Adidas-Smart-Run-WatchNeben anderen Größen aus dem Sportsektor hat mittlerweile auch adidas eine Laufuhr, die Smartrun, auf den Markt gebracht. 4GB Speicher, eingebauter Herzfrequenzsensor, Farbdisplay, GPS & Bluetooth sowie WLAN wurden verbaut und deuten auf ein außergewöhnliches Sport Accessoire hin. Sehen wir uns also an, ob die miCoach Smartrun dem stolzen Preis gerecht wird.

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Verpackung & Lieferumfang

Wir blicken auf eine schicke grau und grün gehaltene Verpackung. In selbiger finden wir neben der Uhr ein Booklet, USB Kabel sowie das Ladedock in welches die Uhr geklippst wird um geladen zu werden. Dank dieses Docks kann die Uhr auch während des Ladens als Zeitanzeiger z.B. am Nachttisch verwendet werden.

Design

Nunja, hier kann ich nur meine bescheidene persönliche Meinung kundtun… ich finde die Smartrun etwas „klobig“. Dass (derzeit) eine Uhr die so vollgestopft mit Technik ist nicht eben zu den kompaktesten gehört, ist klar, aber die Smartrun wirkt schon außerordentlich groß. Als reine Laufuhr empfand ich das Design OK, als Uhr die man ggf. aber täglich trägt war sie mir zu viel des Guten.

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Hauptaugenmerk liegt auch hier natürlich auf dem großen Display. Die Uhr verbreitert sich aber unter dem Display merklich; vermutlich um Streulicht das die Herzfrequenzmessung, welche über Fotodioden funktioniert, zu verbessern.
An Bedienelementen finden wir neben dem Touchscreen lediglich einen Button zentriert unter dem Display. Konzeptionell eine gute Wahl.

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Auf der Rückseite des Gehäuses finden wir den Herzfrequenzsensor sowie die Ladekontakte. Leider lässt sich die Uhr ohne das mitgelieferte Dock nicht aufladen; ist dieses also defekt oder verloren, so steht man unweigerlich vor einem Problem.

Inbetriebnahme

Nachdem die Uhr erstmal geladen wurde, muss sie konfiguriert werden. Nun, während es als sehr positiv zu bewerten ist, dass man die Uhr auch ohne Verbindung zu Mac oder PC einrichten kann, so ist die Konfiguration an der Uhr dennoch etwas mühsam und bedarf einer großen Menge Wischbewegungen in alle Richtungen.

Um die Smartrun nämlich in Betrieb zu nehmen, muß neben der Spracheinstellung auch eine Verbindung mit dem WLAN hergestellt werden. Je nachdem, wie gut das WLAN gesichert ist, kann die Eingabe des Passworts durchaus zur Nervenprüfung werden. Adidas hat zwar grundsätzlich gute Arbeit geleistet um die Eingabe auf dem kleinen Display so komfortabel wie möglich zu machen, dennoch wäre hier vielfach sicher z.B. eine Smartphone-App oder auch eine Mac/PC App mit Kabelverbindung für die Konfiguration zielführender. Ein PC oder Mac sollte so oder so vorhanden sein, um das MiCoach Portal (und damit die eigenen Körper- und Fitnessdaten) verwalten zu können.

Ist die WLAN Verbindung hergestellt (im Test ohne Probleme) so muss natürlich noch Benutzername & Passwort zum Portal eingetragen werden. Auch hier wäre eine Konfiguration über den Rechner sicher einfacher und schmerzfreier. Wie gesagt, ich würde es begrüßen, würden beide Optionen angeboten.

Sobald die Uhr mit WLAN und Portal verbunden ist, werden etwaige Körperdaten synchronisiert (sofern man den Portalzugang vorab angelegt hatte). Im Grunde kann man nun bereits loslegen!

Bedienung

Wie schon erwähnt wird die Smartrun über ein kapazitives Touchscreen Display gesteuert. Über eine Home-Taste gelangt man von jedem Untermenü einfach wieder zum Laufbildschirm.

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Das Menüsystem ist in vier Hauptbereiche unterteilt. Uhrzeit, Laufen, Musik sowie Einstellungen, welche durch nach links oder rechts wischen durchgeschaltet werden. Wischt man nach oben scrollt das Menü weiter nach unten und bietet so, je nach Modus, verschiedene Optionen.

Grundsätzlich wirkt das Konzept ausgereift, wenngleich ich manchmal die Reaktion der Uhr als etwas träge und nicht immer ganz zuverlässig empfand. Manchmal reagierte der Touchscreen auch etwas ungenau und man musste oftmals eher auf das obere Drittel eines Buttons zielen um diesen auch zu treffen, als mittig. Nichts aber, was ein Softwareupdate nicht aus der Welt schaffen könnte.

