Toshiba Österreich hat mir freundlicherweise für einige Wochen einen Camcorder der Camelio Produktlinie zur Verfügung gestellt. Einziges Kriterium das ich stellte: Er sollte FullHD Aufnahmen ermöglichen. Ich habe also die eine oder andere Aufnahme mit dem Camelio gemacht und ihn auch an einem sonnigen Winternachmittag mit auf den Karlsplatz im Zentrum Wiens genommen um dort ein wenig zu filmen. Die Videos und die Beurteilung der gelieferten Bildqualität sind in der betreffenden Rubrik nachzulesen.

Design & Konstruktion

Zuallererst sollte der Preis der Geräts erwähnt werden: ca. 200€ incl. Versand müssen über die Ladentheke wandern. (>> bei Amazon.de bestellen) Diesen Preis sollte bzw. muß man bei der Beurteilung bzw. der Bewertung des Camcorders immer im Hinterkopf behalten. Robustes Magnesium oder Aluminium Gehäuse oder fortschrittliche Touchscreentechnik sucht man vergebens. Aber nicht falsch verstehen, steuern läßt sich der Kleine ganz gut und schick sieht er obendrein auch aus. Wer ihn aber außerhalb seines mitgelieferten Stoffbeutelchens oftmals einfach so in eine Tasche fallen läßt, wird vermutlich schnell viele Kratzer auf den glänzenden Kunststoffoberflächen entdecken.

Betrachten wir den Camelio mit der Linse voran, so fällt unter dem Objektiv eine kleine LED Leuchte auf. Zum Betrieb muß, mangels optischem Sucher, der Bildschirm immer ausgeklappt sein. Die LED Leuchte vermag nur den unmittelbar sich vor dem Camcorder befindlichen Bereich auszuleuchten, Zoomaufnahmen sind damit natürlich nicht möglich.

Unter dem Bildschirm befinden sich die wenigen Tasten zur Bedienung: Menü, Play, ein/aus, ein Steuerkreuz sowie die OK Taste. Auf der Oberseite des Geräts finden wir die Zoomwippe, einen Fotoknopf um schnell mal ein Foto mit bis zu 12 Megapixeln schießen zu können sowie die Mikrophonöffnung. Selbstredend ist bei dieser Platzierung leider die Tonqualität eher mau, in dieser Preisklasse gibt es auch keine Zubehörschuhe um eventuell ein externes Mikrophon einfach andocken zu können.

Auf der Rückseite des Camelio findet man den großen, mit einem Leuchtring zur Anzeige des Betriebszustandes versehenen, Aufnahmeknopf. Beim Laden leuchtet der Leuchtring orange, bei der Aufnahme blinkt er langsam orange.

Unter dem Aufnahmeknopf befindet sich eine Öse daneben der Stromanschluß für das Netzgerät. Die dem Display abgewandte und abgerundete Seite weist keine Bedienelemente auf.

Schade ist das Fehlen des bekannten Handgurtes den wir doch alle von Videokameras kennen. Zwar ist ob des geringen Gewichts von nur ca. 162g diese Trage/Haltemöglichkeit nicht „notwendig“, wer aber plant länger mit dem Gerät zu filmen, wird das Halten des Camelio eventuell etwas ermüdend finden, da die Hand in unnatürlichem Winkel gehalten werden muß.

Bedienung

Die Bedienung und das Einstellen des Toshiba Camelio SX500 birgt keine Geheimnisse und stellt niemanden auch ohne die Anleitung gelesen zu haben, vor unlösbare Probleme. Zwar bietet das Gerät, wie im folgenden Video zu erkennen ist, viele unterschiedliche Einstellmöglichkeiten, diese sind aber einfach als das was sie sind erkennbar.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=JTrV0BzQIlU

Wird die Menütaste gedrückt, so können diverse Einstellungen wie das zu- oder abschalten des Bildstabilisators für z.B Fotos oder Videos oder aber auch der gewünschte Bildmodus oder die Videoauflösung schnell einestellt werden. Da der Bildschirm ohne Touchfunktion auskommen muß, wird alles über das Steuerkreuz gesteuert; die gewünschte Einstellung wird mit „OK“ bestätigt.

Da der Bildschirm nur maximal 90° ausgeklappt werden kann, sieht man beim Blättern durch die Menüpunkte unweigerlich in schrägem Winkel auf den Bildschirm, was die Sache etwas erschwert aber kein Problem darstellt.

Die Start/Stop-Taste reagiert schnell und bedarf keines ungewöhnlich hohen Tastendrucks. Nicht so die Zoom-Wippe. Leider ist diese so steif, daß eine Feinjustage kaum möglich ist. Ob dies nur bei meinem Testgerät so war oder generell so ist, vermag ich nicht zu sagen. Beim Zoom gilt daher eher „gaunz oda goa ned“ als „weniger ist mehr“ 😉

Um das Gerät über HDMI an einen Fernseher anschließen zu können oder auch um über USB den Camcorder mit einem Mac oder PC zu verbinden, muß eine Klappe an der Unterseite geöffnet werden. Dies gestaltet sich bei zugeklapptem Display aber schwierig und ist wohl auch nicht erwünscht, da im Normalfall das Display als Ein/Ausschaltung zusätzlich zur dezidierten Taste, fungiert. Ich persönlich emfand es als etwas störend, daß die Klappe an der Unterseite des Camcorders ist, er konnte so nie stabil am Tisch liegen, während Daten von der SDXC-Karte geladen wurden.

