Im Mai 2019 habe ich euch noch von den Jabra Elite 65t Kopfhörern berichtet, nun hatte mir Jabra freundlicherweise das Nachfolgemodell, die Jabra Elite 75t für ein paar Wochen zum Test geliehen. Spannend also, wo der Hersteller das bereits gute Vorgängermodell verbessern konnte. Alle Details im folgenden Testbericht!

Videoreview

https://youtu.be/lyQB01OxMrk

Verpackung & Lieferumfang

Puncto hochwertiger Verpackungen hat der Hersteller nach wie vor die Hausaufgaben gemacht, auch die Jabra Elite 75t kommen ausgesprochen schick verpackt daher. Dabei kommt Jabra zwar mit wesentlich weniger Kunststoff als z.B. die Konkurrenz von Anker aus, hinsichtlich der Nachhaltigkeit der Verpackung könnte man aber noch etwas feilen und noch etwas mehr auf Kunststoff verzichten.

In der Verpackung finden wir, wie gewohnt, Kopfhörer, Ladecase sowie Ohrstöpsel in drei Größen. Hinsichtlich des ausgerufenen Preises wäre hier etwas mehr Vielfalt zu begrüßen gewesen. Ein Ladekabel (USB-A auf USB-C) befindet sich natürlich auch in der Packung.

Inbetriebnahme der Jabra Elite 75t

Wie bei fast allen modernen Bluetooth-Geräten klappt die Inbetriebnahme kurz und schmerzlos. Die Jabra Elite 75t werden außerhalb ihres Ladecases geliefert (einerseits wegen der Optik der Verpackung, andererseits um die Akkus zu schonen).

Setzt man sie kurz ins Ladecase und nimmt sie wieder heraus, so gehen sie sofort in den Kopplungsmodus – das ist sehr praktisch. Natürlich kann man auch einfach jeweils den Knopf am Kopfhörer drücken. Die Kopplung funktioniert wie gewohnt, die Bluetooth Verbindung klappt schnell. Man kann zum Koppeln die Bordmittel des Betriebsystems verwenden, oder sich von der Jabra Sound+ App leiten lassen.

Etwas schade: Ausgeliefert werden die Jabra Elite 75t mit Sprachfeedback in Englisch, um dies auf Deutsch umstellen zu können ist einerseits die als nächstes behandelte Jabra Sound+ App notwendig, andererseits bedarf das zudem einer recht zeitaufwendigen Installation (im Ladecase). Hier würde ich mir dann doch wünschen, dass Sprachen einfach schnell umgeschaltet werden können.

Dennoch einfach schön und gut gemacht: Nimmt man die Kopfhörer aus dem Ladecase und setzt sie  ins Ohr ein, so folgt ein Start-Ton sowie der gesprochene Text „Verbunden“. Das ist und bleibt einfach viel selbsterklärender als irgendwelche Piepstöne. Das gilt natürlich auch für einen fast leeren Akku oder andere Systemmitteilungen.

Jabra Sound+ App

Mittlerweile kommt man ja generell kaum noch um die App zum Kopfhörer herum. Ich kannte die Sound+ App schon vom Vorgängermodell, geändert hat sich hier erst mal nichts. Um zusätzliche Funktionen für die Kunden anbieten zu können ist, speziell auf iPhones, nun mal eine gesonderte App notwendig. Um also Equalizer oder sonstige Gimmicks steuern zu können, installiert man zunächst die Sound+ App.

‎Jabra Sound+
‎Jabra Sound+
Entwickler: GN Audio AS
Preis: Kostenlos

 

Jabra Sound+
Jabra Sound+
Entwickler: Jabra by GN Audio
Preis: Kostenlos

Öffnet man die App mit bereits gekoppelten Kopfhörern so werden kurz nach dem Öffnen der App auch schon die Daten der verbundenen Kopfhörer angezeigt. HearThrough kann so auch über die App gesteuert werden und es können verschiedene Profile (Jabra nennt das „Momente“), wie „Arbeiten“ oder „unterwegs“, aktiviert werden. Je nach Profil kann man z.B. sagen, dass beim Profil „Arbeiten“ auch der Klang für Stimmen optimiert wird, und unterwegs immer Hearthrough eingeschaltet wird.

Besonders gut gelöst: Es wird nicht nur der Ladezustand der Kopfhörer sondern auch jener des Ladecases angezeigt. Natürlich werden auch Software-Aktualisierungen über die App durchgeführt, diese sind aber gefühlt (im Vergleich zum Vorgänger) etwas zeitintensiver geworden. Ein Update der Jabra Elite 75t hat in meinem Fall mindestens 20min gedauert, das Hochladen des deutschen Sprachpaketes ca. 15min.  Hierbei wird immer zunächst von der App das Update auf die Kopfhörer gespielt, danach muss man selbige ins Ladecase einlegen, dieses schließen und dann warten, bis die LED auf der Rückseite des Ladecases aufhört lila zu blinken. Definitiv etwas, das man nicht machen sollte, wenn man die Jabra Elite 75t gerade nutzen möchte.

