Ob man wohl mit dem Devolo Magic 2 Powerline tatsächlich „wahnsinnige Geschwindigkeit“, wie damals bei Spaceballs erreicht? 😉 Schon vier Jahre ist mein Testbericht zum Devolo dLAN 1200+ her, da ist es an der Zeit mal die aktuelle Powerline-Generation einem Test zu unterziehen!

 

Videoreview

Lieferumfang

Der Lieferumfang ist überschaubar. Wir finden ein Netzwerkkabel, um die Basisstation mit dem Router zu verbinden, die genannte Basisstation und die beiden „Magic“ Adapter, die uns mit WLAN und je zwei LAN Anschlüssen je Adapter versorgen (sollen). Netzgeräte bleiben einem beim Devolo Magic 2 System glücklicherweise erspart – jeder Adapter (und auch die Basis) werden direkt in eine freie Wandsteckdose gesteckt.

Devolo Magic 2

Installation

Hardwareseitig könnte die Installation im Grunde nicht einfacher sein. Adapter in die Steckdose stecken. Ich hatte beim ersten Versuch einige Probleme, das betrifft euch aber zum Glück nicht, da zwischenzeitlich nachgebessert wurde (mehr dazu ganz unten nach meinem Fazit).

Man beginnt am besten mit der Installation der Smartphone App:

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. 🙁
Home Network
Home Network
Entwickler: devolo AG
Preis: Kostenlos

Bitte keine anderen Devolo Apps laden, das führt zu Frust; nur die „Home Network“ App sollte für das Devolo Magic 2 System herangezogen werden.

Als neuer Nutzer wählt man einfach „neues Gerät installieren“ und scannt dann den Strichcode auf der Verpackung. Nun folgt man den Anweisungen. Man steckt zunächst die beiden WLAN Adapter (oder „Satelliten“) an den gewünschten Stellen im Haus in eine freie Steckdose (ACHTUNG: DIREKT in eine Wandsteckdose stecken und nicht in Verteilerstecker odgl.) und zuletzt die „Basisstation“, dann verbindet man die Basis über ein Netzwerkkabel mit dem Router. Zunächst blinkt es an jedem Gerät weiß, wenn alles klappt und die Geräte sich verständigen, leuchtet 1-2 Minuten später alles weiß, damit ist die Verbindung unter den Devolo Magic 2 Geräten hergestellt und natürlich auch mit 128bit AES verschlüsselt. Also könnte man sich doch nun schon ins WLAN einloggen, ja?

Ja… aber wo steht das Passwort? Hinten am Adapter – wait – what? Wieder ausstecken? Yop. Tipp: Macht einfach gleich nach dem Auspacken ein Foto der Etiketten auf jedem der Geräte.

Die Installation läuft ganz OK aber da könnte so viel verbessert werden. Das muss einfach so nahtlos funktionieren dass man, egal in welcher Reihenfolge, die Geräte einfach in eine Steckdose steckt und fertig. Immer. Unter allen Umständen. Für den Moment halten wir uns aber einfach an die Schritte in der App und haben binnen 5 Minuten ein funktionierendes WLAN Aufgespannt das fortan über die App (und natürlich auch über den Webbrowser) verwaltet werden kann.

Die Hardware

Die Hardware des Devolo Magic 2 Systems ist, wie gewohnt, hochwertig und solide. Die Kunststoffe fühlen sich gut und robust an. Etwas voluminös sind die Stecker allerdings, hier würde ich mir doch wünschen, dass das ganze auf etwas kleinerem Raum unterzubringen wäre.

Devolo Magic 5 WLAN Base

Basisstation

In dieser Preisliga hätte ich mir zudem zumindest an der Basisstation z.B. ein Matrixdisplay wie auf den aktuellen Tado Thermostaten gewünscht, um zumindest rudimentär Fehler auszugeben. z.B. ein Symbol das darstellt, man solle ein LAN Kabel anstecken, so man das vergessen hat, oder eines, das anzeigt, falls die Verschlüsselung fehlgeschlagen ist usw. Nur eine LED mit Blinkzeichen ist etwas wenig.

Damit man keine Wandsteckdose verliert, bietet sowohl die Basisstation als auch jeder WLAN Adapter eine Steckdose an. Bis zu 3600W verbrauchende Geräte können daran angeschlossen werden, man ist also quasi für jeden Anwendungsfall gewappnet.

Die Software

Ich finde, Devolo hat die Hardware des Magic 2 Systems sehr gut hin bekommen. Speziell, wenn wir zur Performance unten kommen. Aber Software… können sie leider nicht. Man wollte alles neu machen und habe die App komplett neu entwickelt. Letztlich ist die neue Home Network App aber auch nur ein Web-Viewer.