Gut gelöst ist auch die Funktion der Home-Taste. Im Standardbetrieb fungiert sie als schneller Rückweg zum Hauptmenü, während eines Laufs kann damit selbiger pausiert oder auch beendet werden, sofern man die Taste etwas länger drückt. Einen Lauf versehentlich über den Touchscreen zu beenden ist somit ausgeschlossen. Weiters verriegelt ein noch längerer Tastendruck den Bildschirm während ein NOCH längerer Tastendruck die Uhr ausschaltet. Alles durch nette Animationen am Display übersichtlich dargestellt.

Ich empfinde die Bedienung grundsätzlich als gut gelöst, hätte aber zusätzliche Hardwaretasten der reinen Touchscreenbedienung definitiv vorgezogen. Gerade wenn es während eines Laufs notwendig werden sollte, etwas an der Uhr zu verstellen ist der Touchscreen gänzlich ungeeignet. Hier mit Hardwaretasten z.B. die Displayansichten umschalten zu können wäre definitiv sehr praktisch.

Ein Nachteil des Touchscreens ist die Anfälligkeit für Fehlbedienungen. Gemeint sind weniger falsche Tapser auf den Bildschirm als die Bedienung der Uhr durch die Sportbekleidung hindurch. Es passierte öfter, dass die Uhr einen Lauf startete obwohl ich noch gar nicht bereit war, weil der Ärmel der Jacke das Display streifte.

Display

Die Smartrun hat ein Farbdisplay von 184 x 184 Pixeln und natürlich eine Hintergrundbeleuchtung. Grundsätzlich ein guter Schritt, allerdings ist die Farbdarstellung des Displays eher bescheiden und die Beleuchtung relativ schwach. Zwar kann zwischen einer automatischen Einstellung sowie verschiedenen Helligkeitsstufen gewechselt werden, irgendwie war aber jede für sich nicht wirklich zufriedenstellend.

Einstell-"Domain"

Einstell-„Domain“

Bei heller Umgebung ist das Display auch ohne Beleuchtung gut abzulesen (Pluspunkt), bei Dunkelheit auch mit Auto-Einstellung, gerade aber in der Dämmerung sieht man irgendwie gar nix (Minuspunkt). Hier sollte auch noch die automatische Regelung optimiert werden, denn die Maximaleinstellung entleert den Akku viel zu schnell.
Die Auflösung des Displays ist Ok und für eine Laufuhr definitiv angemessen, andererseits reden wir von einem recht hochpreisigen Premium-Sportgerät und da dürfte es gerne ein bisserl mehr sein, wenn wir schon bei „Wünschdirwas“ sind 😉

Pluspunkte sammelt die Smartrun dann wiederum bei der einfachen Anpassbarkeit des Displays über das MiCoach Portal. Soll besonderes Augenmerk auf die Herzfrequenz gelegt werden? Oder ist die Geschwindigkeit in min/km wichtiger? All das kann übersichtlich im Webportal eingestellt werden, sogar verteilt auf mehrere verschiedene Bildschirme auf der Uhr, so kann durch wischen nach links und rechts schnell zwischen verschiedenen Ansichten umgeschaltet werden. Das ist nun natürlich nicht „neu“, kenne wir auch schon von der Laufuhr von Runtastic – aber bei der Smartrun ist es durch das bessere Display eben perfekt umgesetzt.

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Laufen mit der Smartrun & miCoach Portal

Grundsätzlich einfach. Bewegt man sich im Hauptmenü nach rechts zum zweiten Bildschirm so befindet man sich im Laufmenü. Scrollt man nun vertikal durch das Menü so können verschiedene Laufmodi gewählt werden. Am Anfang der Liste werden recht übersichtlich über ein Balkendiagramm die letzten Läufe visualisiert, darunter findet man dann „Freies Training“ oder auch „Intervalltraining“.

Die Smartrun kann aber eben auch mit dem miCoach Portal kommunizieren und dann entsprechend etwaig gewählter Trainingspläne aus dem Portal diese ebenfalls wiedergeben bzw. anzeigen. So kann z.B. zum Aufbau der Kondition ein entsprechender Trainingsplan gewählt werden und landet dann nach der nächsten Synchronisation der Uhr auf selbiger.

So informiert dann die Uhr über die geplante Trainingseinheit inklusive der vom Plan festgelegten Dauer und Intensität. Gerade bei Leuten die mit konkretem Ziel trainieren definitiv ein großer Vorteil.

