Netgear Arlo & Arlo Q im Test: Kabellos, gut und (etwas) smart

header-vms3130-system4-photo-large-cesSicherheits- und Überwachungslösungen für den Hausgebrauch werden immer wichtiger. Wer z.B. eine Alarmanlage in der Wohnung oder im Haus sein Eigen nennt, der setzt gerne auch auf die eine oder andere Erweiterung, um neben dem eigentlichen Alarm auch gleich ein Video übermittelt zu bekommen. Herkömmliche Funksysteme sind aber leider teuer, verkabelte Systeme umständlich und nach der Ersterrichtung kaum kosteneffizient installierbar.

Netgear bietet mit dem Arlo System eine batteriebetriebene Variante die zudem vollkommen auf Funk setzt. Vier CR123 Lithium Batterien je Kamera reichen für mehrmonatigen Betrieb und bis zu fünf Kameras können sogar mit dem kleinsten Paket von überall aus abgerufen werden.

Ob das System den Anschaffungspreis aber wert ist, man zuschlagen sollte oder man ggf. noch auf das eine oder andere Feature warten sollte, erfahrt ihr im folgenden Testbericht.

Verpackung & Lieferumfang

Schick ist sie ja, die Verpackung. Leider aber ist die Verpackung des Arlo Systems eine der (sorry Netgear) dümmsten die ich seit langer Zeit gesehen habe. Wer hier nicht unglaublich geduldig ist zerstört die Verpackung beim Öffnen, denn man muss sich ansehen wo die Kunststoffhaube eingehakt ist und begreifen, dass man Laschen umknicken muss, um sie abzuheben, zu guter letzt muss dann auch noch ein Kunststoffrad gedreht werden um die Kamera(s) abzuschrauben. Löblich ist, dass alle benötigten Batterien mitgeliefert werden und dass sich zudem mehr als genug Montagematerial in der Verpackung befindet. Bis auf die Kunststoffhaube wird zudem sehr viel Karton eingesetzt, das ist auch erfreulich.

Neben Batterien und Montagematerial finden wir natürlich die Basisstation, die Kamera(s) (je nach geordertem Package), und kleine „Halbkugeln“ die sich bei genauerer Betrachtung als starke Magnete entpuppen (zu sehen oben im Übersichtsbild) und mittels derer die Arlo Kameras (nicht die Q) bequem in fast jedem Winkel an diesen Halbkugeln angebracht werden. die Halbkugeln wiederum können z.B. an einer Schraube oder einem Nagel in der Wand befestigt werden. Je nach Untergrund kann man natürlich auch starkes doppelseitiges Klebeband verwenden, sofern der Untergrund gut gesäubert wurde.

Installation

Die größte Hürde beim Arlo System ist tatsächlich die Verpackung 😉 Hat man die mal auf bekommen ist die Installation ein Kinderspiel. Die Arlo App leitet einfach und verständlich durch den Einrichteprozess bei dem auch gleich ein Onlinekonto erstellt werden muss.

Die von Arlo aufgezeichenten Videos landen nämlich automatisch in der Cloud und nicht am Heimserver, das läßt sich derzeit auch nicht ändern. Auch eine Speicherung auf Micro SD Karte ist nicht vorgesehen, weder die Kameras oder die Basisstation haben hier einen entsprechenden Slot. Schade irgendwie, wenngleich die Speicherung in der Arlo Cloud absolut fehlerfrei und zuverlässig funktioniert und definitiv die Alltagstauglichkeit stark erhöht.

Netgear bietet hier gratis mit dem Kauf des „Starterpakets“, welches es übrigens mit einer,  zwei oder drei Kameras zu kaufen gibt (siehe Amazon Links ganz unten), 1GB Cloudspeicher kostenlos an. Das sollte für den Privatanwender ausreichen. Auf Wunsch kann natürlich auch ein größeres Paket gebucht werden. Für 8,99€/Monat erhält man anstatt des 1GB Speichers gleich 10GB und kann anstatt 5 bis zu 10 Kameras ins System einbinden. Wer sich für das größte „Elite“ Paket entscheidet erhält für 13,99€/Monat 100GB Cloudspeicher und die Möglichkeit bis zu 15 Kameras zu verwenden. Durchaus fair.

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Alles in allem ist die Installation vorbildlich. Das gilt auch für die Installation der Arlo Q, allerdings fällt diese Kamera irgendwie aus dem Rahmen. Sie kann nämlich auch ohne die bei den „normalen“ Arlos mitgelieferte Basisstation verwendet werden und verbindet sich direkt mit dem heimischen WLAN. Das ist im Grunde super aber halt auch nicht wirklich stringent. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Q einfach erkennt, wenn eine Arlo Base vorhanden ist und sich so ganz einfach mit dem „normalen“ Sync-Prozess einbinden läßt. Wer direkt mit der Q startet, könnte für diese dann auch ohne Base ganz einfach einen etwas anderen Installationsvorgang auswählen.