Während die Startseite noch eine für das Handy angepasste Version der verbundenen Geräte darstellt, reicht ein Klick auf eines der Geräte, und man landet auf einer für Webbrowser und Computerbildschirme optimierten Seite. Usability? Nope. Setzen, fünf. Sorry. Auch zwei Updates der App im Testzeitraum haben das nicht behoben.

Natürlich könnte man die App auch am iPad installieren und hätte keine derartigen Probleme, aber das ist ja nicht Sinn und Zweck, der Entwickler hat da Sorge zu tragen, es für den Nutzer einfach zu gestalten und auch dieses Interface muss dann eben „responsive“ sein.

Die Darstellung im (echten) Webbrowser funktioniert hingegen wie erwartet. Der Zugriff ist problemlos über Eingabe der IP Adresse möglich, sofern man die weiß; somit sind wir wieder bei der App. Hmm…

Inhaltlich, mal die Usability-Probleme außer Acht gelassen, finden wir eine Vielzahl von Informationen im Devolo Magic 2 System bzw. der Network-App. Fast jedes Detail kann angepasst werden.

Startet man die App, so sieht man zunächst eine (tatsächlich) für das jeweilige anzeigende Gerät optimierte Startseite, die den generellen Zustand aller verbundenen Geräte darstellt.

Tippt man z.B. die Basisstation an, so erhält man Informationen zum Powerline-Verbund. Auf der Übersichtsseite finden wir dann Details zu den möglichen Transferraten zwischen den Geräten (bei mir 225 bis  317Mbit/s für das Senden und 95 bis 396Mbit/s für das Empfangen von Daten).

Die etwa selbst vergebenen Gerätenamen wie „Keller“ werden genau hier aber nicht angezeigt. Als Nutzer muss man mühsam über die MAC-Adresse des jeweiligen WLAN Adapters das Gerät identifizieren zu dem die angezeigte Geschwindigkeit gehört. Warum, Devolo?

Natürlich findet man hier auch die IPv4 oder IPv6 Konfigurationsseite, DHCP ist ebenso möglich und als Standard voreingestellt. Ich nutze das Gerät aber als Anwender und bin kein Netzwerktechniker – daher läuft es, in meinem Fall, mit den Standardeinstellungen, quasi „out of the box“.

Jeder „Satellit“ bringt zudem seine eigene System-Konfigurationsseite mit, über die durch ein Blinken der weißen LED das Gerät identifiziert werden kann. Hier kann auch z.B. der Stromsparmodus gesteuert werden (für maximale Performance bitte ausschalten, so sollte die volle Leistung schon ab dem ersten Datenpaket anliegen).

Würde Devolo hier z.B. einen (bitte einfach wegklickbaren) Assistenten nach der ersten Installation anbieten, könnten Nutzer durch einige einfache Konfigurationsmöglichkeiten und Parameter geführt werden.

Bitte lasst euch übrigens, speziell direkt nach der Erstinstallation, nicht von den Transferraten verwirren. Diese steigen üblicherweise in den ersten 1-2 Stunden noch deutlich an, vermutlich testet das System hier eure Leitungen noch genauer durch, um die maximal mögliche Leistung zu ermitteln.

Wechseln wir auf der Startseite zu einem der Devolo Magic 2 WLAN Adapter, so finden wir detaillierte Konfigurationsmöglichkeiten für das aufgespannte Wifi-Netz (standardgemäß wird ein neues Netzwerk angelegt das dann gleichermaßen für beide Satelliten  zur Verfügung steht).

Wir finden zudem alle üblichen Einstellmöglichkeiten, die man auch von anderen Routern kennt, also 2,4+5GHz, nur 2,4GHz, nur 5Ghz, Mesh Funktion, also das neuere 802.11r Protokoll um schneller zwischen einzelnen Wifi Zugangspunkten wechseln zu können. Fein.

Jeder WLAN Adapter bietet zudem zwei Gigabit LAN Steckdosen die zusätzlich zum Wifi genutzt werden können. Natürlich kann man das Wifi auch gänzlich abschalten und das Devolo Magic 2 System quasi als Brücke anstatt eines eingezogenen Netzwerkkabels verwenden.

Bitte übrigens vieles oben nicht als „Software-Bashing“ verstehen, aber der Hersteller verschenkt hier so viele Möglichkeiten zu glänzen, und das hat die solide Hardware einfach nicht verdient.

