Blink Kamerasystem im Test: Blink & Blink XT

Nachdem wir bereits Netgears Arlo System sowie die Nest Kameras  ausführlich testen konnten, folgt nun der am deutschen Markt noch recht neue Anbieter „Blink“, welcher zu Amazon gehört.

Preislich lehnt sich Blink an das Arlo System an und ist damit eine Spur günstiger als Nest. Ob Blink hält, was der Hersteller verspricht und sich in der Praxis bewährt, erfahrt ihr hier.

Verpackung & Lieferumfang

Umwelttechnisch überzeugt Blink vollkommen. Die Verpackung besteht fast ausschließlich aus Karton, nur ganz wenig Folie wird verwendet. Super!

Puncto Design gäbe es aber bei der Verpackung noch viel Luft nach oben, so richtig „Freude am Auspacken“ will nicht aufkommen. Hat aber mit dem Produkt selbst nix zu tun und ist damit irrelevant für die Wertung.

Der Lieferumfang ist überschaubar. Im Falle einer Einzelkamera werden nur ein Haltewinkel sowie zwei Lithium AA Batterien geliefert. Wer das Starterpaket mit dem Sync-Modul ordert erhält natürlich noch das Sync Modul sowie ein USB Netzgerät und das passende Kabel. Ein Netzwerkkabel wird nicht mitgeliefert, ist aber auch nicht zwingend erforderlich.

Inbetriebnahme

Alles in allem ist die Inbetriebnahme einfach und sollte von jedem bewerkstelligt werden können. Das Erlebnis dabei ist allerdings hinter der Konkurrenz zu reihen.

Blink App laden, Konto erstellen und im Grunde einfach die Bereiche am Bildschirm antippen, welche die App mit einem Pfeil kennzeichnet.

So können schnell über QR-Codes zunächst das Sync-Modul und danach die Kameras dem System hinzugefügt werden. Im Falle der Kameras finden wir die QR Codes unter dem Batteriefachdeckel – also nicht vorschnell die Batterien installieren und den Deckel wieder schließen 😉

Ist das Sync Modul eingerichtet und beide Kameras mit dem System verbunden bzw. wurden beide Kameras angelernt, so müssen die Kameras eigentlich nur noch an den gewünschten Positionen Platziert werden.

Hierzu wird jeder Kamera ein Haltewinkel mitgeliefert. Dieser allerdings ist recht „zierlich“ und speziell bei der Außenkamera kann Wind durchaus Vibration der Kamera und auslösen des Bewegungssensors führen.

Jede der Kameras selbst ist mit dem WLAN verbunden. Dank dem von mir verwendeten Amplifi-Router ist über alle Geschoße im Haus der WLAN Empfang ausgesprochen gut, auch beide Kameras zeigen vollen WLAN Empfang an, ebenso das Sync Modul. Die Verbindung der Kameras zum Sync Modul hingegen ist sehr schwach. Ich habe das Sync Modul im 1. Stock beim Router platziert, eine Kamera im Dachgeschoß, eine im Erdgeschoß im Eingangsbereich. Das System funktioniert, aber wozu die Kameras neben der WLAN Verbindung nutzloserweise auch Verbindung zum Sync Modul fordern ist mir absolut schleierhaft und in jedem Fall ein konzeptioneller Fehler (genau wie bei Arlo).

Der Hersteller hat mich nachträglich über den Sinn des „Sync-Moduls“ aufgeklärt. Es wird benötigt, um die lange Laufzeit der Kameras zu ermöglichen da die Kommunikation zwischen Kameras und Sync-Modul wesentlich stromsparender erfolgt als via WLAN.

Nach erfolgtem Setup finden wir nach jedem Start der App die Übersichtsseite mit den während der Installation bzw. mittels Bildschirmbutton aufgenommenen Bilder je Kamera. Eine automatische Aktualisierung des Kamerabildes erfolgt leider nicht, auch eine etwaige Auslösung auf Bewegung aktualisiert das Kamerabild NICHT. WARUM NICHT, Blink??. Dazu aber später mehr.