Installation Arlo System

Die Base mit Strom und einem Netzwerkkabel verbinden, die App herunterladen und dann die Installation starten. Im Prinzip werden einfach 4 CR123 Batterien je Kamera eingesetzt, auf Kamera und Basisstation der „Sync“ Knopf gedrückt und schon verbindet sich das System mit der Kamera und selbige kann sofort verwendet werden.

Installation Arlo Q

Hier wird die Basisstation nicht benötigt; stattdessen wird direkt auf der Kamera der Sync-Knopf betätigt, wenn die Arlo App dies verlangt. Danach wird der Kamera ein von der App generierter QR-Code vor die Nase gehalten und nach einem Piepton ist auch die Q mit dem Arlo Account verbunden. Wie gesagt, grundsätzlich sehr einfach, aber nicht durchgängig. Da könnte man noch ein klein wenig nachbessern.

Design

Das gesamte System ist hübsch designt. Sowohl die ultra kompakten kleinen Kameras die sogar eine Infrarot-LED für den Nachtsichtbetrieb eingebaut haben, als auch die Basisstation. Selbige ist aber relativ groß geraten und bedarf natürlich eines guten Aufstellortes, damit auch alle Kameras eine zuverlässige Funkverbindung aufbauen können.

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Bildqualität & Features

Arlo System Kameras

Nun, bei der Bildqualität muss man unweigerlich Vergleiche ziehen. Wir haben uns hier ja schon einige Systeme angesehen und die normalen Arlos liegen im guten Mittelfeld. Die Auflösung von 720p reicht im Alltag aus und dank Nachtsichtmodus ist selbst bei schlechten Lichtverhältnissen stets etwas zu erkennen.

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Die Arlo App bietet zwar die Möglichkeit mit bekannter Zweifingergeste  zu zoomen, dies resultiert allerdings eher in Pixelhaufen denn in brauchbarem Bildmaterial.

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Arlo Q

Wer das „Plus“ an Bildqualität möchte, der muss zur Arlo Q greifen. Anders als die wetterfesten kleinen batteriebetriebenen Arlo Kameras wird die Q über USB mit Strom versorgt und bietet Videoaufnahmen mit einer Auflösung von bis zu 1080p. Der Unterschied ist sofort erkennbar, alle Bilder und Videos wirken schärfer, klarer und mit natürlicheren Farben. Dafür ist die Q weder wetterfest noch batteriebetrieben. Zoomen ist auch bei der Q möglich, die Resultate sind aber auch hier erstaunlich pixelig. Ich vermute da eher ein Softwareproblem.

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Ein weiterer Pluspunkt für die Q sind aber auch sowohl das eingebaute Mikrofon, durch das die Kamera (auf Wunsch) auch auslöst, wenn Geräusche erkannt werden als auch ein eingebauter Lautsprecher über den beim Betätigen einer Taste in der App sogar Sprachbotschaften direkt und mit sehr geringer Verzögerung an die Q übermittelt und wiedergegeben werden können. Die Lautstärke und Tonqualität ist dabei OK, HiFi Sound sollte man aber freilich nicht erwarten 😉

Als alleinige Lösung wird die Q wohl eher nicht in den meisten Arlo Systemen zu finden sein, ergänzend ist die Q aber eine großartige Kamera, sofern sich ein Plätzchen mit Steckdose findet. Ebenfalls erwähnenswert ist übrigens das sehr lange (mitgelieferte) USB Kabel.

Für die Arlo Q ist zudem ein weiterer Speicherplan verfügbar. Auf Wunsch kann die Q nämlich 24h rund um die Uhr Videos aufzeichnen und in der Cloud Speichern. Das schlägt dann mit 8,99€ mit Speicherplatz für 14 Tage Video zu Buche. Gute Idee! Dieses Feature bietet nur die Q.

Final zeichnet sich die Q auch durch eine gute Lichtempfindlichkeit aus – wo die kleinen Arlos schon längst im Nachtsichtbetrieb sind funkt die Q noch immer vollfarbige Bilder in die Cloud. Toll!

Vergleich mit Netatmo Welcome & Withings Home

Sowohl die kleinen Arlos als auch natürlich die Q sind der Netatmo Welcome haushoch überlegen, was die Bildqualität angeht. Das Arlo System bietet dafür keine Gesichtserkennung. Auch dass die Arlos kabellos und wetterfest sind, ist ein immenser Vorteil den anderen Systemen gegenüber.

