Wir schreiben das Jahr 2012. Heutzutage ist es glücklicherweise recht einfach, kabellos Musik abzuspielen. Am Markt gibt es viele Hersteller teils qualitativ äußerst hochwertiger Streaminglösungen wie z.B. Sonos oder auch iHome. Während erstere komplette System anbieten, um das ganze Heim zu beschallen, ist das iW1 von iHome ein Airplay Lautsprecher. Wo passen nun die Squeezeboxen von Logitech rein? In die Mitte, würde ich sagen.

Im folgenden Testbericht bezeichne ich die Squeezebox Touch kurz als „SBT“ und die Squeezebox Radio als „SBR“.

Squeezeboxen für wen?

Eines vorne weg: Billig wird’s da und dort nicht. Der iW1 von iHome schlägt mit 350€ zu Buche und bei Sonos geht’s bei etwa 300€ los und je nach Umfang des Systems kann’s richtig teuer werden. Logitech ist hier mit den Squeezeboxes vergleichsweise günstig unterwegs. 115€ ist derzeit für die „Squeezebox Radio„(SBR) zu bezahlen, 215€ für die touch Variante. (SBT)

Squeezeboxes eigenen sich für jene, die die Musik eher zentralisiert verwalten möchten oder Fans von Webradio sind und kein drahtloses Lautsprechersystem suchen. Während das iW1 hauptsächlich als Airplay Lautsprecher konzipiert ist und Sonos seine Stärken in der Vernetzung der einzelnen Produkte ausspielt, sind die Squeezeboxen eher als „Zugänge“ zur eigenen Musikbibliothek sowie zu tausenden von Internetradiosendern zu verstehen. Auf jedem Rechner mit einer iTunes Bibliothek kann auch der Squeezebox-Server laufen und so für beide hier betrachtete Modelle alle Wiedergabelisten und Songs einfach zur Verfügung stellen. Einige kleinere Programme, die über das Webinterface der Squeezeboxes installiert werden können, runden das Angebot dann ab.

Die Einrichtung

Bei beiden Geräten ist die Ersteinrichtung sehr einfach und auch intuitiv gelöst. Es kann der Squeezebox ein Name gegeben werden und nach vorhandenen WiFi Netzwerken gesucht werden. Natürlich weisen beide Geräte auch einen Ethernet-Anschluß auf, was die Konfiguration nochmal vereinfacht. Speziell die Passworteingabe funktioniert naturgemäß am touchscreen der Squeezebox Touch wesentlich komfortabler als auf der Radio-Variante, wenngleich hier das dreh-drück Konzept recht gut umgesetzt wurde.

Soll Musik von einer Musiksammlung am Mac oder PC gestreamt werden, so muß der eingangs erwähnte „Logitech Media Server“ auf dem betreffenden Rechner laufen. Erfreulich ist, daß dieses Programm sowohl für Windows (XP/Vista/7) als auch für den Mac und auch Linux verfügbar ist. Im Test konnten wir vom Server auch keinen Ressourcenhunger erkennen, er kann also auch im Hintergrund laufen und stört nicht weiter.

MySqueezebox – Fluch & Segen

Fluch und Segen zugleich ist das „MySqueezebox“ Konto. Einmal angelegt, erscheinen hier alle Squeezeboxes und können bequem konfiguriert werden.

Schön z.B. auch, daß bei der Squeezebox Radio auch der Wecker sehr genau eingestellt werden kann. Wer also einen recht „geregelten“ morgentlichen Ablauf hat, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Natürlich kann man auch an der Box selbst dies einstellen, am Rechner aber ist es komfortabler.

Werden die Lieblings Internetradiosender hier in der Favoritenliste eingetragen, so stehen sie, nach Anmeldung an MySqueezebox, auf allen verknüpften Squeezeboxes zur Verfügung. Dabei können vielerlei verschiedene Streams die auf z.B. den Websites verschiedener Radiosender zu finden sind, verwendet werden. Was letztlich am besten funktioniert, muss man ausprobieren.

Neben den Konfigurationsmöglichkeiten gibt’s dann noch Apps für Facebook (ja man kann hier die neuesten FB News lesen ;-)) oder Flickr, Spotify oder auch Podcasts und einige weitere.

Ok, das hört sich alles gut an, wieso denn „Fluch“? Nun, ist der Logitech Server mal nicht erreichbar, verweigern diese ganzen schönen Funktionen nämlich ihren Dienst. Internetkonfiguration gut und schön, aber bitte nur, wenn’s auch autark geht. Abhilfe bietet bei den Boxen aber zumindest der Line-Eingang (SBR) oder der USB Anschluss bzw. der Einschub für die SD Karte (SBT) um trotz Netzwerk oder Serverausfall immer noch Musik hören zu können.