Design

Ich weiß ja nicht, wie ihr das haltet. Aber wenn ich mir ein Kamerasystem in bzw. um mein Zuhause herum installiere, möchte ich ein möglichst „hübsches“ und unauffälliges System. Blink liegt hierbei gerade noch im Mittelfeld. Kameras der Konkurrenz sind deutlich hübscher und die wackeligen Haltewinkel, welche Blink verwendet, lassen die Kameras schnell deutlicher ins Auge Springen als z.B. Magnethalterungen. Die Kameras selbst sind aus Kunststoff und vermitteln eher einen „günstigen“ Eindruck. Der Preis spiegelt das aber nicht wieder – da hätte ich mir etwas mehr erwartet.

blink indoor kamera

Konfiguration

Je Kamera können diverse Einstellungen vorgenommen werden. Neben dem Namen können die Temperatur, der Batteriezustand (leider nicht in Prozent) und auch spezielle Parameter wie „Reaktivierung“ (also wie schnell nach einem Auslösen wieder ausgelöst werden kann), „Empfindlichkeit“ (also ab welchem Level an Bewegung die Kamera auslöst) sowie die Länge je Videoclip eingestellt werden. Letzteres wirkt sich natürlich darauf aus, wieviele Clips auf dem zur Verfügung stehenden Speicher gespeichert werden können. Natürlich kann man auch die Bildqualität (Sparmodus, Optimal oder verbessert, mehr dazu später) und erfreulicherweise sogar die Helligkeit des Infrarotlichts festlegen. Zu guter letzt kann auch je Kamera die Stärke der Netzwerkverbindung, sowohl Wifi als auch zum Sync Modul, abgelesen werden.  Alles in allem sehr umfangreich und detailliert.

Die voreingestellten Parameter sind OK und können im Grunde so übernommen werden. Merkt man, dass z.B. die Videoclips zu kurz geraten, kann man das dann entsprechend anpassen.

Lustig ist die Funktion der Temperaturanzeige. Während selbige bei einer der Kameras einwandfrei funktionierte musste für die Andere Kamera eine Abweichung von über 90°C eingestellt werden. Das kann eigentlich nur mit der Umstellung °F/°C zu tun haben… hat man das aber angepasst, so stimmt die Temperaturangabe.

Im Alltag

Im Alltag funktioniert das Blink System  unauffällig und gut. Es hat allerdings den einen GROSSEN Nachteil, dass es nicht, wie die Konkurrenz, über die Geolocation des Smartphones das Kamerasystem scharf oder unscharf schalten kann. Blink bietet hier nur eine Zeitsteuerung, was außerordentlich schade und auch nicht mehr zeitgemäß ist.

Auch zieht sich irgendwie bei Blink durch die gesamte Nutzererfahrung ein etwas faler Beigeschmack, dass einfach die unterdurchschnittliche Software sowie das sinnlose sync Modul dem System einen Strich durch eine sehr gute Wertung macht.

Warum wird z.B. nicht beim Starten der Blink App zumindest ein aktuelles Foto gemacht? Wer nicht manuell den Foto Button antippt sieht ggf. ein Bild von vor ein paar Tagen (oder auch Wochen). Auch das Userinterface ist einfach nicht dort, wo die Konkurrenz ist. Ganz oben wir der Name des Zuhauses, der frei wählbar ist, angezeigt. Links oben gelangen wir zum Menü, rechts oben zu den Clips.

Weshalb aber die Zeitsteuerung hinter dem Namen des Zuhauses versteckt ist, anstatt in den Einstellungen und weshalb man die Kameraeinstellungen (die man eher selten braucht) prominent über jede Kamera geklatscht hat, weshalb ein riesiger „plus“ Button zum Hinzufügen neuer Kameras am Hauptbildschirm pappt anstatt im Menü und wieso ich die Bewegungserkennung sowohl durch das Symbol eines laufenden Männchens über jeder Kamera als auch zentral rechts unten über einen Hauptschalter ein- oder ausschalten kann, erschließt sich mir nicht.

Nicht falsch verstehen, damit kann man durchaus leben, aber da könnte man noch so vieles verbessern und verschönern um dem Nutzer ein besseres Erlebnis zu bieten und vor allem auch en-par mit der Konkurrenz zu sein!

Hat man sich aber mal mit der App arrangiert und alles optimal für das eigene Zuhause eingestellt, so funktioniert das  System gut. Wirft der Postler (Postbote) einen Brief ein erkennt meine Kamera eine Bewegung und ich erhalte eine Benachrichtigung.

Leider nicht, wie bei der Konkurrenz, inklusive Foto – dazu muss man die App öffnen, um direkt zum aufgezeichneten Clip zu gelangen. Warum wird der aber eigentlich laut abgespielt, obwohl mein iPhone stumm geschaltet ist? Äh ja… die Software mal wieder. Selbige merkt sich aber wenigstens, wenn man im Videoviewer der App den Ton abgeschaltet hat.

Schön ist, dass jegliche Clips sofort direkt in den Fotos am iPhone gespeichert werden können. Da legt einem die Konkurrenz schon mal schnell Steine in den Weg und verlangt kostenpflichtige Abonnements. Das ist gut gemacht, Blink!