Vergleichen wir die Arlo Kameras mit der Withings Home so reiht sich die Home hinsichtlich er Bildqualität wohl zwischen Q und Arlo Kameras ein. Unverständlich, weshalb Netgear nicht mal bei der Q die Möglichkeit bietet, das Kamerabild zu entzerren um so den unschönen „Fischaugen“ Effekt der Bilder zu vermeiden – Withings löst das perfekt, siehe unten:

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Bild der Withings Home

Arlo App & Web

Wie ihr schon bei der Installation gesehen habt, habe ich selbige über die zugehörige iOS App durchgeführt. Wer mag, kann dies aber auch natürlich am iPad erledigen – die App ist universal und kostenlos.

Arlo
Arlo
Entwickler: NETGEAR
Preis: Kostenlos
Arlo
Arlo
Entwickler: NETGEAR, Inc
Preis: Kostenlos

Die App funktioniert im Betrieb zuverlässig und gibt kaum Rätsel auf. Im Test konnte ich keinerlei Abstürze oder sonstige Mängel entdecken, alle Benachrichtigungen kamen sofort und zuverlässig am iPhone bzw. der Apple Watch an. Sehr gut!

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Wo es unweigerlich zu Verwirrungen kommt und mancher neue Nutzer ungläubig herumsuchen wird, das sind die Zeitpläne bzw. die eben nicht vorhandene Anwesenheitserkennung.

Man kann z.B. die Kameras „Nach Zeitplan“ auslösen lassen. Dieser „Modus“ ist ein vordefinierter und nicht veränderbarer Modus. Ist er aktiviert erhält man unweigerlich eine Push-Benachrichtigung sowie eine Email (die man nicht abstellen kann.

Theoretisch kann man auch selbst einen neuen Modus anlegen und definieren, dass eine oder mehrere Arlos bei Bewegung auslösen, ein Video gewünschter Länge (bis zu 2 Minuten) aufzeichnen und einen dann via Push und/oder (!) Email benachrichtigen. Super, nur das funktioniert wiederum nur OHNE Zeitplan. Sprich, man müsste den Modus laufend ändern – beim Verlassen des Hauses scharf schalten und beim Heimkommen (eher davor) abschalten. Unglaublich mühsam und so unglaublich VERMEIDBAR.

Netgear arbeitet (auf Rückfrage) bereits an einer Anwesenheitserkennung die eben genau diese Problematik im Keim erstickt. Ist einer der Bewohner zu Hause ist das System abgeschaltet (das schont zudem die Batterien), sind keine Bewohner im Haus, ist das System aktiv und reagiert auf jede Bewegung bzw. jedes Geräusch. Genau so würde ich mir das vorstellen. Und ich hoffe, Netgear liefert das schnell nach. Das ist nämlich mein einziger richtig großer Wermutstropfen.

Das Webinterface bietet im Grunde die gleichen Funktionen wie die App. Kein „Must have“ aber im Alltag einfach praktisch um auch ohne Smartphone oder Tablet immer alles im Blick haben zu können.

Performance & Batterielaufzeit

Sowohl bei Arlo Q und den kleinen Arlo Cams ist mit ca. 3-4 Sekunden Latenz zu rechnen bis das live-Bild am Smartphone landet. Das ist aber natürlich sehr OK für ein Funksystem. Schließlich muss sich die Basis erst mal mit den Kameras verbinden. Ansonsten sind App und das gesamte System flott und funktionieren ausgesprochen gut.

Hinsichtlich der Batterielaufzeit kann ich persönlich nur berichten, dass nach einem Monat im regulären Betrieb die Batterien nach wie vor als voll angezeigt werden. Natürlich aber hängt die Batterielaufzeit extrem stark vom eigenen Nutzungsverhalten ab. Wer z.B. dauerhaft die Bewegungserkennung aktiviert lässt ohne sich benachrichtigen zu lassen, entsprechend die Kamera also bei jeder Bewegung ein Video aufzeichnet, wird die Batterien viel schneller leeren, als jemand der die Kameras nur nach striktem Zeitplan, wenn er nicht zu Hause ist, agieren lässt.

Netgear gibt eine Reichweite von bis zu 6 Monaten an, im Internet finden sich berichte die von einer praxisnahen Laufzeit von etwa 3-4 Monaten berichten – immer noch OK!