Alles in allem ist die Bedienung, mit Ausnahme der Zoom-Wippe, ganz gut gelöst und gibt Videoanfängern keine Rätsel auf.

Videoqualität

Nun, dies ist wohl der wichtigste Punkt bei einer Kamera bzw. einem Camcorder. Zunächst muß ich hier klarstelle, daß ich keine wissenschaftlichen Methoden zur Eruierung der Aufnahmequalität herangezogen habe, und die folgenden Videos so entstanden sind, wie Millionen von anderen Macusern ihre Videos bearbeiten. Sie wurden von der Speicherkarte direkt in iMovie importiert und später als Videoprojekt exportiert. Es wurden keinerlei verbessernden Filter verwendet, das Bildmaterial wurde wirklich nur von iMovie importiert, gerendert und exportiert. Da ich diesen Prozess hundertfach für die Videos meiner 7D bereis verwendet habe, denke ich, daß dies keine Fehlerquelle darstellt.

Das folgende Video entstand, wie eingangs erwähnt, auf Wiens Karlsplatz unweit der Kalrskirche. Ich habe eine Passage gleichzeitig mit dem iPhone 4 sowie dem Camelio aufgezeichnet. Deutlich erkennbar sind die extreme Warm-Färbung des iPhones und die viel natürlicheren Farben des Camelio. Dieser wiederum überschärft leider die Bilder. Was allerdings sich als extremst unschön und störend entpuppte war ein „Verzerrungseffekt“ der erst nach dem finalen Rendering und der Darstellung über den ganzen Bildschirm so richtig zu Tage trat. Ich kann leider nicht sagen, ob es an der Verrechnung von der iPhone Auflösung (1280×720) bei 30fps mit der Camelio Auflösung (1920×1080) bei 60fps lag, oder der Camelio tatsächlich solche Videos produziert.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=rV3BWwRYgLM

Eben weil dieses Video – von Farbvergleich und Überschärfung abgesehen keinen guten Vergleich bietet, finden sich untenstehend mehrere Testvideos in allen Auflösungsmodi des Camelio, zusätzlich ein Vergleich  zwischen FullHD mit und ohne Bildstablisator. Die Videos sind unbearbeitet und in voller Auflösung auf YouTube hochgeladen worden und sollten die Qualität der Camelio Videos gut wiedergeben.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=MisWHlZjuJc
httpvh://www.youtube.com/watch?v=lKJTixumTt4
httpvh://www.youtube.com/watch?v=NLjJAwyMPnE
httpvh://www.youtube.com/watch?v=iKTeKVTT5WU
httpvh://www.youtube.com/watch?v=ZJbizeMnYMU
httpvh://www.youtube.com/watch?v=pT3WnwQqhOg
httpvh://www.youtube.com/watch?v=P0bKOALAXk8

Alles in allem bin ich mit der gelieferten Qualität der Videos nicht ganz zufrieden. Der elektronische Bildstabilisator scheint nicht gänzlich fehlerfrei zu arbeiten und meist ist das Ergebnis der iMovie internen „Entwackelung“ zufriedenstellender als das des Camelio. Trotzdem das Gerät mit 200€ sehr günstig ist, hätte ich mir, wenn schon FullHD gewisse Mängel vielleicht aufweist, zumindest eine 720p Einstellung gewünscht, die mit einem Smartphone wie dem iPhone 4 mitalten kann. Obwohl das iPhone einen stärkeren Farbstich aufweist, lieferte es doch ein angenehmeres und ausgeglicheneres Video. Insofern muß ich meine im ersten Video getätigte Aussage, es bestünde eine „Pat-Situation“ mit dem iPhone 4 leider revidieren.

Natürlich muß auch gesagt werden, daß der Camelio wie 99% seiner Brüder und Schwestern leider bei schlechten Lichtverhältnissen sehr verrauschte, teils unscharfe und farblich schlechte Videos produziert. Dies aber nur der Vollständigkeit halber. Hier wird fast jedes Modell dieser Preisklasse von jedem anderen Hersteller ähnlich abschneiden.

Fotoqualität

Hier hat der Kleine mich sehr überrascht. Fotos waren von schöner Schärfe, und mit natürlichen fröhlichen Farben dargestellt! Hier schnitt der Camelio teilweise durch die bessere Farbtreue sogar besser als das iPhone 4 ab!



Fazit

Anfänger werden durchaus Freude an dem kleinen Camcorder haben. Die Videoqualität ist alles andere als überragend, andererseits auch dem Preis entsprechend und für kurze Videos zwischendurch ausreichend. Ich empfehle jedem, der mit dem Kauf dieses Gerätes liebäugelt, sich genau zu überlegen, welche Art von Videos er machen will. Wer Videos in dunkler Umgebung machen will, muß wesentlich tiefer in die Tasche greifen – unabhängig vom Hersteller. Und wer Sportaufnahmen realisieren möchte, ebenfalls. Wer aber vorwiegend bei recht guter Ausleuchtung ein paar kleinere Home-Movies drehen will und in die Welt des Videoschnitts einsteigen möchte, der kann den Camelio durchaus ins Auge fassen.

Pro & Contra

+ Kompakt

+ Leicht

+ SDXC Card kompatibel

+ Mac kompatibel

+ gute Qualität bei Fotos

+ gute Farbwiedergabe bei Videos

– schlechter elektronischer Bildstabilisator

– mässige Videoqualität

– Videos wirken überschärft

Mehr Infos zum Camelio SX500 gibt’s auf Toshibas Homepage