Einen Navibot haben wir ja bereits auf Herz und Nieren getestet. Nun steht hier das derzeitige Topmodell, der Navibot S R8980 zum Test. Ein schlanker und unheimlich schicker Saugroboter mit unglaublich großer Absaugstation. Richtig gelesen! Diese Station saugt nach erfolgter Reinigung der Wohnung während des Aufladens des Roboters den Schmutz aus selbigem in einen recht großzügig bemessenen Behälter.

Nun wollen wir uns ansehen, ob dieses doch recht teure Navibot Topmodell tatsächlich zur Reinigung von großen verwinkelten Wohnungen geeignet ist.

Verpackung & Lieferumfang

Hier nun zuallererst ein ordentlicher Rüffel an Samsung. Plastik und Styropor zu Hauf – das geht nicht. Dann nochmals eine Kunststoffplatte auf der der verpackte Roboter sitzt? Das könnte man alles auch mit Karton lösen. Hier wurde nicht mitgedacht.

Der Lieferumfang ist komplett, bis auf die anscheinend obligatorischen Mono-Zellen für die Virtual-Fences, also die Infrarotblockaden, von denen 2 Stück dem Roboter beigelegt sind. In der monströsen Verpackung finden wir, neben dem zierlichen Roboter dessen Akku bereits vorinstalliert ist, noch ein Reinigungswerkzeug, einen Ersatz-HEPA-Filter, die Absaugstation mit integriertem Netzteil und Filtern, eine „Rampe“ für Teppichböden sowie Anleitung, eine Fernbedienung und zugehörige Batterien.

Design der Absaugstation

Monströs. Mir ist klar, dass an solch Station gewisse Anforderungen gestellt werden. Sie muss stabil stehen, bedarf also eines gewissen Eigengewichts und sie muss einen starken Motor beinhalten, damit der Roboter auch gründlich gereinigt werden kann. Keine Frage. Außerdem muß das Gerät natürlich genügend Platz für den Schmutz aus dem Roboter bieten, um eben NICHT jeden Tag die Station entleeren zu müssen. Ob es aber nicht irgendwie möglich gewesen wäre, diese Station etwas kompakter zu bauen, wage ich zu bezweifeln.


Samsungs Lade- und Absaugstation für den Navibot braucht viel Platz. Nach oben und nach vorne. Sie ist zumindest aber kaum breiter als der Roboter selbst. Grundsätzlich muss jeder potentielle Käufer sich aber gründlich überlegen, ob er den Platz für die sehr große Ladestation opfern will. Kann man diese gut verstauen, so bietet sie einhergehend mit dem Navibot natürlich ein zusätzliches Quäntchen an Komfort.

Design des Navibots

Über Design kann man herrlich streiten. Unserer Ansicht nach ist dieser Navibot von Samsung aber eindeutig der schönste Saugroboter derzeit am Markt. Verschwunden sind aufgedonnertes schillerndes Blau oder Mausgrau. Der Roboter hat eine rundum gelungene Form in hochglänzender schwarzer Optik. An der Oberseite finden wir die altbekannte Kamera die es dem Roboter anhand der Zimmerdecke ermöglichen soll, seinen Weg durch die Wohnung zu finden. Darunter finden wir ein gelbes Display das uns Auskunft über Reinigungsmodi, programmierte Reinigungszeiten oder sonstige Betriebszustände liefert. Darunter wiederum finden sich drei Sensortasten um den Reinigungsmodus zu definieren, die Reinigung zu starten oder den Navibot zur Ladestation zurückzuschicken.
Die Front des Roboters wiederum weist eine Stoßstange mit sehr weichem Gummi auf.