Bildqualität & Bewegungserkennung

Die Bildqualität ist OK. Bei ausreichend (Tages) Licht habe ich keine Klagen, im Nachtsichtmodus wirkt das Bild etwas weniger scharf als es sein könnte. Lustigerweise ist der Nachtsichtmodus der Innenkamera in Farbe, während jener der Außenkamera gewohnt schwarzweiß ist. Alles in allem aber kann man das Notwendige gut erkennen. Von den Einstellungsstufen der Bildqualität habe ich den „optimal“ Modus verwendet. Für den „Sparmodus“ war kein Bedarf (hilfreich bei langsamem Internet bzw. sehr schlechtem Empfang) und den Modus „verbessert“ empfand ich als nicht notwendig. Während man beim Sparmodus deutlich Artefakte erkennen kann, bietet der Modus „verbessert“ meiner Meinung nach zu wenige Vorteile gegenüber dem standardgemäß eingestellten Modus „optimal“.

Etwas besser allerdings könnte der Blickwinkel sein (er ist 110°). Verglichen mit anderen Systemen allerdings ist er merklich enger. Das KANN natürlich auch von Vorteil sein, da es zu weniger Verzerrungen kommt und die Gefahr geringer ist, bei z.B. einer Außenkamera versehentlich etwas anderes als das eigene Grundstück zu filmen.

Auch die Tonqualität ist OK. Sofern keine Windbö das Mikrofon übersteuert, ist alles im grünen Bereich.

Ist das System smart?

Leider nein. Blink erkennt nur Bewegung. Ob das ein Ast im Wind ist, die Redaktionskatze, eine fette Fliege oder eine tatsächliche Person, ist dem Blink System einerlei, ausgelöst wird immer. Entsprechend wichtig ist die optimale Installation der Kameras und etwas Spielerei mit der Empfindlichkeit um Fehlalarme von Anfang an zu vermeiden.

Blink im Smart-Home

Nun ja, die Integration von Blink ist aktuell eher rudimentär, nicht zuletzt wegen der fehlenden Anwesenheitssteuerung. Zwar hat Blink keine Anwesenheitssteuerung in seine App eingebaut, ein IFTTT Applet aber macht genau das möglich, sofer der Nutzer etwas mit IFTTT anzufangen weiß. Entsprechende Applets zum Ein- bzw. Ausschalten des Systems basierend auf dem Standort des Smartphones sind schnell eingerichtet und funktionieren zuverlässig. Allerdings halt nur für eine Person und nicht z.B. „wenn die letzte Person das Haus verlässt“.

Was erfreulicherweise während des Testzeitraumes auftauchte, war ein Skill für Alexa, entsprechend kann man jetzt auch für die Blink Kameras (analog wie bei Nest) sagen: „Alexa, zeige Eingang“ und schon wird eine Verbindung zur Kamera hergestellt und der live Videostream abgespielt. Bis allerdings das Bild auf dem Echo Show oder Echo Spot auftaucht vergehen gut und gerne 10 Sekunden, als Türklingelersatz (und mangels eines Lautsprechers in den Blink Kameras) ist das System daher leider nicht verwendbar. Fairerweise muss man aber auch erwähnen, dass  die Zeit, bis das Kamerabild auf den Echos angezeigt wird, ähnlich lange ist, wie bei der Konkurrenz.

Pro & Contra

+ kleine und leichte Kameramodule
+ batteriebetrieb mit standard AA Lithiumbatterien
+ zuverlässige Bewegungserkennung
+ kann dauerhaft ohne teures Speicherplatz-Abo verwendet werden
– für die gebotenen Features etwas hochpreisig
– Konzept mit Basisstation reduziert Reichweite
– wackeliger und filigraner Haltewinkel

FAZIT

Nun also zur Fragen aller Fragen: Ist das Blink System empfehlenswert? Alles in allem: Ja. Die Kameras sind recht einfach zu installieren, die Batterielaufzeit ist ausgesprochen lang, Bild und Tonqualität sind ordentlich. Preislich konkurriert das Blink System direkt mit Netgears Arlo Kameras. Dabei ist der Vorteil von Blink das Verwenden herkömmlicher AA Lithium Batterien, während die Konkurrenz auf teurere und weniger gebräuchliche CR123 Lithium Batterien setzt und, dass Blink zudem wesentlich länger je Batteriesatz durchhält (lt. Hersteller bis zu 5 Jahre bzw. 4000x 5Sekunden Clips). Arlo hingegen wirkt hochwertiger und ist durch die Magnethalterungen wesentlich flexibler bei der Montage. Beide Systeme verwenden leidige Hubs mit denen die Kameras verbunden sein müssen, was speziell z.B. in mehrstöckigen Heimen zu Problemen führen kann. Ich würde Blink 3 von 5 möglichen Sternen geben; wird die Software auch mal auf Gleichstand mit der Konkurrenz gebracht, 4 von 5 möglichen Sternen.

  

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