Sinnvoll oder nutzlos? Philips Airfyer Turbostar HD9641 im Test

Bereits vier Jahre ist mein letzter Test eines Philips Airfryers bereits her. Grund genug, das Thema erneut aufzurollen. Nach wie vor sind bei mir Backofen und Dampfgarer im regelmäßigen Einsatz, die Frage ist nur, stellt der Airfryer eine sinnvolle (und auch gesunde) Alternative zur klassischen Fritteuse oder zum Backofen dar, und ist das Philips gerät sein Geld wert?

Philips Airfryer

Was ist ein Airfryer?

Gut, gehen wir mal die Basics an. Was ist nun ein Airfryer? Im Grunde ein mini Heißluft Backofen. Durch die geringe Größe allerdings entfällt die Aufheizzeit und durch die Konstruktion wird das Gargut natürlich konstant mit sehr heißer Luft umspült während beim klassischen Backofen sich das Gebläse meist im hinteren Bereich befindet und entsprechend (je nach Konstruktion) es manchmal auch zu ungleichmäßiger Bräunung kommen kann. Nun werden Airfryer ja auch als Ersatz zu herkömmlichen Fritteusen bezeichnet und vor allem mit der Möglichkeit des fettarmen frittierens beworben. Aber, funktioniert das?

Lieferumfang

Der ist im Vergleich zu vor vier Jahren geschrumpft. Das genannte Modell kommt mit seinem Korb, dem dort einzulegenden Gitter sowie Haltegriff und Bedienungsanleitungen. Das war’s. Es lohnt sich aber immer mal nach speziellen Paketen Ausschau zu halten, die dann ggf. die Backform oder Grillpfanne auch noch beinhalten.

Inbetriebnahme

Hierzu gibt es auch nicht viel zu sagen, den Korb kurz abzuspülen reicht. Stecker einstecken und loslegen. Easy.

Design

Unser Airfryer ist das schwarze Modell, er ist aber auch in weiß erhältlich. Ich persönlich finde, dass in unserer weißen Küche das schwarze Modell weniger ins Auge sticht und optisch der Fußabdruck verringert wird. Im Vergleich zum vor vier Jahren getesteten Airfyer ist dieses Modell (meiner Meinung nach) deutlich hübscher geworden – subjektiv ist das natürlich nach wie vor – macht euch am besten selbst ein Bild 🙂

Bedienung

Hier ist das Gerät im Vergleich zu den Airfyer-Anfängen deutlich praktischer geworden. Wir finden diverse Tasten sowie einen gut erreichbaren Drehknopf. Die Tasten selbst sind „Folientasten“ mit gutem Druckpunkt, ich hoffe nur, die Folie ist haltbar und bricht nicht irgendwann um dann unschön auszusehen.

Der obere Bereich der Front beherbergt mittig das Display welches die eingestellte Temperatur sowie die Restlaufzeit anzeigt. Links des Displays finden wir eine Taste um zum Einstellen der Temperatur zu gelangen, darunter die Taste für die vier Voreinstellungen. Rechts des Displays befindet sich die Taste um zur Einstellung der Gardauer zu gelangen sowie darunter eine Taste zum Aufwärmen von Gerichten. Ganz rechts schließlich der Ein/Ausschalter. Mittig unterm Display finden wir den Dreh/Drückknopf.

Philips hat die Hausaufgaben gemacht. Schaltet man das Gerät ein, so steht es zunächst auf der zuvor verwendeten Temperatur und Gardauer. Wer also immer nur Pommes macht ist schon mal versorgt 😉 Drückt man den Drehknopf so blinkt  zunächst die Temperatur, man stellt diese ein, drückt erneut und stellt die Zeit ein, drückt nochmals und das Gerät startet. Einfacher geht’s nicht… OK, mit Alexa ginge das aber das kann noch kein Airfryer 😉 Über die zuvor genannten Tasten kann man auf Wunsch direkt in die Temperatur oder Zeiteinstellung springen – nützlich wenn der Bräunungsgrad doch nicht mit der Restlaufzeit vereinbar ist.

Der Hersteller empfiehlt übrigens maximal 800g Gargut zuzubereiten (was man in der Praxis außer beim Brotbacken kaum schaffen dürfte). Dabei kann man Temperaturen zwischen 40 und 200°C einstellen.