Design, Verarbeitung & Usability

Auf den ersten Blick sind beide Squeezeboxes sehr schick. Der schwarze Kunststoff ist hoch glänzend, die Formensprache schön und die Geräte fassen sich auch gut an. Während die Squeezebox Touch sich als Erweiterung zu bestehenden Audiosystemen versteht und in Folge dessen über Cinch und auch optische und koaxiale Digitalkabel mit der der Anlage verbunden werden kann, zudem auch einen USB- und einen Kopfhöreranschluss sowie einen SD Karten Slot aufweist, so bietet das kleine Radio Squeezeböxchen dafür nur einen Line-Eingang an. Digitale Ausgänge oder ein Line-Out wurden hier eingespart. Die Kopfhörerbuchse ist übrigens auch der einzige Weg, der SBR Stereo-Töne zu entlocken. Die Verarbeitung ist, wie man es von Logitech gewohnt ist, sehr gut.

Einziger Wermutstropfen an der SBT: Durch das geschwungene Design ist die Displayabdeckung aus Kunststoff. Wer hier nicht sehr aufpasst, speziell beim Reinigen  und Abstauben des Geräts, riskiert Kratzer. Vielleicht weist ja die Squeezebox Touch 2 eine ebene und bündige, schicke Glasfläche auf? Hmm, würde mir sehr gut gefallen!

Squeezebox Touch Anschlüsse

Die touch Variante überzeugt durch schnörkelloses schönes Design während die Squeezebox Radio (kurz SBR) sage und schreibe 17 (!) Knöpfe auf der Vorderseite unterbringt. Das wiederum hätte nicht sein müssen. Da gibt’s numerierte „Schnellauswahl“ Tasten, Home, Alarm, More, Rewind, Pause, Forward, Back, Play, das große dreh-drück-Rad, ein Rad für die Lautstärke (wieso wurde das nicht ins zuvor erwähnte dreh-drück-Rad integriert?) sowie einen Power-Knopf. Klar, die  SBR soll an Radios aus der „guten alten Zeit“ erinnern… aber es geht auch einfacher. Im Alltagstest wurde dann doch einfach auf Play gedrückt um Webradio zu hören…

Die Squeezebox Touch (kurz SBT) kommt wiederum ganz ohne Tasten aus. Wird der angenehm große Touchscreen berührt, so erwacht das Gerät vom Standby-Modus (in welchem übrigens schön groß die Uhrzeit präsentiert wird) und kann bequem mit den Fingern bedient werden. Wird die mitgelieferte Fernbedienung verwendet, so wird ein etwas abgeändertes Interface präsentiert, um auch von einiger Entfernung das Dargestellte noch entziffern zu können. Das gefällt, hier wurde mitgedacht.

Generell ist das Menüsystem der Squeezeboxes recht einfach zu verstehen, bietet allerdings oftmals eine sehr große Fülle an Optionen die vielleicht eher Geeks als den „Normalo User“ anspricht. Gerade über „MySqueezebox.com“ sollte die Möglichkeit geschaffen werden, nicht nur Apps, wie TuneIn oder BBC (uvm.) hinzuzufügen, sondern gleich auch das Menü via Drag & Drop an die Bedürfnisse anpassen zu können.

Softwareupdate

Designtechnisch hätte ich mir generell etwas mehr Farbvielfalt gewünscht. Die SBR gibt’s zwar auch mit roter oder weißer Rückseite, ich hätte mir hier aber das gesamte Gehäuse in dieser Farbe gewünscht. Selbiges gilt für die SBT. Hier wäre hoch glänzendes weiß einfach auch schick. Eine Premiumvariante aus Aluminium oder Edelstahl würde auch sicher einige Abnehmer finden.

Und bitte Logitech, spart einige der Knöpfe ein, an der Squeezebox Radio. FF bzw. RW Tasten zum Titelsprung benutzen, bei längerem Drücken zum Vor- bzw. Zurückspulen verwenden, Lautstärkeregler weg und auf das große Rad legen und Menü über Druck auf’s große Rad aufrufen – das ginge doch! Und wenn schon neben dem Display programmierbare Tasten sind, könnte man diese doch im Menü auch gleich zur Steuerung verwenden und damit Home, Alarm, More und zumindest Back einsparen… Schwupps wäre Platz für ein größeres Display.

Die Displays könnten noch verbessert werden, wenngleich sie für den mehr als moderaten Preis OK sind. Nein, die Displays sind nicht schlecht, dennoch legen Mobiltelefone mit Super AMOLED Displays oder das iPhone 4(s) mit seiner hohen Auflösung die Messlatte teils recht hoch und lassen 320×240 Pixel (SBR) bzw. 480×272 Pixel (SBT)  nicht mehr zeitgemäß erscheinen.

