Letztes Jahr im Mai (Jabra Elite 65t) sowie im November (Jabra Elite 75t) habe ich für euch die beiden Vorgängermodelle von Jabra getestet. Heuer, 2020, sind zuverlässige Kopfhörer für allerlei Anwendungsfälle – z.B. Videokonferenzen umso gefragter. Deshalb habe ich nun auch die neuen Jabra Elite 85t Bluetooth Kopfhörer für euch getestet. Diese bringen neben generellen Verbesserungen auch ANC, also eine zuschaltbaren aktive Geräuschunterdrückung mit. Wie gut sie sind soll dieser Artikel aufklären.

Videoreview

Verpackung & Lieferumfang

Großes Lob: Die Verpackung ist geschrumpft und außer einen Blister mit den Ohrstöpseln und ein zwei Klebestreifen finden wir keinen Kunststoff mehr. Super.

Verpackung Jabra Elite 85t

Mitgeliefert wird, wie schon beim Vorgängermodell, ein kurzes USB-A auf USB-C Kabel sowie Silikon-Ohrstöpsel in drei Größen und natürlich die Hülle zum Aufladen. Nach wie vor fände ich hier, da wir es ja mit Kopfhörern im hochpreisigen Segment zu tun haben, etwas mehr Vielfalt bei den Ohrstöpsel angebracht – zum Beispiel in der Form von Schaum-Stöpseln für jene, die noch etwas mehr Halt im Ohr suchen.

Inbetriebnahme der Jabra Elite 85t

Die eingangs erwähnte verkleinerte Verpackung resultiert auch daraus, dass die Kopfhörer nun innerhalb des Ladecases geliefert werden. Sobald man die Stöpsel aus dem Case nimmt, gehen die Kopfhörer in den Kopplungsmodus, man muss also nicht mal Tasten drücken.

Der Rest erfolgt, wie gewohnt, im Bluetooth-Menü des Smartphones, alles in allem ist man binnen einer Minute einsatzbereit. Dies ist auch bebildert innerhalb der Verpackung aufgedruckt.

Was leider nicht anhand der Verpackung, also ohne App, ersichtlich ist, ist die Bedienung. Das wiederum macht die Installation der Sound+ App fast zur Pflicht.

Nach wie vor etwas schade: Ausgeliefert werden auch die Jabra Elite 85t mit Sprachfeedback in Englisch, um dies auf Deutsch umstellen zu können ist einerseits die als nächstes behandelte Jabra Sound+ App notwendig, andererseits bedarf das zudem einer recht zeitaufwendigen Installation (im Ladecase). Hier würde ich mir dann doch wünschen, dass Sprachen einfach schnell und ohne vorhergehende Installation umgeschaltet werden können.

Dennoch einfach schön und gut gemacht: Nimmt man die Kopfhörer aus dem Ladecase und setzt sie  ins Ohr ein, so folgt ein Start-Ton sowie der gesprochene Text „Verbunden“. Das ist und bleibt einfach viel selbsterklärender, als irgendwelche Piepstöne. Auf Wunsch kann man aber selbst das Sprachsignal auf nur-Ton umstellen. Das gilt alles natürlich auch für einen fast leeren Akku oder andere Systemmitteilungen. Damit heben sich die Geräte von Jabra deutlich positiv von der Konkurrenz, auch von Apples AirPods Pro ab.

Jabra Sound+ App

Nachdem ich ja bereits die Jabra Elite 65t und auch den direkten Vorgänger, die Jabra Elite 75t getestet habe, kenne ich die Sound+ App recht gut. Ich würde aber speziell jedem neuen Besitzer empfehlen, die Sound+ App zu installieren. Sie erkläret zunächst beim ersten Start, wie man die Jabra Elite 85t bedient und bietet außerdem die Möglichkeit, alle Funktionen direkt in der App zu steuern, ohne die Funktion der Tasten der Kopfhörer erlernen zu müssen.

‎Jabra Sound+
‎Jabra Sound+
Entwickler: GN Audio AS
Preis: Kostenlos
Jabra Sound+
Jabra Sound+
Entwickler: Jabra by GN Audio
Preis: Kostenlos

Equalizer und Soundprofile wiederum können ausschließlich über die Jabra Sound+ App gesteuert werden, während HearThrough oder ANC sowohl am Kopfhörer als auch über die App ein- oder ausgeschaltet werden können.

Öffnet man die App mit bereits gekoppelten Kopfhörern so werden kurz nach dem Öffnen der App auch schon die Daten der verbundenen Kopfhörer angezeigt. Es können zudem verschiedene Ton-Profile wie „Arbeiten“ oder „unterwegs“, aktiviert werden. Je nach Profil kann man z.B. sagen, dass beim Profil „Arbeiten“ auch der Klang für Stimmen optimiert wird, und unterwegs immer Hearthrough eingeschaltet wird.