Nette Zusatzfunktion: Mit „Find my Jabra“ kann der Ort, an dem die Kopfhörer zuletzt mit dem iPhone verbunden waren, in der App angezeigt werden. Standortfreigabe vorausgesetzt, versteht sich.

Praktisch ist zu dem, dass der Hersteller auch sowohl die Kurzanleitung als auch die komplette Anleitung direkt in die App integriert hat. Ich empfehle, zumindest die Kurzanleitung durchzusehen, damit man sich mit der Steuerung der Kopfhörer besser vertraut machen kann.

Design der Jabra Elite 75t

Jabra schafft es hier, seinen Produkten ein gleichzeitig unaufgeregtes und hochwertiges aber dennoch nicht langweiliges Design zu spendieren.

Das Ladecase ist nach wie vor matt schwarz, seine Größe ist aber deutlich geschrumpft und der von mir beim Vorgängermodell bekrittelte Schnappverschluss wurde durch Magnete ersetzt. Gleiches gilt für den Halt der Kopfhörer im Ladecase – auch hier fallen die Stöpsel nach jeder Anwendung zuverlässig neuerdings durch Magnete in die korrekte Position. Perfekt, das ist die ersten zwei Verbesserungen. Der dritte Punkt, den ich damals bemängelt hatte, am Ladecase, war der Micro-USB Anschluss. Auch das wurde verbessert, endlich USB-C. Weiterer Pluspunkt und schnell mal am Kabel des MacBook Pro aufgeladen. YAY. Wenn ich mir noch was wünschen dürfte, Jabra: Die Lade-LED bitte auf die Vorderseite und nicht neben den Ladeanschluss.

Jabra Elite 75t Ladecase

Die Ohrstöpsel selbst sind deutlich geschrumpft, haben aber ihre ausgesprochen ergonomische Form behalten. Nach wie vor sind die Jabra Elite 75t In-Ear Kopfhörer, sie verschließen den Hörkanal also recht gut. Wer allerdings In-Ear Kopfhörer nicht mag, wird auch mit den Jabra Elite 75t nicht glücklich werden.

Verschlechtert haben sich die Bedienelemente an den Kopfhörern. Wo das Vorgängermodell am linken Stöpsel noch zwei Tasten zur Lautstärkeregelung hatte, hat nun jeder Stöpsel nur noch eine einzelne Taste, man muss sich also mehr Kommandos merken, sofern man nicht die Sprachsteuerung des Smartphones verwenden möchte. Fairerweise muss ich dazu sagen, dass ich persönlich die Lautstärkeregelung direkt am Kopfhörer fast nie nutzte, Smartphone oder Watch sind einfach immer mit dabei.

Ohrerkennung & Bedienung

Was Jabra bei den Jabra Elite 75t nicht verändert hat, ist die Ohrerkennung. Nach wie vor scheint Jabra hier Gyro-Sensoren einzusetzen, die zwar die Bewegung des Stöpsels aus dem Ohr heraus zu erkennen versuchen, gerade, wenn man die Kopfhörer aber recht gerade aus dem Ohr zieht, kann es dazu kommen, dass die Musik nicht pausiert wird. Das ist immer noch bei der Cupertino-Version besser gelöst. An sich kann man damit gut leben, manchmal spielt die Musik aber auch in der Hosentasche weiter, sofern man sie nicht über die Taste des rechten Stöpsels pausiert hatte.

Die Steuerung funktioniert nun etwas anders im Vergleich zum Vorgängermodell. Die linke Taste wird zur Audiosteuerung verwendet; ein Tastendruck aktiviert oder deaktiviert HearThrough, doppelt drücken springt einen Titel vor, dreifach drücken springt zurück. Lange drücken reduziert die Lautstärke.

Einfach drücken am rechten Stöpsel pausiert oder setzt Anrufe und Musik (fort), längeres Drücken erhöht die Lautstärke, doppelt drücken startet den Sprachassistenten. Zur Auswahl steht hier jener des Smartphones oder alternativ Amazons Alexa.

Hält man die Taste an einem der Stöpsel noch länger gedrückt, so schaltet man ihn aus oder ein, wer gaaaaaanz lange drückt kommt in den Kopplungsmodus.

Klang der Jabra Elite 75t

Ich habe nichts Auszusetzen; nächster Punkt ;-). Nun, für mich persönlich, für meine Ohren, klingen die Jabra Elite 75t wunderbar. Die Bässe wurden gegenüber dem Vorgängermodell spürbar verbessert, Höhen und Mitteltöne sind nach wie vor angenehm, ausgeglichen und klar. Musik (oder auch Podcasts) mit den Jabra Elite 75t zu hören macht einfach Spaß.

Beim Vorgängermodell hatte ich in der Sound+ App eigentlich immer die Bässe auf „verstärkt“ gestellt. Hinzufügen muss ich auch, dass ich normalerweise kein Fan zu starker Bässe bin. Bei den 75t war diese Umstellung unnötig und führte zu zu starken Bässen (für meinen persönlichen Geschmack). Ich benutze sie mit „flachem“ also ausgeschaltetem Equalizer und bin zufrieden. Auch bei diesem Punkt freue ich mich, dass der Hersteller gezielt verbessert hat.