In der Praxis

Hier punkten beide Geräte. Anfangs wird man natürlich eine Weile durch die langen Listen an Internet Radiostationen surfen  um den Wunschsender  zu finden oder neue Sender zu entdecken. Hilfreich ist natürlich auch, daß sehr einfach nach Radionamen gesucht werden kann. Ist ein Sender mal eingestellt, so reicht ein Drücken der Playtaste (SBR) bzw. jener auf der Fernbedienung (SBT) und schon geht’s auch aus dem Standby sofort mit der Musik los.

Bedenkt man, daß es sich hier um Geräte ohne Festplatten handelt, so verwundert die recht lange Startzeit (wenn der Strom unterbrochen wurde) von ca. 45 Sekunden aber doch. In der Praxis wird man jedoch eher selten das Gerät von A nach B schleppen, auch wenn die SBR sogar eine kleine Griffmulde aufweist.

Stabiles Internet vorausgesetzt ist erfreulich, daß bei der SBR auch die Weckzeiten online gespeichert werden. Sollte es also zwischenzeitlich zu einem Stromausfall kommen, werden die Weckzeiten dann wieder vom Server geladen.

Daß bei der SBR kein Akku eingebaut ist, ist schade (Stichwort: Bootzeit & Stromausfall) aber kein Grund, den Kauf auszuschließen.

Etwas erstaunt war ich dann doch, als auf Tastendruck der bei der SBT mitgelieferten Fernbedienung plötzlich beide Geräte loslegten. Es ist zwar löblich, daß die Squeezebox Radio fernbedienbar ist, aber besser wäre dann doch, eine etwaig als Zubehör später erstandene Fernbedienung erst mal anmelden zu müssen. Dann wiederum – wie oft steht wohl eine Squeezebox Touch und eine Radio Variante im selben Raum ;-)?

Der Sound

Bei der SBT hängt der Klang maßgeblich vom gewählten Internetradiosender bzw. digitalen Musikstück, der eigenen Anlage sowie der Anbindung an selbige ab. Ergo kann ich hierzu wenig sagen, außer, daß keinerlei mißklänge aufgefallen wären.

Die SBR klingt gut, wenngleich man sich natürlich keine Wunder erwarten darf, ein 7,6cm Tieftonlautsprecher und das angenehm kompakte Gehäuse haben ihre Grenzen. Aber die Squeezebox Radio will ja keine Stereoanlage ersetzen sondern das kleine Radio auf der Küchentheke oder am Nachttisch. Und das tut sie ausgesprochen gut.

Pro & Contra zur Squeezebox Radio

Pro

  • kompakt
  • hübsches Design
  • einfaches Setup
  • große Funktionsvielfalt
  • guter Klang (mono)
  • gutes Menüsystem
  • Konfiguration über mysqueezebox.com möglich
  • hochwertige Verarbeitung

Contra

  • weniger Tasten würden die Bedienung vereinfachen
  • kein Akku im Lieferumfang
  • nicht airplay kompatibel
  • Display mit 320×240 Pixeln nicht mehr zeitgemäß

Pro & Contra zur Squeezebox Touch

Pro

  • großes Display
  • einfach zu bedienen
  • praktische große Uhrzeitanzeige im Standby
  • sehr gelungenes Design
  • hochwertige Verarbeitung
  • große Anschlußvielfalt
  • schnelle und zuverlässige Touch-Bedienung
  • Interface sowohl für touch als auch für Fernbedienung optimiert
  • Fernbedienung im Lieferumfang

Contra

  • nicht airplay kompatibel

Fazit

Beide Squeezeboxen machen Spaß, sind recht einfach zu bedienen und erfüllen die Erwartungen meist voll und ganz. Während des Testzeitraumes flogen zwei Softwareupdates auf die Boxen was ein gutes Zeichen ist, sind diese doch nun schon eine ganze Weile am Markt. Einziger Nachteil: Keine Airplay Kompatibilität. Somit kann nicht mal eben von sich im Haushalt befindlichen iOS Geräten an eine der Boxen gestreamt werden. Ansonsten bieten die Boxen viel für’s Geld und ermöglichen es sehr einfach und recht komfortabel Internetradio auf den unterschiedlichsten Anlagen (SBT) bzw. autark (SBR) zu hören.

Persönlich hat mir die Squeezebox Radio besonders gut gefallen. Wäre im Haushaltsbudget etwas Geld übrig, würde sie es definitiv auf die Arbeitsplatte der Küche schaffen, nicht zuletzt weil ich nur „play“ drücken müsste und schon würde das Elchradio loslegen 😉