Es wird nicht nur der Ladezustand der Kopfhörer sondern auch jener des Ladecases in der Sound+ App angezeigt, allerdings nur, wenn die Kopfhörer auch mit dem Smartphone gerade verbunden sind.

Auch Softwareupdates laufen natürlich über die Sound+ App. Nach wie vor sollte man hier durchaus 10-15min Zeit mitbringen, ich würde also empfehlen, Updates nur durchzuführen, wenn ihr die Kopfhörer gerade nicht benötigt (Es wird über die App auf die Kopfhörer geladen und startet, sobald man die Kopfhörer ins Ladecase gibt).

Nette Zusatzfunktion: Mit „Find my Jabra“ kann der Ort, an dem die Kopfhörer zuletzt mit dem iPhone verbunden waren, in der App angezeigt werden. Standortfreigabe vorausgesetzt, versteht sich.

Design der Jabra Elite 85t

Jabra schafft es hier, seinen Produkten ein gleichzeitig unaufgeregtes und hochwertiges aber dennoch nicht langweiliges Design zu spendieren.

Matt schwarz und mit USB-C kommt das Ladecase daher. Sowohl die Kopfhörer als auch der Deckel werden magnetisch gehalten. Super, das sorgt für zuverlässige Ladung. Größenmäßig ist das Case im Vergleich zum Vorgänger etwas gewachsen, dafür aber ist hier nun auch qi-Aufladung integriert. Die notwendige Spule befindet sich im Boden des Case.

Jabra Elite 85t Ladecase

Hat man beide Kopfhörer, also die aktuellen Jabra Elite 85t und ihre Vorgänger die 75t nicht spontan zeitgleich bei der Hand könnte man sie verwechseln. Die Jabra Elite 85t wirken nochmal etwas feiner und hochwertiger designt, ansonsten gleichen sie sich wie ein Ei dem anderen. Die Jabra Elite 85t sind aber etwas voluminöser.

Auch die Bedienelemente sind die selben wie sie schon die 75t hatten, je Ohrteil gibt’s genau einen Knopf mit dem man verschiedene Funktionen (mehr dazu unten) abrufen kann. Speziell die Lautstärkeregelung ist so … naja, machbar aber nicht optimal.

Vergleich Jabra Elite 75t und 85t

Links: Jabra Elite 75t, rechts: Jabra Elite 85t

Ohrerkennung & Bedienung

Anders als andere Kopfhörer setzten die Jabra Elite 85t nicht auf Sensoren die den Sitz im Ohr überprüfen sondern scheinen Gyroskope zu verwenden. Nehme ich also den Kopfhörer aus dem Ohr und bewege ihn in einer Form, dass der Ohrstöpsel nach oben zeigt, pausiert die Musik. Ziehe ich den Kopfhörer aber gerade nach links oder rechts aus dem Ohr, so spielt die Musik weiter. Hier hätte ich mir eine Verbesserung gewünscht, das Verhalten ist aber exakt das Selbe im Vergleich zu den Jabra Elite 75t.

Die Bedienung der Jabra Elite 85t ist umfangreich und bestmöglich umgesetzt, auch ganz ohne die App. Allerdings natürlich muss man sich einige Kommandos merken, um Musik und Anrufe auch tatsächlich verlässlich bedienen zu können:

  • Links 1x drücken schaltet zwischen ANC & Hearthrough um, nimmt Anruf an, schaltet Mikrofon ein- oder aus bei laufendem Anruf
  • Links 2x drücken springt zum nächsten Titel, lehnt Anruf ab
  • Links 3x drücken springt zum vorhergehenden Titel
  • Links gedrückt halten: Musik oder Anrufe leiser
  • Rechts 1x drücken schaltet zwischen Play/Pause um, nimmt Anruf an, schaltet Mikrofon ein- oder aus bei laufendem Anruf
  • Rechts 2x drücken aktiviert den Sprachassistenten (Siri oder Google Assistant)
  • Rechts 3x drücken: frei konfigurierbar (Play/Pause, Titelsprung, Sprachassistent oder Soundmodus)
  • Rechts gedrückt halten: Musik oder Anrufe lauter

Zusätzlich können sich die Tasten aber generell konfigurieren lassen. Wer sich z.B. daran stört, dass ein Tastendruck links zwischen ANC oder Hearthrough umschaltet, kann die Belegung einfach ändern – absolut vorbildlich. Zudem sind physische Tasten deutlich besser z.B. beim Laufen zu bedienen als es die Stängelchen der AirPods Pro sind.