Drehen wir den Roboter um, so ist zunächst zu empfehlen, ein weiches Tuch als Unterlage zu verwenden. Hoch glänzende schwarze Kunststoffflächen haben die Angewohnheit, durch bloßes ansehen zu zerkratzen. Neben den Absturzsensoren finden wir auf der Unterseite die Ladekontakte, das Typenschild und die Klappe für den Lithium Ionen Akku sowie das Bürstenmodul mit einer Bürste (Roombas haben zwei) und natürlich die Räder. Den Hauptschalter hat Samsung ebenfalls auf der Unterseite unter einer transparenten Gummikappe angebracht. Nach wie vor bringt der vorhandene Hauptschalter dem Navibot Pluspunkte ein, da ein Tiefentladen des Akkus so weitgehend verhindert wird. Ebenfalls Pluspunkte gibt’s für den LiIon Akku des Navibots. Unverständlich, weshalb hier iRobot bei ebenfalls hohen Gerätepreisen auf alte Technik wie NiMH setzt.

Die gelbe Abdeckung der Bürste lässt sich bequem, nachdem der Staubbehälter abmontiert wurde, entfernen. Die Bürste selbst scheint ausgesprochen hochwertig gelagert zu sein. Selbst bei den 700er Modellen der Roombas könnte sich iRobot hier eine Scheibe abschneiden. Ob die Variante mit nur einer Bürste im Gegensatz zu den zwei gegenläufig rotierenden Bürsten der Roombas punkten kann, wird der Test in der Praxis zeigen.

Bedienung & Inbetriebnahme

Die Bedienung des Navibots, ebenso die Inbetriebnahme, gibt kaum Rätsel auf. Der Navibot wird allerdings mit leerem Akku geliefert und muß zunächst etwa drei Stunden aufgeladen werden. Dieses Modell bietet auch die willkommene Möglichkeit tägliche Reinigungszeiten zu definieren, an denen sich der Roboter selbständig auf den Weg macht um den Schmutz zu jagen. Dabei können einzelne Wochentage unterschiedlich oder alle auf einmal programmiert werden. Die Programmierung allerdings hat über die Fernbedienung zu erfolgen. Hier empfinde ich das System der Roombas als einfacher und intuitiver, zumal der Navibot auf die Infrarot-Fernbedienung etwas verzögert reagiert. Andererseits wird solch Programmierung meist nur einmal vorgenommen.

Ist das erste Aufladen abgeschlossen (das Akkusymbol am Roboter leuchtet dann kontinuierlich) kann auch schon mit der Reinigung begonnen werden. Dazu genügt es kurz die betreffende Taste am Roboter oder der Fernbedienung zu drücken. Der Navibot fährt rückwärts von seiner Ladestation, wendet und beginnt in geraden Bahnen den Raum abzufahren. Aber Obacht – den Roboter nicht während einer Automatischen Reinigung stoppen oder hochheben – er würde den Weg zurück zur Ladestation dann nicht mehr finden.

Reinigung & Reinigungsleistung

Nun, die Reinigungsleistung eines Saugroboters, also wie gründlich der Kleine letztlich sauber macht, ist wohl der wichtigste Kaufentscheid. Andere Features wie intelligente Bewegungen oder das Vorhandensein einer Absaugstation können schwerlich einen Mangel an Gründlichkeit bei der Reinigung der Wohnung aufwiegen. Wie sieht’s nun hier mit diesem premium Roboter aus?

Ganz gut. Der Navibot reinigt relativ gründlich. Relativ, weil ihm seine „ordentliche“ Arbeitsweise teils in die Quere kommt und manchmal manche Stellen in der Wohnung für Tage eben nicht gereinigt werden da der Roboter im Großen und Ganzen immer die Gleichen Wege fährt. Er entfernt sich immer gerade von seiner Ladestation, reinigt dann unter TV-Möbel und Couchtisch, landet dann in der Küche, macht einen Abstecher in den Gang, wieder retour in die Küche. Den Bereich hinterm Sofa im Wohnzimmer allerdings vernachlässigt er manchmal und speziell dort, wo es nicht rechtwinkelig zugeht hat der Navibot so seine Probleme.