(Mesh) WLAN & Konfigurationsmöglichkeiten

Wie schon oben erwähnt ist „Mesh“, also ein WLAN mit einem Netzwerknamen über alle  Zugangspunkte verteilt, hier standardmäßig aktiviert. Find ich als Anwender super. Auf Wunsch kann über WPS aber auch direkt das WLAN von einem bestehenden Router übernommen und als Mesh erweitert werden. Das macht natürlich besonders dann Sinn, wenn bereits Hardware vorhanden ist. Z.B. Könnte die Box des Internetanbieters für WLAN im Wohnzimmer sorgen und dann jeder der Satelliten eines der Stockwerke eines Hauses versorgen, nachdem die WLAN Adapter über WPS ins gleiche Netzwerk wie jenes der Box integriert wurden.

Grundsätzlich muss nur die WPS Funktion am Router aktiviert werden und dann an einem der Satelliten die Taste gedrückt werden.

Und bitte nicht verwechseln: Auf zwei unterschiedlichen WLAN Geräten ein ident benanntes WLAN aufzumachen ist noch kein „Mesh“ mit seinen Vorzügen. Denn dieser (neueren) Technologie liegen eben u.A. auch „Roaming“ Protokolle zugrunde, die es ermöglichen, dass z.B. das Smartphone erkennt, dass das Signal des ersten Zugangspunktes schwächer wird und ein Wechsel zum zweiten Zugangspunkt ratsam wäre. Früher wäre das Smartphone einfach am ersten Zugangspunkt eingeloggt geblieben, bis das Signal abreißt. Danach hätte es mal wieder geguckt, wo es besseren Empfang gäbe, und wäre dann eben am zweiten Zugangspunkt gelandet. Und dazwischen hätte man sich geärgert. Und genau diese Probleme sind dank der Mesh-Technologie passé.

Altes dLAN & Devolo Magic 2 wollen nicht wirklich miteinander

Allen bestehenden Nutzern des älteren dLAN (1200 oder auch 650 etc.) Systems sei gesagt, dass man die höhere Geschwindigkeit des „Magic“ Systems nur in einem reinen „Magic“ System nutzen kann. Beginnt man zu mischen, so leidet die Performance. Das führt dann irgendwie den Nutzen der neuen Technik ad absurdum. Wer also bestehende ältere Geräte weiter verwenden möchte, sei gewarnt und für diesen Fall kann ich das Devolo Magic 2 System auch nicht empfehlen.

Performance des Devolo Magic 2 Systems

Bei der Beurteilung der Performance des Devolo Magic 2 Powerline-Systems muss man zunächst über den anzulegenden Maßstab sprechen und natürlich auch den konkreten Anwendungsfall. Laborbedingungen zu rezitieren bringt keinem Nutzer irgendetwas und jeder Anwendungsfall ist einzigartig. Ich wohne in einem Haus aus Stahlbeton. Internet vom Wohnzimmer ausgehend ins ganze Haus zu verteilen, war seit dem Einzug eine Herausforderung. Letztlich habe ich ein Netzwerkkabel in den ersten Stock eingezogen und verwende dort einen von zwei Amplifi-Mesh-Routern als Internet-Backbone, während der erste Amplifi Router im Wohnzimmer das Hauptgerät ist. Allerdings benötige ich, z.B. im Keller, ebenfalls Internet. Dort nämlich ist der Sat.IP Server montiert, um Satellitenfernsehen an die AppleTVs im Haus zu streamen.

Ein perfekter Anwendungsfall für Powerline und damit das Devolo Magic 2. Auch unterm Dach ist die Versorgung schwierig und über eine Funkstrecke unweigerlich mit deutlich reduzierter Bandbreite verbunden. Noch ein prima Anwendungsfall – perfekt für den zweiten Magic 2 Satelliten.

Wie bereits erwähnt, war zuvor ein 1200+ dLANPowerline System von Devolo im Einsatz, entsprechend hatte ich bereits Erfahrung mit der mit diesem System möglichen Geschwindigkeit. Das klappte zwar alles, aber unterm Strich war die Leistung eher am unteren Ende dessen, was notwendig war.

Entsprechend gespannt war ich nach der Installation, was das DLAN Cockpit am Mac vermelden würde. Welche interne Geschwindigkeit besteht zwischen den Adaptern und der Basis? Seht selbst, das folgende Bild zeigt das Magic 2 System, das zweite das dLAN 1200+ System.

Devolo Magic 2 im Devolo Cockpit

Devolo Magic 2

Devolo dLAN 1200+

Und wie schlägt sich das Devolo Magic 2 System im Vergleich zu meinem klassischen, direkt mit dem Modem verbundenen WLAN Router? Nun, meine Leitung gibt 150Mbit her; über meinen normalen WLAN Router empfange ich am iPad Pro noch etwa 120-130Mbit. Über das Devolo Magic 2 System landen wir dann noch bei 61Mbit/s und das wiederum ist eine deutliche Steigerung zum alten dLAN System des Herstellers ist.

