlage wieder abschaltet. Das mach‘ ich alles über die tado° App und das Abo (wegen Anwesenheitserkennung). Außerdem habe ich meine „Gute Nacht“ Szene in HomeKit erweitert um das Kommando, die Klimaanlage zusammen mit den Nachttischlampen zu aktivieren, sollte man mal früher zu Bett gehen, während alle anderen Steckdosen und Lampen im Haus ausgeschaltet werden.

Was ich künftig machen werde, sofern ich das Abo nicht verlängere, ist das Abschalten als Automation in HomeKit zu hinterlegen. Die Sprachsteuerung im Halbschlaf empfinde‘ ich aber als mühsamer, als einfach zur Fernbedienung zu greifen, auch die direkte Steuerung am tado° Smart AC Control ist nicht direkt selbsterklärend…

Steuerung direkt am Gerät

Nun, bei der Steuerung direkt am tado° Smart AC Control hat irgendwie ein Entwickler…ähm… einen leichten Aussetzer gehabt. Wir tippen das Display mittig an. Nun sehen wir die aktuelle Raumtemperatur gefolgt vom aktuellen Betriebsmodus und darunter zwei Pfeiltasten.

Nehmen wir mal an wir haben den Status „off“, also ausgeschaltet. Drücken wir nun die Pfeiltaste nach OBEN so springen wir zum Heizmodus mit minimaler Heiztemperatur (18°C). Drücken wir den Pfeil nach unten, so springen wir zur maximal einstellbaren Kühltemperatur (31°C). Diese Temperaturen können nun weiter mit den Pfeiltasten eingestellt werden. Also im Fall von Kühlen tippen wir so lange den Pfeil nach unten bis z.B. 22°C erscheint. Würden wir stattdessen wieder nach oben drücken über 31°C würden wir wieder zu „off“ und nach zum Heizen gelangen. Macht man nun nichts weiter, so wird danach die gewünschte Lüftergeschwindigkeit abgefragt und danach der Befehl zum Start ans Klimagerät gesandt…

Habt ihr’s verstanden? Genau. Ist nicht logisch. Logisch wäre, dass man das Gerät antippt, dann der Modus mit den Pfeiltasten durchgesprungen wird, danach die Temperatur, dann der Lüfter. Bitte ändern, tado°!

Kompatibilität

Lt. Hersteller ist die Smart AC Control NUR (!) mit Klimageräten mit infrarot Fernbedienung mit Display (Split- und Multisplit Geräte der Marken Daikin, Mitsubishi, Panasonic, Toshiba, LG, GE, Samsung & Fujitsu) kompatibel. Ob man theoretisch auch andere Modelle wie Standgeräte mit Fernbedienung zum Laufen bekommen könnte, vermag ich nicht zu sagen.

Fazit zum tado° Smart AC Control

Wer das notwendige Kleingeld (aktuell 99€) für ein tado° Smart AC Control in die Hand nehmen will, dem kann ich das Gerät definitiv empfehlen. Ja, die Montage mit Kabel ist nicht sooo toll, aber meist kann man das Gerät etwas versteckt anbringen, Hauptsache es ist in Sichtweite zur Klimaanlage. Natürlich können manche Klimageräte auch direkt mit einem Smartphone sprechen, eine direkte HomeKit Integration ist aber eher selten zu finden in unseren Breiten und außerdem bietet die granulare Steuerung über die tado° App ungleich mehr Möglichkeiten. Und wer seinen digitalen Assistenten ins Herz geschlossen hat, der wird die Steuerung auf Zuruf sowieso lieben.