Fahren die Roboter fünfmal die Woche, so reinigt der Roomba gründlicher. Speziell bei mehreren Räumen kann es beim Navibot durchaus vorkommen, daß einer der Räume stärflich vernachlässigt wird. Bei einem einzelnen Reinigungslauf oder wenn der Roboter einfach seltener im Einsatz ist, siegt der Navibot.

Witzig auch der Fakt, dass der Navibot zwar unglaublich sanft zu Möbelstücken ist, er nähert sich langsam und berührt die meisten Möbel, nach Möglichkeit, gar nicht. Aber nur bis zu dem Zeitpunkt an dem er auf schmale Gegenstände wie Stuhlbeine gerät. Speziell von leichten Stühlen. Da kann’s nämlich schon mal vorkommen, dass die Sensoren, auch die in der Stoßstange, gar nicht auslösen und der Stuhl dann quer durch die ganze Wohnung geschoben wird. Das passierte bei der Konkurrenz von iRobot nie, obwohl der Roomba die Stuhlbeine auch erst bei Kontakt erkannte. Auch das große Stativ (allerdings ohne montierte Kamera) wurde vom Navibot quer durch den Raum geschoben.

Hier nun zu sagen, welcher Roboter vorzuziehen ist, ist unmöglich. Roomba ist generell etwas energischer, erkennt aber WENN er etwas berührt, das Hindernis schneller als der Navibot. Der Navibot hingegen umschifft größere bzw. massivere Möbelstücke gänzlich ohne Kontakt zu selbigen, was für manche Interessenten das wichtigere Kriterium sein dürfte.

httpvh://www.youtube.com/watch?v=Py_qvUSlI28

Aufgefallen ist außerdem, daß der Navibot, trotzdem er laut Werbung sich anhand einer Kamera an der Decke des Raumes orientiert, seinen Weg NICHT fortsetzen kann, sollte er während einer automatischen Reinigung gestoppt werden. Wird er dann z.B. gedreht oder versetzt verliert er die Orientierung. Das dürfte so nicht passieren, schließlich kann schnell mal irgendetwas am Boden herumliegen, an dem sich der Roboter eventuell verschluckt und von dem er dann befreit werden muss.

Fairerweise muss hier aber gesagt werden, dass auch iRobots Roombas die automatische Reinigung nicht fortsetzen können, sollte man diese unterbrechen, aus welchen Gründen auch immer.

Die Absaugstation

Sich für diesen Navibot zu entscheiden, dürfte sich für viele Käufer in der beigepackten Absaugstation begründen. Davon, die Station im Wohnzimmer aufzustellen, rate ich aber ab. Sie ist außerordentlich sperrig und für die Dauer, in der die Bürsten des Roboters gereinigt werden und die während die Absaugung läuft, auch relativ laut, im Vergleich zum Navibot selbst.

Auch ist der Aufstellort mit Bedacht zu wählen. Es sollte rundherum um die Station ausreichend Platz sein, damit der Roboter sie möglichst schnell sieht und sie zuverlässig findet, wenn er von seinen Streifzügen retour kommt. Im Test funktionierte die Rückkehr zur Basis aber auch zuverlässig obwohl selbige auf der rechten Seite direkt an einem Möbelstück stand. Kein einziges Mal hatte sich der Navibot verirrt.

Aufgebaut ist die Station ausgesprochen robust. Schalter und Anzeigen geben keine Rätsel auf. Das auseinanderbauen hingegen kann, ob der vielen Einzelteile, zunächst verwirren.

Der Roboter wird auf dem gleichen Weg abgesaugt, auf dem er auch den Schmutz aufnimmt, über die Bürsten. Ein „Kanal“ führt in der Absaugstation nach hinten. Den größten Teil nimmt die Motoreinheit ein, rechts hinten befindet sich der Schmutzbehälter. Löblich sind hier die verbauten HEPA Filter, so gelangt kein Staub in die Luft bei der Absaugung.