Wer mag kann zudem den rechten Kopfhörer als Mono-Headset verwenden, mit dem linken Kopfhörer klappt das leider nicht.

Klang der Jabra Elite 85t

Klanglich sind die Jabra Elite sehr gut unterwegs. Dabei ist der Klang deutlich neutraler abgestimmt als z.B. bei den AirPods Pro. Höhen sind klar und transparent und, die Mitteltöne ausgewogen. Mir persönlich sind die gebotenen Bässe in der Standardeinstellung ausreichend, über dein eingebauten Equalizer lässt sich der Klang zudem individuell anpassen.

Dennoch: Wer sehr starke Bässe sucht wird vermutlich nicht 100% glücklich sein mit den Jabra Elite 85t. Interessanterweise weist hier das Vorgängermodell stärkere Bässe aus. Das Stereobild der Jabra Elite 85t ist schön breit, lediglich etwas mehr Wärme im Klang könnte noch vorhanden sein. Insgesamt ein guter Klang der aber Apples AirPods Pro etwas nachsteht.

Der solide Klang setzt sich auch bei der Verwendung als Headset fort, ich wurde von meinem Gegenüber stets sehr gut verstanden. Auch bei diesen Kopfhörern ist die verwendete Übermittlungstechnik (z.B. Facetime Audio anstatt Mobilfunk) viel stärker für den Klang verantwortlich als die Kopfhörer selbst. Beide Daumen hoch jedenfalls für die Verwendung als Headset.

Ergonomie & Sitz im Ohr

Top. Aber hier gilt, wie immer, ausprobieren. Persönlich kann ich sagen: in meinen Ohren sitzen die Jabra Elite 85t perfekt. Sie verrutschen nicht, sie fallen nie aus den Ohren, sie drücken nicht, auch nach mehreren Stunden des Tragens. Der Hersteller scheint sehr großen Wert auf gute Ergonomie gesetzt zu haben, das merkt man. Verglichen mit den kleineren und leichtern Jabra Elite 75t sind diese jedoch noch eine Spur angenehmer, aber da reden wir schon von von minimalen Unterschieden.

Akkulaufzeit

5,5h mit aktivierter Geräuschunterdrückung und vier Extra-Ladungen dank der Ladehülle verspricht Jabra. Yep, kann ich bestätigen. In meinen Tests kam ich sogar auf fast 6h Laufzeit mit einer Ladung, das ist absolut in Ordnung. Natürlich laufen Modelle ohne Geräuschunterdrückung etwas länger, mit den gebotenen Features ist die Laufzeit aber sehr gut.

Sonderfunktion: HearThrough

Als ich damals zum ersten Mal Hearthrough mit einem Jabra Model getestet hatte, war ich begeistert. So konnte man einfach die Außengeräusche durch den Kopfhörer einspielen lassen – essentiell wenn man z.B. am Roller oder Fahrrad unterwegs ist.

Nach wie vor, wie schon beim Vorgängermodell hervorgehoben, ist die Latenz fast nicht erkennbar. Das ist sehr gut. So bekommt man Außengeräusche verlässlich mit. Hier ist aber hervor zu heben, dass die Jabra Elite 85t eher die lauteren Geräusche weiterreichen, leise und sehr leise Geräusche werden meist nicht erfasst. Hört ihr also Musik und jemand im Büro spricht euch extra leise an, so kann es sein, dass man dies kaum mitbekommt. Das können die weißen Stöpsel aus Cupertino besser, de facto so gut dass man nicht merkt, ob man sie trägt. Dessen ist man sich mit HearThrough bei den Jabra Elite 85t zu jedem Zeitpunkt bewußt.

Im Vergleich zum Vorgängermodell ist im Hearthrough Modus selbst in der maximalen Einstellung deutlich weniger Rauschen hörbar, speziell hohe Frequenzen kommen aber etwas gedämpft am Ohr an.

Sonderfunktion: ANC (Automatic Noise Cancellation)

Während Jabra das Vorgängermodell noch ohne ANC, also einer zuschaltbaren automatischen Geräuschunterdrückung auslieferte und später per Software nachreichte, so ist dies hier schon zur Auslieferung fester Bestandteil und Jabra hat den 85t sogar einen dezidierten ANC Chip verpasst. Wie gut also funktioniert das in der Praxis?

Nun: Zuallererst sei erwähnt dass es hierfür essentiell ist, dass die Kopfhörer perfekt in den Ohren sitzen. Sitzen sie locker oder werden die falschen Silikonaufsätze verwendet, so klappt das Ganze einfach nicht. Das gilt aber für alle In-Ear Kopfhörer, die ANC anbieten. Over-Ear Kopfhörer wie z.B. die Nuraphone haben hier durch ihre geschlossene Bauweise über dem Ohr einen konstruktionsbedingten Vorteil.