Was klappt und was klappt nicht?

Man muss sich immer beim Kochen im Airfryer vor Augen halten: Es ist ein Heißluftbackofen. Entsprechend werden Lebensmittel im Garkorb tendenziell ausgetrocknet und eher knusprig. Außerdem garen die Lebensmittel von außen nach innen. Ein fluffiges (aber empfindliches) Soufflé ist ebensowenig für den Airfryer geeignet wie Dinge, die einfach nicht austrocknen dürfen. Auch Gerichte die sehr viel Öl zum Garen benötigen funktionieren nicht zwingend im Airfryer. Während man geniale Pommes oder Kartoffelwürfel zaubern kann, so arten wiener Schnitzel oder Cordon Bleu zur Arbeit aus da man diese mühsam mit Öl betupfen muss um gerade noch „akzeptable“ Ergebnisse zu erzielen. Ein Steak mit z.B. einer Kräuterkruste klappt wiederum toll, da es große Hitze von oben bekommt (nur bitte maximal englisch vorgaren – z.B. mit Sousvide). Mit eigener Backform gelingen auch (bedingt) Kuchen, nämlich dann, wenn man sich die Mühe macht, die Backform gründlich mit Backpapier auszukleiden. Dann ist sogar eine Baiser-Haube perfekt hinzubekommen.  Fazit hierzu? Man muss sich mit dem Airfryer befassen  und ernsthaft Gerichte suchen oder vorhandene Gerichte optimieren; dann erzielt man nahezu fettfreie und sehr gute Ergebnisse!

Geräusch im Betrieb

Natürlich macht ein Heißluftbackofen Geräusche. Bei unserem Backofen von Siemens hört man zwar das eigentliche Heißluftgebläse nicht, dafür ist die Umluftkühlung laut und auch dieser Airfryer ist im Betrieb deutlich wahrnehmbar. In der Wohnküche kann man sich aber auch bei laufendem Airfryer bequem und ungestört unterhalten oder fernsehen.

Anwendungsbeispiel 1: Lachsfilet

Man nehme ein so ca. 300g schweres Lachsfilet vom Fischhändler des Vertrauens und würze es nach eigenem Geschmack. Ich z.B. presse gerne eine Zitrone aus, reibe die Zitronenzesten ab und gebe beides in ca. 10g geschmolzene Butter. Wird diese Mischung dann mit dem Pinsel am kalten Fisch verteilt so stockt die Butter und haftet am Fisch. Das 300g Filet halbiere ich in zwei gleich große Teile, platziere sie im Airfryer Korb und streue zuvor noch Zitronenpfeffer darüber. Wer die (unglaublich überteuerte) Grillpfanne hat, erleichtert sich das Leben ungemein, da der fertige Fisch hier nicht mühsam aus dem Korb gefriemelt werden muss. Fisch also in den kalten Korb, Hautseite nach unten, 190°C 8 Minuten. Perfekt. Knusprige Haut, perfekt gegarter Fisch.

Anwendungsbeispiel 2: Kartoffelwürfel

Während ich von klassischen Pommes oder Wedges irgendwie nie so 100%ig überzeugt war aus dem Airfryer, werden meine Kartoffelwürfel einfach immer perfekt. Extrem knusprig aber nicht zu dunkel und einfach ultra lecker. Einfach bis zu 500g möglichst große und heurige Kartoffeln schälen und in ca. 1,5cm große Würfel oder Stücke schneiden und für 30min in kaltes Wasser legen.  Danach gut trocknen und mit 1EL Rapsöl in einer Schüssel gründlich benetzen. Ich mische dann noch etwas Salz und Paprikapulver sowie Kümmelpulver bei, natürlich geht auch Curry oder auch Senfpulver oder Knoblauch – ganz wie man mag. Die nun gründlich vermischen Würfel einfach in den Korb füllen und bei 190°C für 25-30min frittieren. Dabei alle 5min den Korb  kurz herausnehmen und gut schütteln (Vorsicht, beim ersten mal ist Flüssigkeit im unten in der Pfanne ;-)).