Ebenso wie der Roboter selbst funktionierte im Test die Absaugung absolut zuverlässig. Sofort nachdem der Roboter wieder auf der Ladestation steht, startet die Absaugung und Bürstenreinigung. Der gesamte Absaugvorgang dauert in etwa eine Minute, dabei ist die Station auch ungefähr so laut wie ein normaler Bodenstaubsauger.

Ein Eigenartiges Detail am Rande: Samsung erwähnt in der Anleitung, man solle die Station parallel zu etwaigen Fugen im Boden aufstellen. Zunächst versteht man kaum, wozu das gut sein soll. Ist der Roboter dann aber im Einsatz, erklärt es sich: Der Navibot hat Gumminoppen links und rechts zwischen seinen Hauptantriebsrädern auf denen der Roboter auch aufliegt. Diese Gumminoppen schleifen also über den Boden, im Betrieb. Ja, klingt komisch, ist aber so. Der Roboter fährt auch immer von der Ladestation gerade weg und behält diesen Weg bei, bei seiner Fahrt. Das resultiert aber dann darin, dass, wenn die Station im 90 Grad Winkel zu den Bodenfugen steht, dass der Roboter hier Geräusche macht, jedes Mal, wenn die Gumminoppen eine Querfuge passieren.

Wartung

Durch die Absaugstation wird erfreulicherweise der Wartungsaufwand erheblich minimiert. Sobald der Roboter nach oder zur zwischenzeitlichen Aufladung die Ladestation aufsucht, werden die Bürsten gereinigt und die Absaugung automatisch gestartet. Der Behälter der Absaugstation ist angenehm groß dimensioniert, sie muß nicht öfter als einmal wöchentlich entleert werden. Die Station selbst kann zudem weitgehend zerlegt werden, sollten sich mal Teile festsetzen.

Pro & Contra

+ extrem leise
+ wunderschönes Design
+ kompakte, flache Bauform des Roboters
+ gute Filter in Roboter und Absaugstation
+ langlebiger LiIon Akku
+ geringer Wartungsaufwand durch Absaugstation
+ zwei Seitenbürsten

– Navigation des Roboters funktioniert nur bei Tageslicht zuverlässig
– Gerade zwischen Tischbeinen funktioniert die „Logik“ des Navibots nur bedingt
– Absaugstation sehr groß und laut
– die Hochglanzoptik ist leider sehr anfällig für Kratzer

Fazit

Am Navibot können sich, nach wie vor, die Geister scheiden. Das Design gefällt, auf der hochglänzenden Oberfläche allerdings zeigen sich unglaublich schnell Kratzer und Staub tritt schneller in Erscheinung. Die Absaugstation, die im Test nur etwa einmal pro Monat entleert werden muss, erleichtert die Wartung des Roboters, nimmt aber auch äußerst viel Platz ein, zumal ist es unverständlich, weshalb auch Samsung in diese riesige Station immer noch kein Netzgerät einbaut, sondern dieses separat beilegt.
Auch die Reinigungsleistung des Roboters kann man von zwei Gesichtspunkten betrachten: In Räumlichkeiten mit relativ wenigen herumstehenden Möbelstücken und hauptsächlich rechten Winkeln punktet der Navibot durch sein sehr korrektes Reinigungsmuster. Wird es aber verwinkelt oder steht z.B. ein Tisch mit Stühlen im Weg, sind Roboter die etwas unkoordinierter umherfahren im Vorteil.
 
Der Navibot ist äußerst sanft zu Möbeln, meist berührt er diese gar nicht. Auf der anderen Seite aber sind die Sensoren der Stoßstange nicht empfindlich genug um leichte Gegenstände zu erkennen, so werden leichtere Sessel oder im Test das Kamerastativ einfach duch die Gegend geschoben.
Der Navibot ist definitiv ein sehr guter Haushaltsroboter, ob der sehr hohe Preis aber gerechtfertigt ist, muß jeder für sich entscheiden. Der ohne Zweifel schlagkräftigste Kaufgrund für mich wäre das sehr niedrige Betriebsgeräusch und das tolle Design des Roboters.