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Bevor man loslegt sollte aber noch der „Fitnesstest“ mit der Uhr absolviert werden. Dabei läuft man etwa 12 Minuten mit sich steigernder Geschwindigkeit. Ist über Bluetooth ein Headset verbunden, so hört man natürlich auch die gesprochenen Anweisungen. Durch diesen Fitnesstest werden die Pulszonen bestimmt wodurch die Uhr dann ausgesprochen genau die Zonen wie Aerob, Anaerob oder Fettverbrennung bestimmen kann. Vorbildlich.

Die Smartrun kann sogar die Schritte zählen (ohne dabei das GPS zu benötigen dank Accelerometer) – umso verwunderlicher aber, dass der Lauf bei schwachem oder ausgefallenen GPS nicht weiter aufgezeichnet wird.

Schade nur, dass auf einen Lautsprecher verzichtet wurde und daher für Sprachanweisungen ein bluetooth Kopfhörer obligatorisch ist. Fairerweise muss aber auch gesagt werden, dass die Uhr über Vibrationen am Handgelenk den Wechsel von einer zur anderen Zone (beim Fitnesstest) anzeigt, bzw. z.B. auch auf absolvierte Etappen hinweist.

Der Rest vom Webportal bietet bekannte Features wie wir sie auch von Runtastic oder Runkeeper kennen. Dabei ist das Portal aber umfangreicher als z.B. Nikes Portal. Von Routenverwaltung über die Konfiguration der Geräte von Adidas bis hin zu Erfolgen und Trainingsplänen findet sich alles, was das Sportlerherz begehrt.

GPS Empfang

Natürlich hat die Smartrun auch einen eingebauten GPS Empfänger. Unser erstes Testmodell war leider fehlerhaft und fand meist gar keinen Satelliten; das zweite Testmuster funktionierte aber ohne Probleme und fand meist binnen 20-40 Sekunden das Satellitensignal und der Lauf konnte losgehen.

Hinsichtlich der Empfangsgenauigkeit muss aber leider noch nachgebessert werden; bei manchen Läufen gab es arge Ausreißer (siehe obige Galerie) von teils mehreren hundert Metern, bei anderen wiederum gab es einfach eine Minute kein Signal, was dann natürlich auch in Fehlern der aufgezeichneten Geschwindigkeit resultierte. Bei anderen Läufen wiederum deckten sich die Strecken 1:1 mit jenen vom iPhone aufgezeichneten. Auch hier gilt: Bei einem Gerät in dieser Preisklasse ist dies weniger verzeihbar als bei einem günstigeren Gerät um sagen wir mal 150EUR.

Herzfrequenzmessung

Einer der großen Vorteile gegenüber anderen Systemen ist der eingebaute Herzfrequenzsensor. Damit dieser gut und zuverlässig funktioniert muss die Uhr relativ straff am Handgelenk befestigt werden und darf dabei nicht zu weit vorne sitzen. Dank des weichen Gummibandes fühlt sich die Smartrun aber nicht einengend an. Ich muss allerdings sagen, dass ich persönlich die Lösung mit Pulsgurt und „normaler“ Uhr die etwas lockerer sitzt auch etwas komfortabler empfinde.

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Während des Tests funktionierte die Herzfrequenzmessung stets absolut zuverlässig, es gab keine Aussetzer oder Fehlmessungen. Die korrekte Herzfequenz hatte ich mittels eines Polar Pulsgurtes während der Läufe kontrolliert.

Tragekomfort

Wie schon erwähnt, die miCoach Smartrun trägt sich gut; das Gummiband ist breit und verursacht keine Druckstellen, selbst bei engem Hautkontakt nicht, der für die Herzfrequenzmessung unabdingbar ist. Auch schränkt die Smartrun die Bewegungsfreiheit nicht ein und wirkt recht robust in ihrer Ausführung.

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Musikplayer

Dank 4GB Speicherplatz und Bluetooth kann die Smartrun auch Musik auf einem gekoppelten bluetooth Headset wiedergeben. Die Daten können hierzu über USB auf die Uhr geladen werden, eine Möglichkeit den internen Speicher zu erweitern, gibt es aber nicht. Für die Steuerung der Musik gibt es im Hauptmenü einen eigenen Bildschirm um Lautstärke oder Titelsprung zu bestimmen, Kompatible Headsets können das aber natürlich auch übernehmen. Im Grunde ist die Audioqualität nur durch das gewünschte Headset limitiert. Ich empfehle hier das Plantronics Backbeats Go2 Headset – geniales Teil.