Bei ANC gilt zudem: Nicht alle Geräusche werden gleich gut unterdrückt. Die Jabra Elite 85t sind z.B. hervorragend um Bürogeräusche zu unterdrücken. Normale Gespräche werden damit zwar nicht unhörbar aber deutlich leiser, Tastaturtippen wird, je nach Tastatur fast unhörbar und der etwas weiter weg stehende Kopierer verschwindet komplett aus dem Klangbild.

Während die Jabra Elite 85t bei HearThrough noch den AirPods Pro unterlegen waren, sind sie bei der Geräuschunterdrückung gleich auf. Beide leisten gute Arbeit, filtern aber Geräusche etwas unterschiedlich. Hier könnte ich keinen Sieger festlegen.

Jabra Elite 85t verglichen mit den 75t

Ja, nun, das ist hier nun die größte Überraschung. Denn, nachdem Jabra ja seit der Veröffentlichung meines Testberichts zu den Jabra Elite 75t dort ebenfalls ANC als Softwarelösung anbietet, sind die Unterschiede… sehr gering und dann doch auch wieder nicht.

Vergleich Jabra Elite 85t und 75t

Links: Jabra Elite 75t, rechts 85t

Die 85t überzeugen durch etwas bessere Mikrofone und geringeres Rauschen, wenn man den Hearthrough-Modus auf den höchsten Stufen betreibt. Die Geräuschunterdrückung der 85t ist zudem etwas universeller einsetzbar, während sie bei den 75t individuell auf die jeweilige Situation anpassbar ist. Der Tragekomfort ist in beiden Fällen hoch, da die 75t etwas schlanker sind, lassen sie sich aber eine Spur einfacher ins Ohr einsetzen.

Größenvergleich Jabra Elite 75t und 85t

Größenvergleich Jabra Elite 75t (links) und 85t (rechts)

Aber, und das ist für mich das herausstechendste Merkmal und jenes, weswegen ich persönlich immer zu den Jabra Elite 85t greifen würde: Sie haben nun ein „halb-offenes“ Design. Wenn man also empfindlich reagiert auf den „Druck“ den herkömmliche In-Ear Kopfhörer im Ohr aufbauen, dann ist man von den 85t begeistert. Denn diese eben sorgen für einen Druckausgleich. Außerdem führt das Design beim Laufen bzw. bei Bewegungen der Kopfhörer für deutlich weniger unangenehme Rückkopplungen in den Gehörgang. Genau das wird auch durch zwei weitere Mikrofone im Gehörgang unterstützt und sorgt so für einen (schwer in Worte zu fassenden) subjektiv deutlich besseren Gesamteindruck.

Technisches

  • 5,5h Akkulaufzeit mit den Kopfhörern und aktiviertem ANC (in meinem Test eher 6h), 7h ohne ANC lt. Hersteller
  • 25h Laufzeit wenn man die Ladung des Ladecases miteinberechnet
  • Bluetooth 5.0
  • 6 Mikrofone
  • IPX4 gegen Staub und Wasser geschützt
  • 15min aufladen bietet eine Stunde Hördauer

FAZIT

Das war nun wirklich nicht einfach. Die Jabra Elite 85t sind, wie schon ihre Vorgänger, tolle Kopfhörer. Aber gerade die Unterschiede eben zum (günstigeren) Vorgängermodell dauerte eine ganze Weile, bis ich sie in Worte fassen konnte.

Lohnt also ein Upgrade von den 75t auf die 85t? Nein, zumindest dann nicht, wenn ihr nicht ultra empfindlich seid auf Geräusche im Gehörgang die vielleicht vom Laufen z.B. kommen und ihr grundsätzlich mit den 75t zufrieden seid.

Sollte man zu den Jabra Elite 85t anstatt der etwas günstigeren 75t greifen, wenn man gerade neue Bluetooth Kopfhörer sucht? Ja, definitiv. Die Funktionen decken sich zu sehr großen Teilen, der Klang ist ebenfalls relativ ähnlich, wobei die 75t deutlich kräftigere Bässe liefern (Einstellung neutral). Die 85t sind aber technologisch und auch vom Tragekomfort dem Vorgänger überlegen. Der Druckausgleich im Ohr ist angenehmer und Hearthrough weist weniger Rauschen bei hohen Einstellungen auf. Zu guter Letzt werden die 85t mit der Ladehülle für kabelloses Laden geliefert, die kostet bei den 75t extra.

Klanglich mag es zwar speziell für Audiophile Menschen besser Kopfhörer geben, die Jabra Elite 85t liefert aber eine extrem rundes, hochwertiges und umfangreiches Gesamtpaket für’s Geld. Prädikat: Sehr empfehlenswert.