Die verwendeten CR123 Lithium Batterien sind preislich zwar absolut im Rahmen allerdings hätte ich hier eine Lösung mit klassischen AA oder AAA Akkus (Stichwort Sanyo Eneloop) alleine schon wegen der Umwelt besser gefunden – das würde zudem die Folgekosten des Systems gegen null tendieren lassen. Natürlich aber sind moderne Lithium Batterien besser in der Lage die Kameras konstant mit Strom  zu versorgen, als es Akkus wären.

Reichweite des Systems

Hinsichtlich der Reichweite gelten leider die selben Kriterien wie für’s heimische WLAN. Wenn beschichtete Fenster, Stahlbeton oder beides den Funk der Kameras abschirmen, so ist es schnell vorbei mit der Verbindung der kleinen Arlo Cams. Für eine normale Wohnung stellt dies aber freilich kein Problem dar und man muss zudem bedenken, dass die Kameras dank Funk extrem flexibel positioniert werden können.

Die Arlo Q hat hier weniger Probleme da sie sich direkt mit dem heimischen WLAN verbindet. Eine starke Basisstation bzw. genügend WLAN Repeater vorausgesetzt sollte die Q auch bei größeren Anwesen immer eine Verbindung zum Netz finden.

Schön wäre, wenn Netgear für das eigentliche Arlo System (jenes mit der Basisstation) auf Wunsch einen kleinen und kostengünstigen Repeater anböte. Außerdem wäre es schön, wenn es (optional) eine Basisstation gäbe, die nicht mit einem Ethernetkabel mit dem heimischen Netzwerk verbunden werden muss sondern stattdessen sich direkt ins WLAN klinkt. Hier wäre die Aufstellmöglichkeit der Basisstation dann nämlich nicht mehr an den Router gebunden und damit zeitgleich auch die Reichweite besser steuerbar.

In Summe empfand ich aber die Reichweite des Systems als absolut ausreichend und selbst als die kleine Arlo Kamera schon fast keine Verbindung mehr herstellen konnte, funkte sie brav Video und Bilder an die Basisstation, beim Video aber mit Qualitätseinbußen.

Pro & Contra

+ Einfache Installation
+ ordentliche Laufzeit mit Batterien
+ schickes, dezentes Design
+ wasserdicht (nicht Arlo Q)
+ gute Videoqualität (Arlo)
+ ausgesprochen gute Videoqualität (1080p) bei Arlo Q
+ sehr vielseitige Montagemöglichkeiten
+ leistbares und gut durchdachtes Zubehörprogramm
+ zuverlässige Benachrichtigungen bei erkannten Bewegungen

– Kameras zur Erweiterung recht teuer
– derzeit noch KEIN Geofencing möglich
– keine Anwesenheitserkennung
– unflexibel mit Zeitsteuerung
– leider Betrieb nur mit CR123 Lithium Batterien möglich, AAA Akkus wären hier praktischer
– derzeit reine Cloudlösung, eine Speicherung auf z.B. Micro SD oder dem Heimserver ist nicht möglich

Fazit

Netgear hat mit dem Arlo System ein wunderbar einfach zu installierendes und in meinem Test ausgesprochen zuverlässiges Überwachungsystem am Start. Die kompakten hübschen und vor allem wetterfesten Kameras machen das System zudem unheimlich vielseitig und flexibel. Dank kabellosem Betrieb sowie der Magnethalterungen gibt es fast keinen Ort, an dem eine Arlo Kamera nicht installiert werden könnte.

Ausgesprochen schade fand ich, dass Netgear auf eine Anwesenheitserkennung und richtigen Multi-User Betrieb (wie ihn z.B. Tado seit Jahren unterstützt) anscheinend vergessen hat. Nach Rückfrage bei Netgear soll das aber definitiv nachgereicht werden. Wer einen sehr regelmäßigen Zeitplan der eigenen Anwesenheit im Haus hat, kann getrost sofort auf’s Arlo System setzen. Wer aber mal so, mal so zu Hause ist, wird, fürchte ich, derzeit von Fehlalarmen die man selbst ausgelöst hat, schnell entnervt sein.

Ob der guten Videoqualität, der Zuverlässigkeit, der einfachen Installation und der flexiblen und durchdachten Montage kann ich aber guten Gewissens eine Empfehlung aussprechen. Persönlich würde ich das System erst kaufen, wenn Geofencing bzw. eine zuverlässige Anwesenheitserkennung der Bewohner nachgereicht wurde.

  

Update 18.05.2016 – Geofencing

Arlo hat Wort gehalten und Geofencing implementiert! Das ist sehr erfreulich!

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Eine Antwort auf „Netgear Arlo & Arlo Q im Test: Kabellos, gut und (etwas) smart“

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