Einstellmöglichkeiten

Gerade auch hinsichtlich der Einstellmöglichkeiten ist die Smartrun besonders vielfältig. So kann neben WLAN und Flugmodus natürlich auch Bluetooth, Vibration oder Lautstärke geregelt werden. Auch die Datums- und Uhrzeitanzeige kann in gewissem Rahmen angepasst werden. Die zur Verfügung stehenden Zifferblätter sind aber eher mau, leider. Hier sollte adidas eine Konfigurationsmöglichkeit über das Webportal bieten und eine größere Auswahl an Zifferblättern anbieten.

Akkulaufzeit

Neben dem manchmal etwas ungenauen GPS Signal ist leider die Akkulaufzeit das derzeit größte Problem der Smartrun. Ein Lauf von ca. 5,5km (mit moderatem Tempo ca. eine halbe Stunde) benötigte ca. 15% Akkuladung und das ohne Kopfhörer verbunden zu haben. Daraus kann man auf etwas mehr als dreieinhalb Stunden Dauerbetrieb schließen. Das ist natürlich für Gelegenheitsläufer ausreichend, trainiert man aber auf einen Marathon oder plant, die Uhr z.B. auch zum Wandern zu verwenden wird man leider enttäuscht. Mein Tip für Wanderer übrigens die App „Trails“ für iOS.

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Im Standby-Betrieb, also ohne die Uhr zum Laufen zu verwenden, hält die Smartrun etwa 2,5 Tage durch (mit WLAN aktiviert). Hier würde ich empfehlen, die Uhr immer im Ladedock zu belassen, wenn sie gerade nicht verwendet wird. Alles in allem eher mäßige Werte, was die Laufzeit angeht, und keine Laufzeiten die dazu einladen diese Uhr als täglichen Begleiter im Büro oder auf Reisen zu verwenden.

Pro & Contra

+ kann auch als Musikplayer dienen
+ Herzfrequenzmesser eingebaut
+ Farbdisplay
+ WLAN & Bluetooth
+ 4GB interner Speicher, 3GB davon für Musik
+ umfangreiches Webportal inklusive verschiedenster Trainingspläne

– relativ groß und sperrig für eine Uhr
– hoher Preis
– GPS Empfang nicht immer zuverlässig
– Akkulaufzeit relativ gering
– keine Smartphone Companion-App zur Konfiguration oder zum Zugriff auf das Webportal

Videoreview

Fazit

Die miCoach Smartrun von adidas könnte man schon fast als eine „eierlegende Wollmilchsau“ unter den Laufuhren bezeichnen. WLAN, GPS, Bluetooth, Herzfrequenzmessung und Musikplayer sowie Touch-Farb-Display – alles mit dabei. Grundsätzlich funktioniert das alles auch recht gut, wenngleich auch leider nicht hervorragend. Die UI könnte eine Spur schneller sein (sie ist aber auch keineswegs langsam) und die Touch-Eingaben könnten noch eine Spur besser erkannt werden. Auch könnte das Display etwas bessere Lesbarkeit und Farben aufweisen und der GPS Sensor etwas zuverlässiger arbeiten. In Summe aber erfüllt die Smartrun ihren Zweck, nämlich als Laufuhr. Die Möglichkeit, zusätzlich Trainingspläne zu erstellen und über die Uhr abzurufen, ist definitiv eine nette  Zugabe.

Kann ich die Smartrun empfehlen? Gute Frage… adidas hat sehr vieles richtig gemacht. Und gerade wer nicht Unmengen an Zubehör mitschleppen oder anschaffen will, wird das Eingebaute GPS sowie WLAN und natürlich den Herzfrequenzsensor lieben. Viele kleinere Punkte die man verbessern könnte, werden zweifelsfrei künftig einfach per Softwareupdate ausgebessert werden. Persönlich würde ich aber für ein Gerät um fast 500EUR absolute Perfektion verlangen und die liefert (derzeit) die Smartrun noch nicht. Wer den Kauf in Erwägung zieht sollte also die Vor- und Nachteile (die Vorteile überwiegen) genau betrachten und seine Schlüsse ziehen. Wäre die Smartrun für sagen wir mal 299EUR erhältlich würde ich sie sofort zum Kauf empfehlen.

Technische Daten

  • 3,7cm Farbdisplay, transreflexiv, Touchscreen, 184×184 Pixel
  • Android 4.1.1 Jellybean (stark modifiziert und nicht mit Apps bestückter)
  • Lt. adidas 4-8h Akkulaufzeit bzw. 14 Tage als Zeitanzeiger (konnte im Test nicht annähernd erreicht werden)
  • Ladezeit: 3h
  • Optische Herzfrequenzmessung
  • GPS Sensor eingebaut
  • Bluetooth 4.0, WLAN, microUSB (über Adapter)
  • 80,5 g, 48,4 x 15,6 x 263,1mm