Anwendungsbeispiel 3: Frühstücksbrötchen und Eier

Ja, Eier. Keine Zeit und Lust groß herumzumachen für’s Sonntagsfrühstück? Zwei tiefgefrorene Brötchen kurz unter kaltes Wasser halten, rein in den Korb und zwei Kühlschrank kalte mittelgroße Eier (ohne diese anzustechen) dazupacken wo noch Platz ist. 175°C bei 8 Minuten, fertig. Die Brötchen sind dann knusprig und die Eier weich „gekocht“. Lediglich innen in der Schale der Eier kann es an ihrer Unterseite zur „Bräunung“ kommen – macht aber nix.

Weitere Anwendungsbeispiele

Auch Rührkuchen kann man in gewissem Rahmen und mit der Philips Backform herstellen. Entweder die Form mit Backpapier auskleiden oder gut gefettet und bemehlt sollte sich der (dann viereckige) Kuchen auch ganz gut wieder herauslösen lassen. Wichtig ist hier nur, dass der Kuchen beim Backen nicht höher werden darf als die Backform, sonst ist er zu nah an der Heizspirale (im Bild unten mußte ich die Baiserhaube im Backofen fertigstellen).

Auch Fleischbällchen aus Schweden können wunderbar im Airfryer zubereitet werden oder auch gratinierte Zucchini. Oder auch, mit vorher erwähnter Backform, Kartoffelgratin oder Kraut-Kartoffel Laibchen.

Dieses Modell bietet zum Garen übrigens auch „Voreinstellungen“ an. Im Grunde nichts anderes als vorgewählte Temperaturen und Garzeiten die (meiner Meinung nach) auch kaum aus dem Leben gegriffen sind.

Tiefkühl Pommes (180°C 18min), Hühnerschenkel (180°C 20min), Fisch (200°C 16min) sowie Fleisch (200°C 14min) stehen zur Auswahl. Da das Gerät aber nicht auf das Gewicht eingeht, ist es ein Glücksspiel, sich auf diese Einstellungen zu verlassen. Gare ich das zuvor genannte Lachsfilet mit 300g ganze 16min bei 200°C ist es ein trockener Brocken. Und die Menge an Pommes die in 18 Minuten gar werden, ist homöopathisch. Besser im Internet nachgucken oder selbst herausfinden, wie die idealen Garzeiten sind.

Reinigung

Ich hasse es, Geschirr zu spülen. Als unlängst der Geschirrspüler streikte, kam schnell Panik bei mir auf. Deshalb ist es für mich extrem wichtig, dass jegliches Küchengerät grundsätzlich in die Spülmaschine kann und dann auch praktikabel reinigbar ist. Philips hat auch hier alles richtig gemacht. Der Korbboden ist anti-haft-beschichtet und kann entnommen werden, Korb, Griff und Unterteil können getrennt eingeräumt werden und sind allsamt für die Spülmaschine gedacht. Perfekt. Durch die Beschichtung wird’s aber auch von Hand recht flott sauber – im Notfall.

Für wen ist nun dieser Airfryer geeignet?

Er ist nicht für Personen geeignet die sich hauptsächlich von Salat oder gedämpftem Gemüse und schonend gegartem (Fleisch) ernähren.

Wer mehr als zwei Personen versorgen will oder muß, sollte auch zur größeren XXL Variante greifen.

Wer aber öfter mal Brötchen für einen oder zwei aufbäckt, Gratins und sonstige Kartoffelprodukte mag, keinen Bock auf aufwändige Reinigung oder langwieriges Aufheizen von z.B. einem großen Backofen hat, zuschlagen. Lässt man sich ein bisschen auf den Airfryer ein und sammelt gute Rezepte so ist er ein kaum mehr wegzudenkender Küchenhelfer.

Während ich den Airfryer von meiner 2014er Review nach dem Test an Philips retournieren mußte und er mir NICHT fehlte, würde ich dieses Gerät nun mittlerweile niemals mehr hergeben wollen.

Guckt euch am besten den Airfryer mal bei Amazon an. Ich empfehle euch das getestete Modell, weil das Bedienkonzept mir deutlich besser erscheint als bei den günstigeren Modellen von Philips. Außerdem ist hier durch die Rapid-Air-Technik der Turbostar-Modelle der Wegfall der Aufheizzeit einfach praktisch.

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