Der solide Klang setzt sich auch bei der Verwendung als Headset fort, ich wurde von meinem Gegenüber stets gut verstanden. Auch bei diesen Kopfhörern ist die verwendete Übermittlungstechnik (z.B. Facetime Audio anstatt Mobilfunk) viel stärker für den Klang verantwortlich als die Kopfhörer selbst.

Ergonomie & Sitz im Ohr

Top. Aber hier gilt, wie immer, ausprobieren. Persönlich kann ich sagen: in meinen Ohren sitzen die Jabra Elite 75t perfekt. Sie verrutschen nicht, sie fallen nie aus den Ohren, sie drücken nicht, auch nach mehreren Stunden des Tragens. Der Hersteller scheint sehr großen Wert auf gute Ergonomie gesetzt zu haben, das merkt man.

AkkulaufzeitHear

Lt. den Herstellerangaben sollen die Jabra Elite 75t bis zu 28h Laufzeit (die Ladung durch das Ladecase mit eingeschlossen) bieten. Um das vollends auszutesten reichte meine Testdauer leider nicht aus – von meiner Nutzungsdauer hochgerechnet sind von ca. 26h Gesamtlaufzeit auszugehen.

Auch hinsichtlich der reinen Laufzeit der Kopfhörer ohne Ladecase kam ich im „Dauertest“ auf ca. 6,5h Laufzeit. Selbige variiert natürlich abhängig von der Lautstärke und Signalstärke der Bluetooth Verbindung.

Insgesamt war ich extrem zufrieden mit der Laufzeit, speziell da die Jabra Elite im Vergleich zum Vorgänger ja geschrumpft sind und auch das Ladecase verkleinert wurde, dennoch aber die Laufzeit merklich verbessert werden konnte.

Sonderfunktion: HearThrough

Als „HearThrough“ bezeichnet Jabra die Funktion, per Knopfdruck die Geräusche außerhalb der Kopfhörer über die Mikrofone direkt ans Ohr weiterzugeben. Die grundsätzliche Geräuschisolierung, wenn man die Jabra Elite 75t im Ohr trägt, ist sehr gut (es handelt sich ja nicht um Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANC), somit ist „HearThrough“, das mit einem Druck auf die Taste des linken Stöpsels ein- oder ausgeschaltet wird, eine sehr praktische Funktion, speziell wenn man sich im Straßenverkehr bewegt. Die Latenz ist sehr gering und wurde gefühlt zum Vorgängermodell etwas verbessert. Micro-Aussetzer wie sie die 65t recht selten ab und an hatten, treten hier kaum noch auf. Man wird zwar nach wie vor wie ein Alien angesehen, wenn man mit Menschen kommuniziert, während man die Kopfhörer im Ohr hat (was mit HearThrough blendend klappt), aber was soll’s ;-).

Jabra Elite 75t verglichen mit den 65t

Wo unterscheiden sich nun die Jabra Elite 75t zum direkten Vorgänger? Nun, einerseits sind sie kompakter und nochmal minimal angenehmer zu tragen, andererseits ist das Ladecase geschrumpft, mit USB-C und Magnetverschluss ausgestattet und zu guter letzt wurde die Akkulaufzeit von 5h auf 7,5h bei den Kopfhörern und insgesamt von 15h auf 28h erhöht. Hearthrough funktioniert ebenfalls eine Spur besser als beim Vorgängermodell. Insgesamt zwar kein Grund zu wechseln von den 65t, Neukäufer sollten die Jabra Elite 75t aber bevorzugen.

Technisches

  • 7,5h Akkulaufzeit mit den Kopfhörern
  • 28h Laufzeit wenn man die Ladung des Ladecases miteinberechnet
  • Bluetooth 5.0 mit den Profilen HSP v1.2 , HFP v1.7, A2DP v1.3, AVRCP v1.6, SPP v1.2
  • 4 Mikrofone
  • IP55 Staubschutz und Schutz gegen leichtes Sprühwasser
  • 15min aufladen bietet eine Stunde Hördauer

FAZIT

Manch einer findet „Folgeprodukte“, also Nachfolger von bekannten Produkten langweilig. Ich find’s aber wunderbar zu sehen, dass Jabra bei den Jabra Elite 75t Punkt für Punkt Details verbessert hat. Ladeanschluss (USB-C) sowie Klang (bessere Bässe) und Akkulaufzeit (länger) wie auch Sitz im Ohr (noch angenehmer) und das Ladecase (kompakter, handling) wurden verbessert. Wer aktuell vor dem Kauf kabelloser Kopfhörer steht und sich zwischen den 65t und den 75t entscheiden muss, sollte die paar Euro mehr in die Hand nehmen und zum neueren Modell greifen. Wer glücklicher Besitzer der 65t ist, muss nicht unbedingt wechseln. Alles in allem sehr gute wenngleich nicht ganz günstige Kopfhörer.