Von den „bis zu 2400Mbit“ sind wir hier natürlich weit weit weg,  und hier haben wir noch nicht mal ansatzweise ein Netzwerkkabel angesteckt sondern sprechen von der reinen Leistung ins Internet und natürlich auch nicht von den Transferraten zwischen Geräten im heimischen Netzwerk. Letztere habe ich nämlich gar nicht mehr und wenn mal Fotos vom iPhone schnell auf das MacBook Pro müssen, läuft‘s auch über AirDrop.

Ich will euch jetzt hier gar nicht mit technischem Gelaber nerven. Was zählt, ist die Performance in der Praxis. Und zum Surfen reicht’s dick. De facto merke ich keinen Unterschied, ob ich mich im Devolo WLAN befinde oder im Amplifi WLAN. Erst, wenn ich wirklich irgendwo etwas downloade, sehe ich, dass es über das Devolo Magic 2 eben etwas länger dauert.

Ich hatte ja oben erwähnt, dass der Sat.IP Server im Keller über das Devolo Magic 2 seine Daten durch’s Haus an die Apple TVs sendet. Das klappt perfekt und schnell. Im Vergleich zum alten dLAN System wird die Verbindung merklich schneller aufgabaut. Und in der Praxis läuft’s für mich einfach, auch, wenn die versprochenen 2400Mbit/s des Herstellers ein einer Fantasiewert unter Laborbedingungen zu sein scheinen. Der wichtige Punkt ist hier: Devolo hat die Leistung DEUTLICH zu den älteren Systemen gesteigert und für das Geld, das man für die Powerline Lösung hinblättert, bekommt man deutlich bessere Leistung.

Technisches

Wer’s etwas technischer mag: Konkret verwendet Devolo beim Magic 2 System die neueste Generation von G.hn Chips (Gigabit Home Networking) und schafft es so, die Datenrate von 1200 auf 2400 Bits pro Sekunde zu erhöhen. Diese neue Technik schafft zudem auch leichte Erhöhung der Powerline Reichweite von 400m auf 500m.

  • 2×2 MIMO 2,4 & 5GHz
  • Gigabit Ethernetports
  • Wifi nach 802.11 a, g, n, ac
  • Reichweite: Powerline bis zu 500m
  • Stromverbrauch: bis zu max. 12W (typisch 9W)
  • 3 Jahre Garantie vom Hersteller
  • Maße Wifi-Adapter: 152x76x40mm

Fazit

Powerline ist nicht für jeden Anwendungsfall geeignet – zu vielfältig sind die Verkabelungen in Häusern und Wohnungen. Mit dem Devolo Magic 2 System ist die Bandbreite der Anwendungsmöglichkeiten aber deutlich gestiegen, da einfacher bessere Datenraten erzielt werden können. In meinem Fall konnte ich die möglichen Datenraten ins Internet verdoppeln bis zu verdreifachen. Die vom Hersteller propagierten maximalen Datenraten können in der Praxis aber eigentlich nie erreicht werden. Das System ist einfach in Betrieb zu nehmen, funktioniert gut und ist empfehlenswert. Dass Devolo aber auch nach Jahren einfach keine brauchbare Software zustande bringt, ist in dieser Preisliga bedauerlich.

Für 299,90€ erhält man Basisstation und zwei WLAN Adapter (die ich eben gerne als Satelliten bezeichne). Wer keine zwei WLAN Adapter benötigt liegt preislich bei 199,90€. Zusätzliche WLAN Adapter koste 129,90€ pro Stück.
  

Meine Problemchen

Ich hatte ja oben erwähnt, dass in meinem Fall die Inbetriebnahme nicht so wirklich reibungslos funktionierte. Wie gesagt hatte ich ja noch das dLAN AC 1200+ im Einsatz – entsprechend lief am Mac die „Devolo Cockpit“ Software. Was ich nicht wußte: Um das neue Devolo Magic 2 System anzeigen zu können bedurfte die Software eines Updates. Das gab’s aber noch nicht. Entsprechend hatte ich zwar gemäß Installationsanleitung alles richtig gemacht, die Cockpit-Software konnte es aber nicht anzeigen und ich vermutete einen Fehler.

Dass ich für das genannte alte System zudem die „my Devolo“ App am Handy hatte und nicht die (benötigte) „Home Network“ App, half natürlich ebensowenig weiter. Natürlich war das zu einem Teil mein Fehler, aber der Hersteller hätte das hier einfach eindeutiger lösen müssen, es darf nicht passieren, dass neue Kunden rätselnd in den Appstore gehen und nicht eindeutig wissen, welche App sie denn nun benötigen. Ich hab euch jedenfalls die richtige App verlinkt 😉